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Das Unerwartete bestimmt die Richtung
Bilder von Anurage
Nach einem angefangenen Studium der Malerei und meiner ersten großen
erfolgreichen Ausstellung in München 1980 fand ich mich im Flugzeug auf
einem kurzen Abstecher nach Pune wieder. Ich wollte zu einem indischen
Mystiker, von dem mir viele erzählt hatten und dessen Licht ich in den
Augen eines sehr nahen Freundes gesehen hatte. Schon kurz danach saß
ich vor Osho mit dem Gedanken: „Er wird bestimmt etwas über Malerei sagen." Doch
dieser Gedanke verblasste von Sekunde zu Sekunde. Osho sprach ausschließlich
über die Liebe …
Für die nächsten Jahre blieben mein Aquarellkasten, drei Pinsel
und ein Block Papier in meinem kleinen Koffer, während ich mit Osho auf
eine Reise in die Liebe ging.
Einige Monate bevor Osho seinen Körper verließ, hieß es, dass jeder
in sich das suchen sollte, was ihm das Leben als Geschenk mitgegeben
hatte. Dort solle er seine Energie einfließen lassen. Da musste ich nicht
lange suchen. Ich öffnete wieder meinen kleinen Koffer mit Aquarellkasten,
Block und Pinsel und verließ Oshos Haus, um das erste „Open Air Painting
Studio" zu eröffnen.
Kurz darauf führte mich die Liebe zu einem Freund und Geliebten,
der sich zutiefst der Malerei verschrieben hat. Nachdem Osho seinen Körper
1990 verlassen hatte, gingen wir gemeinsam nach Deutschland zurück und
lebten in einem kleinen, idyllischen Dörfchen. Hier verbrachten wir die
nächsten Jahre über in unseren Ateliers, Stunden über Stunden, tagaus,
tagein.
In dieser Zeit malte ich mich durch die letzten Jahrhunderte. Intensiv
leuchtende Ölgemälde und Hunderte von Zeichnungen entstanden. Es gab
Tausende Besuche von Museen und Ausstellungen. Eine ganz neue Welt der
Kunst tat sich mir auf, mit all ihren Facetten – den wärmenden, anspornenden,
kreativen, aber auch den egoistischen, dunklen und unangenehmen Seiten.
Doch dann zog mich das Leben aus dieser Atmospäre wieder heraus,
und ich tauchte wieder in die Welt von Liebe und Meditation ein. Ich
ging nach Indien. Hier verschmolz alles für mich: Liebe, Malerei und
Meditation wurden eins. Während meines Aufenthaltes im Himalaja fand
das Mandala seinen Weg in meine Malerei. Völlig neue Bilder entstanden,
Augenblicksbilder entstanden, nicht gemalt, einfach von alleine passiert,
in denen das Unerwartete die Richtung bestimmt. Oft male ich nur sehr
schnell und flüchtig mit reinem Wasser, ein einziger, höchstens zwei
oder drei Tropfen Tusche malen ihr eigenes Bild. Ich sitze nur da und
beobachte, manchmal stundenlang, tagelang …
„Es gibt nichts zu tun – das Gras wächst von allein."
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