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Sonnenkind und Schattenkind

Die Erlebniswelt unserer Kindheit lebt als "Inneres Kind" in uns fort. Praphulla spricht darüber, wie gut es tun kann, sich diesem inneren Kind als Erwachsener zuzuwenden und ihm Geborgenheit und Liebe zu geben. So können beide von einander lernen: Das Kind findet einen sicheren Platz und der Erwachsene kann etwas von der kindlichen Verspieltheit und Kreativität in sein Leben aufnehmen.

Interview: Ishu

Ishu: Was ist eigentlich gemeint, wenn wir von dem inneren Kind sprechen?
Praphulla: Das innere Kind drückt symbolhaft aus, dass die Prägungen, die wir als Kind erfahren haben, in uns auch als Erwachsener weiterleben.
Jedes Baby kommt offen und neugierig auf die Welt. Seine Energie pulsiert vor Lebendigkeit. Doch dann kommt die Prägung durch Eltern und Gesellschaft und die ursprüngliche Offenheit erfährt immer mehr Einschränkungen. Viele dieser Prägungen sind uns ja gar nicht bewusst und doch bestimmen sie unser Leben als Erwachsene.

Steht das innere Kind vor allem für Lebendigkeit und Frische oder auch für all die Verletzungen, die wir als Kind erfahren haben?
Es steht für beides. Man spricht auch von dem Sonnen- bzw. Schattenkind. Denn natürlich gibt es in jedem von uns ein Schattenkind, da niemand eine optimale Kindheit hatte. Auch die Kindheit unserer Eltern ist durch Verletzungen und Wunden geprägt worden. Solche Verletzungen werden meist weitergegeben. So haben wir bestimmt nicht all die Zuwendung erlebt, die wir gebraucht hätten. Jedes Kind entwickelt daraufhin Strategien, um seine Defizite und Schwierigkeiten zu überleben. Eine solche Strategie kann zum Beispiel sein, sich von den eigenen Gefühlen abzuschneiden; d.h. möglichst wenig zu spüren, um nicht fühlen zu müssen, wie weh es tut, so wenig Liebe zu erfahren. Vielen hat das geholfen, die eigene Kindheit zu überleben. Doch oft tragen wir diese Abgeschnittenheit von unserer Gefühlswelt auch als Erwachsene weiter mit uns herum.

Was war deine eigene Überlebensstrategie?
Mich anpassen, Ja sagen und lieb und nett sein. Ich wollte von allen geliebt werden. Mittlerweile bin ich 65 Jahre und sehe immer noch, wie dieses Muster in mir weiterlebt. Diese Strategie war für das Kind durchaus überlebenswichtig. Nur wenn keine Bewusstwerdung erfolgt, läuft dieses Programm beim Erwachsenen weiter. Dann bin ich lieb und nett, wenn es mir eigentlich guttun würde, Grenzen zu setzen. Diese Überlebensstrategie aus der Kindheit kann dem Erwachsenen später im Weg stehen. Aber durch Bewusstwerdung, Mitgefühl und Verständnis kann er sich dem Kind neu zuwenden. Das ist ein wichtiger Schritt, um aus der Identifizierung auszusteigen.

Jetzt kannst du also das Kind mit anderen Augen sehen?
Genau das ist sehr heilsam! Heute kann ich aus der Warte des Erwachsenen auf das Kind schauen, und das Kind kann den Erwachsenen wahrnehmen. Beide können miteinander in Verbindung treten und beide können auch voneinander lernen. Das Kind fühlt sich mehr gesehen und unterstützt und der Erwachsene hat mehr Zugang zu seinen kindlichen Anteilen. Denn das Kind steht nicht nur für meine frühen Verletzungen – es steht auch für meine ursprüngliche Lebensfreude und Lebendigkeit und bereichert mein Leben als Erwachsener enorm.

Glaubst du, dass man die alten Wunden des Kindes als Erwachsener heilen kann?
Die Wunden sind geschehen, und was geschehen ist, kann ich nicht mehr ändern. Sobald ich aber Liebe und Mitgefühl für das Kind in mir entwickle, beginnt die Heilung. Das Kind fühlt sich wahrgenommen und verstanden. So kann ich den Teil von mir integrieren, zu dem ich bisher keine Verbindung hatte. Es ändert sich einiges, wenn ich als Erwachsener dem Kind in mir Halt gebe und mir anderseits meiner Qualitäten als Erwachsener bewusst werde. Wichtig zu sehen: Es gibt eben auch den Erwachsenen, der all die Schwierigkeiten der Kindheit überlebt hat und seinen Platz im Leben gefunden hat.

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web | www.praphulla.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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