"Wenn du dich in die Welt der Gefühle wagst, wagst du dich ins Chaos. Gefühle sind irrational; sie haben kein System. Wenn du dich auf Gefühle einlässt, weißt du nicht mehr, wo du bist. Du kannst nie sicher sein. Alles verändert sich, jeden Augenblick – alles strömt."
OSHO
Auszug aus einem Diskurs von Osho zum Feature-Thema
Ist da irgendwer zu Hause?
Frage an Osho:
Mir fällt es schwerer, mich von meinen Gefühlen zu distanzieren als von meinen Gedanken. Wahrscheinlich deswegen, weil meine Gefühle mehr im Körper wurzeln.
Stehen die Gefühle tatsächlich dem Kopf näher als dem leeren Herzen?
Diesen Trugschluss haben die Dichter erfunden. Eure Gedanken, eure Gefühle und Emotionen, eure Befindlichkeiten sind alle in eurem Kopf zentriert. Zu meinen, eure Gefühle kämen aus dem Herzen, ist ein Trugschluss. Euer Herz ist nur eine Pumpstation für das Blut.
Wenn wir vom leeren Herzen sprechen, meinen wir in Wirklichkeit den leeren Geist. Buddha hat das Wort Herz statt Geist eingeführt, weil man mit Geist die Vorstellung verbindet, dass er nur der Denkprozess sei, wohingegen der Prozess des Fühlens Herzenssache und das Herz tiefer sei.
Solche Vorstellungen stammen von den Dichtern. Aber die Wahrheit ist: Ob man es nun leerer Geist nennt oder leeres Herz, das spielt keine Rolle. Leere … da bist du nur ein Beobachter und rings herum gibt es nichts, womit du identifiziert bist, gibt es nichts, woran du dich klammerst. Diese losgelöste Aufmerksamkeit ist der leere Geist, Nichtgeist oder das leere Herz. Das sind einfach nur Wörter. Was zählt, ist das Leersein – von allen Gedanken, Gefühlen, Empfindungen, Emotionen. Was bleibt und worauf es einzig und allein ankommt, ist das Zeugesein. Und das wirst du schwer finden. Dich nicht mehr mit deinen Gedanken zu identifizieren ist deshalb leichter, weil Gedanken oberflächlicher sind. Dich nicht mehr mit deinen Gefühlen zu identifizieren ist dagegen etwas schwerer, weil sie tiefer gehen und mehr in deiner Biologie, in deiner Chemie, in deiner Physiologie, in deinen Hormonen wurzeln. Gedanken sind lediglich treibende Wolken. Sie wurzeln nicht in deiner Biologie, in deiner Chemie, in deiner Physiologie, in deinen Hormonen, sondern sind nur treibende Wolken ohne alle Wurzeln. Aber Gefühle haben Wurzeln, also fällt es schwer, sie auszureißen.
Es ist leicht, die Relativitätstheorie im Auge zu behalten. Es ist schwer, ein Zeuge deiner Wut, deiner Liebe, deiner Gier, deines Ehrgeizes zu sein. Und zwar deshalb, weil sie tiefer im Körper wurzeln. Aber wenn du die Identifikation mit deinem Körper lösen kannst, ist das nicht weiter schwer.
Und als Frau hast du es ein wenig schwerer. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen …
Mulla Nasruddin las seine Zeitung und plötzlich rief er seine Frau und sagte: "Ich habe vier Fliegen gefangen – zwei Männchen und zwei Weibchen."
Seine Frau fragt ihn: "Mein Gott, woher kennst du denn ihr Geschlecht?"
Er erwidert: "Kinderspiel! Zwei haben seit Stunden mit mir die Zeitung gelesen. Und zwei saßen derweil wie angeklebt auf dem Spiegel."
Es ist also nicht ganz so leicht. Aber Zeugesein ist ein messerscharfes Schwert – es durchtrennt alles mit einem Schlag, ob Gedanken, Gefühle oder Emotionen. Und inzwischen weißt du aus eigener Erfahrung: Je tiefer du in Meditation gehst, desto weiter lässt du den Körper, die Emotionen, die Gedanken zurück … nur das Zeugesein bleibt. Das ist deine authentische Natur. Die Leere im Herzen des Buddha … hast du erst einmal diese Leere erreicht, bist du eins mit dem Buddha … bist du eins mit allen Buddhas aller Zeiten, aus Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. …
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Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen
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