Feature zum Themenschwerpunkt des Monats
"Dafür muss man viel üben!"
Sich den eigenen Gefühlen zu stellen, erfordert Mut und Geduld.
Ein Interview mit Vasumati
von Ishu
Warum sind Gefühle für uns wichtig?
Gefühle können uns unserer eigenen Wahrheit näherbringen. Sie machen uns sensibel für das, was wir gerade im Moment erleben. Durch sie kommen wir in Kontakt mit uns selbst und können das, was wir dabei erleben, mit anderen teilen. Insofern sind sie auch für den Kontakt mit anderen wichtig. Gefühle ermöglichen Intimität. Jeder Mensch hat Gefühle, doch wenn Leute überhaupt nicht mit ihnen verbunden sind, wird es sehr schwierig für sie, Nähe und Intimität zu erleben.
Bei Gefühlen geht es also zunächst um das innere Erleben und nicht um ein Agieren nach draußen?
Genau. Es geht darum, wie eine bestimmte Situation auf dein Inneres wirkt, was ausgelöst wird. Das ist nach außen nicht sichtbar, aber derjenige, der es erlebt, kann es wahrnehmen und anderen mitteilen. Davon zu unterscheiden sind Emotionen. Emotionen sind der nach außen getragene Ausdruck deiner Gefühle. In dem Wort "Emotion" steckt das lateinische movere und das bedeutet "bewegen". Die Emotion will sich ausdrücken, geht ins Außen.
Sind Gefühle unserem Sein näher als etwa Gedanken?
Auf jeden Fall. Gedanken und insbesondere auch obsessive Gedanken geschehen, wenn du deine Gefühle abgeschnitten hast oder gelernt hast, sie anzupassen und zu verbiegen. Dann geht die Energie der Gefühle nicht in den emotionalen Körper, sondern sie geht hoch in deinen mentalen Körper. Die Gedanken sind dann wie eine Ersatz-Erfahrung für die Gefühle. Das ist natürlich problematisch, weil natürliche, emotionale Prozesse nicht abgeschlossen werden können.
Es ist also wichtig, dass wir unsere Gefühle authentisch erleben können. Warum ist das manchmal so schwierig?
Die wenigsten von uns haben als Kind erlebt, dass wir mit unseren Gefühlen willkommen waren. Wenn du in deinen Gefühlen nicht akzeptierst und unterstützt wirst, lernst du schnell, sie anzupassen. Du formst sie so, dass du die Anerkennung bekommst, die du brauchst. Das hat enorme Auswirkungen: Dein ganzes Verhalten wird angepasst. Du lernst, eine Rolle zu spielen. Du drückst das aus, von dem du glaubst, es sei akzeptabel. So verlierst du den Kontakt zu deinen Gefühlen. Es kommt zu einer Spaltung: Entweder hörst du auf zu fühlen oder du spielst Gefühle vor, die andere von dir erwarten. Bei der ganzen Arbeit mit Osho ging es daher ganz stark darum, wieder Zugang zu unseren Gefühlen zu bekommen – so, wie sie tatsächlich sind.
Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.
