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Unsere Kraftquellen

Lebenskrisen, Verluste und Krankheiten können einen ganz schön aus der Bahn werfen. Darunter leiden Selbstwert und Lebensmut, doch die gute Nachricht ist: Selbst im späteren Alter kann man seine seelische Widerstandskraft stärken und trainieren. Das braucht Eigenverantwortung und die Bereitschaft, einen erwachsenen Umgang mit Gefühlen zu erlernen.

Interview mit Anando

Ishu: Zum Leben gehören Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten oder der Verlust von Freunden und Angehörigen. Kein Mensch ist davor gefeit. Was kann helfen, mit solchen Krisen umzugehen?
Anando: Da ist unsere Widerstandskraft gefragt – das, was wir als Resilienz bezeichnen. Damit meinen wir die inneren Kräfte, die es uns ermöglichen, Krisen und Schicksalsschläge nicht nur zu überwinden, sondern im besten Falle sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen.
Für unsere Resilienz spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen werden wir schon mit ganz unterschiedlichen Anlagen geboren. So ist unsere Fähigkeit, mit Stress umzugehen, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Einige kommen mit einem empfindlichen Nervenkostüm auf die Welt – andere sind fester verdrahtet und dadurch ziemlich stressresistent.
Im weiteren spielt natürlich eine wichtige Rolle, was wir in unserer Kindheit gelernt haben. Haben wir zum Beispiel gelernt, unsere aufgeladenen Emotionen zu beruhigen? Und konnten wir später als heranwachsender Mensch die Erfahrung machen, dass wir Dinge in die Hand nehmen und etwas für unser Wohlergehen tun können? Oder haben wir eher erfahren, dass unser Tun keinen Erfolg hatte.
Unsere eigene Widerstandsfähigkeit ist also sowohl von ererbten Anlagen als auch von unseren gemachten Erfahrungen geprägt.

Wir kommen also mit sehr unterschiedlichem ­Rüstzeug auf die Welt?
Richtig, aber darauf sollte sich keiner ausruhen, denn für alle Krankheiten hat der liebe Gott ein Kraut wachsen lassen! (lacht) Das heißt: Wir können unsere Fähigkeit zur Resilienz auch noch im späteren Alter erlernen und trainieren. Das hat etwas mit unserer Eigenverantwortung zu tun: Will ich das lernen und will ich mich darin üben?
Dazu ist es natürlich wichtig, dass ich mich selbst wirklich kennengelernt habe. Dass ich weiß: Wo sind meine Stärken und wo bin ich eher anfällig?
Ich kann zum Beispiel lernen, mich auch in Stresssituationen zu beruhigen. Meditation, Übungen aus dem Yoga, Qi Gong oder anderen Disziplinen können uns dabei helfen – ohne dass wir zu künstlichen Hilfsmitteln (Drogen, Alkohol etc.) greifen müssen, die uns dann letztlich schaden. Gut sind dabei vor allem die Übungen, die uns Freude machen. Deswegen sagte auch Osho immer: "Mache die Meditation, die dir am meisten Spaß macht!" Das können natürlich im Laufe der Zeit unterschiedliche sein.
Im weiteren kann ich auch einen anderen Umgang mit meinen Gefühlen erlernen. Wenn ich etwa die Erfahrung gemacht habe, dass meine Emotionen früher nicht gerne gesehen waren, kann ich lernen, ihnen nicht feindlich zu begegnen. Indem ich versuche, ihnen unvoreingenommen zu begegnen, schaffe ich Raum für die Frage: Wie kann ich jetzt mit ihnen umgehen?
Nicht zuletzt ist unsere soziale Vernetzung ein wesentlicher Resilienz-Faktor. Fühlen wir uns mit anderen verbunden und haben wir einen Freundeskreis, von dem wir uns getragen fühlen? Auch dafür kann ich ja einiges tun.

Nehmen wir mal einen konkreten Fall: Peter, 32 Jahre, verliert seine Arbeit. Seine Firma musste Stellen einsparen, und so steht Peter auf einmal ohne Job da. Er hat seine Arbeit geliebt und ist tief verletzt, dass ausgerechnet seine Stelle gestrichen wurde. Jetzt fühlt er sich als Loser und hat regelrecht Panik, dass er irgendwann auf der Straße ­landet. Was kann ihm helfen?
Zunächst mal ist es in so einer akuten Krise wichtig, zu unterscheiden: Was ist nur der Film in meinem Kopf und was ist Realität? Unser Verstand malt in solchen Situationen gerne den Teufel an die Wand. Und so entsteht dann ein Szenario, wo man sich schon als Bettler vor dem Supermarkt sitzen sieht. Hier ist es wichtig, innezuhalten und zu gucken: Was ist real und was sind nur meine Ängste?
In unserem Fall ist es sicher wesentlich, dass Peter zuvor gelernt hat: Ich bin wertvoll, so wie ich bin, und nicht nur, weil ich den tollen Job habe. Es geht um einen Selbstwert, der sich nicht an äußeren Dingen festmacht. Denn wenn wir uns davon abhängig machen, sind wir viel störanfälliger und werden manipulierbar.

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web | www.hara-awareness.eu

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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