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Alltag in Osho Risk

Das dänische Buddhafeld lässt grüßen. In dieser Eco Community auf dem Lande leben Sannyasins aus vielen Nationen zusammen.

Text: Subuti

Ein kalter Wintermorgen. Die Sonne scheint durch die Panoramafenster vom Osho Risk. Draußen herrscht Frost, aber hier im Speisesaal ist es warm und gemütlich. Eine Italienerin, die heutige Küchenchefin, erscheint aus der Küche und wuchtet eine riesige Salatschüssel auf den Tisch; hinter ihr zwei Helfer, die zusammen einen massiven Kochtopf schleppen, randvoll mit Minestrone.

Mahlzeit!

Damit ist der langgestreckte, schmale Esstisch endlich gedeckt. Das Mittagessen ist fertig, aber wir müssen warten.
"Fangt bitte nicht an, bevor die Gruppe rauskommt", mahnt die Köchin.
Gutmütig widerstehen die sechs, sieben Schlange stehenden Sannyasins der Versuchung, sich ihre Teller zu füllen. Hier im Risk wird peinlich darauf geachtet, den Gruppenteilnehmern stets appetitliche, rein vegetarische und frisch zubereitete Mahlzeiten zu servieren.
An der Stirnseite des Speisesaals führt eine Tür in Richtung einer geräumigen Meditationshalle, Mandir genannt, wo zurzeit ein Training stattfindet. Jetzt geht die Tür auf und mehrere Gruppenteilnehmer treten ein. Dies ist das Signal.
"Sie kommen!", ruft jemand der Köchin zu, die längst wieder in die Küche verschwunden ist. "Okay, ihr könnt anfangen!", ruft sie­ und schon setzt sich die Schlange am Tresen in Gang.
Die Auswahl an heißen und kalten Speisen ist groß – jeder nimmt sich, was er mag, und zum Schluss noch ein Glas Wasser, einen Tee oder Kaffee und nimmt dann an einem der Tische aus Kiefernholz Platz.

Eine andere Art von Familie

Darunter auch Abhi, eine 29-jährige Schwedin mit blondem Haar und ernster Miene, die im Nu zu einem fröhlich lachenden Kindergesicht werden kann. Ursprünglich aus Stockholm, lebt sie jetzt in Kopenhagen und ist eine Trainingsteilnehmerin.
Mit vollem Teller steuert sie auf die Sofas zu, ein beliebter Treffpunkt im Speisesaal mit Blick auf die von hohen Fichten eingerahmten Rasenflächen. Amseln und Buchfinken hüpfen dort herum.
"Hier im Risk kann ich zu mir kommen – und dann auch wirklich auf andere zugehen", sagt Abhi. "Ich bin hier so vielen Menschen aus aller Welt begegnet, die ich liebe. Ich habe mit wunderbaren Wesen Freundschaft geschlossen; sie alle bilden jetzt meine ganz persönliche Familie."
Hier war es auch, wo Abhi sich verliebt hat. "Im Risk haben mein Partner und ich uns kennengelernt, und ich bin mir sicher, dass Osho dabei seine Hand im Spiel hatte!", fügt sie lachend hinzu.
Etwa 35 Leute haben sich inzwischen im Speisesaal eingefunden. Die meisten sind Skandinavier, also Dänen, Norweger oder Schweden, es gibt darunter aber auch Deutsche, Italiener, Polen und Russen.
Bei den Mahlzeiten treffen sich alle, die mit dieser Kommune zu tun haben, also außer ihren Dauermitgliedern auch die zeitweiligen Praktikanten und Gruppenteilnehmer sowie die in den umliegenden Dörfern wohnenden Sannyasins.
"Das Risk hat jedem etwas zu bieten", kommentiert Anjee, eine Dänin. Sie besucht das Risk, seit es vor über 30 Jahren gegründet wurde, und war zeitweilig selbst Kommunemitglied. Heute wohnt sie in Traeden, einem auf einer 2km entfernten Anhöhe gelegenen Dörfchen.
"Man kann voll oder nur vorübergehend dazugehören oder als Besucher herkommen", erklärt sie. "Wer zur Kerngruppe gehört, wohnt auf dem Anwesen, und es gibt Leute wie mich, die praktisch jeden Tag herkommen, um mitzuarbeiten oder Freunde zu treffen", ergänzt sie.

Das Worker-Programm

Die Teilnahme am Worker-Program der Kommune ist eine günstige Gelegenheit, um meditieren und mitmachen zu können, ohne viel Geld auszugeben: Wer vier Stunden lang arbeitet, Zimmer putzt oder in der Küche mithilft, kann in seiner Freizeit tun und lassen, was er will.
"Als ich nach einem Primal-Kurs in Griechenland hierherkam, war ich in einem sehr offenen und verletzlichen Zustand", erinnert sich Hiya, eine junge Russin aus Jekaterinenburg, die einen Monat lang am Risk Worker-Program teilnimmt.
"Solch ein Programm war mir völlig neu und vor allem hatte ich Angst, dass die inneren Vorgänge, die in der Primal begonnen hatten, keine Unterstützung finden würden", fährt sie fort. "Wie erleichtert war ich aber, als ich von freundlichen Leuten begrüßt wurde! Inzwischen habe ich alle hier im Risk ins Herz geschlossen, denn jeder hat mich etwas Wichtiges gelehrt. Es macht mir große Freude, hier wohnen, arbeiten und meditieren zu können."
Hiya ist der Inbegriff von Energie und ein Fan der Dynamischen Meditation: In der Katharsis-Phase brüllt keiner so laut wie sie. "Sogar zu Hause in Russland können sie mich noch hören!", brüstet sie sich lachend.
"Es ist ja nicht gerade ein Zuckerschlecken", sagt sie nachdenklich. "Seit ich hier bin, sind einige meiner Traumata zum Vorschein gekommen und ich bin dankbar für all die Unterstützung und Liebe, die ich bekomme. Das hilft mir, meinen Schmerz zu verwinden und innerlich stärker zu werden."

…

web | www.oshorisk.com

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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