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Wunder über Wunder

Fotografie und Text von Antar (Rosa Rosa)

Ich gehe fast jeden Tag in den Wald … den Blick auf den Boden geheftet, folge ich dem, was mich anzieht. Die Digitalkamera mit Makroobjektiv ist mein Auge, ist mein Pinsel und meine Leinwand … die Natur schenkt mir die Farben, Formen und Strukturen … voll Neugier schau ich mir alles Kleine von allen Seiten an, denn es gibt immer ein Oben und Unten, ein Hinten und Vorne, ein Drinnen und Draußen. Völlig versunken bin ich unterwegs, merke nicht, wie die Zeit vergeht und wie oft ich den Auslöser gedrückt habe. Ich kehre heim, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas in mir gesättigt ist. Ich arbeite ohne Stativ, damit ich flexibel und schnell bin. In der Makrofotografie ist das eine Hürde, denn jede kleinste Bewegung des Körpers verschiebt den sehr kleinen Schärfebereich. Dicke Gedankenwolken versetzen meinen Körper in kleine pulsierende Schwingungen, sodass viele Bilder unscharf werden. Für mich sind meine Fototouren wie ein Messstab für meine Ausgeglichenheit und innere Ruhe. Wenn ich von meinen Fototouren nach Haus komme, spiele ich die Bilder direkt auf meinen PC. Das ist immer wieder eine Überraschung, eine Freude, eine Verbundenheit und ein Staunen. Manchmal habe ich beim Fotografieren gar nicht alles erkannt, was ich später auf dem Foto sehen kann, etwa eine winzig kleine Schnecke oder ein klitzekleines Käferchen. Manchmal kommen mir Worte zu den Bildern, zum ersten Mal vor etwa vier Monaten. Ich sehe etwas und ein Wort steigt in mir auf, ein Wort, das eine Verbindung zwischen dem Foto und einem tiefen Gefühl in mir herstellt. Und es ist eine Art Erkenntnis, dass dort im Kleinen der Natur alles eine Antwort gibt auf unsere großen Menschenfragen. Für mich ist es, als hätte ich Schlüssel und Antworten gefunden. Ein Foto und ein Wort … etwas, das meine Aufmerksamkeit anzieht … ich öffne das Foto in meinem Bildbearbeitungsprogramm, vertiefe mich hinein und verändere solange das Bild, bis es mein Gefühl dazu ausdrückt. Manchmal ist das nur ein Rahmen drum herum, manchmal ein Vertiefen der Farben, manchmal ein bisschen Beleuchtung oder ein Filter … Und dann fließen weitere Worte aus mir heraus, eine Botschaft, ich schreibe schnell in die Tastatur, folge meinem Gefühl, schreibe bis es vorüber ist, und ändere nichts mehr daran. Ein schneller Prozess, sehr schnell. Das ist alles. Unspektakulär. Es fühlt sich fertig an, verbunden, zusammengefügt, wie ein Puzzle, wie ein Wunder. Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt meine eigenen Worte sind, meine eigenen Botschaften. Ich weiß es nicht.
VITA
Antar Heike, Jahrgang 1962, schon von Kindheit an fasziniert von Farben, Formen und Strukturen, Malerei und Kunst.
rosa.rosa&gmx.net | Tel. 05235/503453


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