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Transparenz und Geräumigkeit

… bestimmen Anutoshs Malerei

Anutosh malt innere Landschaften. Dabei schätzt er eine möglichst „realistische“ Darstellung.
In jedem seiner Gemälde offenbart sich eine blitzhafte Ahnung von Einheit und Verbundenheit, die über das Sichtbare hinausgeht. Egal wie groß seine Leinwände sind, der Kosmos, in den sie uns Einblick schenken, sprengt immer die Grenzen des Bildes. So ist immer nur ein Ausschnitt, ein Bruchteil oder ein Fetzen sichtbar – vom Bildrahmen umschlossen und begrenzt. Dennoch rufen diese sehr beschnittenen Formen den Eindruck einer gewissen Grenzenlosigkeit hervor, so wie wenn man durch den Fensterrahmen auf den wolkigen Himmel schaut.
In Anutoshs Welt können sich die Formen frei bewegen. Manchmal existieren diese nur im dreidimensionalen Raum, wirken wie Skulpturen. Auf anderen gestalten sich lauter farbige Oberflächen zu einer ganzen Architektur und das Auge des Betrachters kann in die Ferne schweifen, wird entlang der Perspektiven hinausgelockt in eine noch nie gesehene Landschaft.
Farbe als solche kreiert ein Raumgefühl; ab und an wird dies durch den Auftrag der Pinselstriche selbst erzeugt, die wie eine Bildhauerarbeit wirken, während uns die Farben in andere Welten versetzen. Die Gemälde können gegenständlich oder rein abstrakt sein. Man sollte sie nicht als bloße Formspiele sehen.
Die Malerei birgt für Anutosh faszinierende visuelle und taktile Möglichkeiten. So mag er z.B. auf dem einen Bild Pinsel- mit Wachsstiftarbeit verbinden, sowie Formen und leise Farbtupfer sorgfältig platzieren oder wie vom Zufall gelenkt hinzufügen – all dies trägt zu den Raumeffekten bei und der Assoziation krabbelnden Lebens. Anutosh ist jemand, der die Augen offen hält und auf seinen ausgedehnten Reisen Unmengen von Eindrücken gesammelt hat.
Seine Großbilder sind abstrakt, fast formal. Sie enthalten leise vor sich hinmurmelnde Bewegungen. Gestochen scharf gemalt, aber mit dynamischen Ausbrüchen, rhythmischen Verzögerungen versetzt – im Gewebe der Vor- und Hintergründe wie geklöppelt. Transparenz und Geräumigkeit sind die Schlüsselelemente in seinem Werk, meist hervorgerufen durch offene „weiße“ Räume, die ein Gefühl der Stille vermitteln.
„Meinen ersten Kontakt mit der Welt Oshos hatte ich 1980“, erinnert er sich, „bei der großen ,Full Moon-Party‘ in Amsterdam. Ich war damals neun Jahre alt. Mutter und Tante waren Sannyasins, und so kam es, dass ich die ganze Nacht lang zwischen diesen seltsamen, aber glücklich strahlenden Leuten herumgetanzt bin. Ich glaube, dass ich dieser bunten und weltoffenen Kindheit sehr viel von der Freiheit und Offenheit meiner Arbeiten verdanke.
Osho nahm für mich jedoch erst viel später persönlich Gestalt an, als meine Reisen mich Anfang 1991 nach Pune führten. Mit zwanzig, am 16. März 1991, wurde ich dann Sannyasin. In Pune hatte ich das Gefühl, wirklich nach Hause gekommen und unter meinesgleichen zu sein. Ich fuhr 1992 wieder hin; beide Male arbeitete ich aktiv im „Design Department“ (das damals noch hauptsächlich handwerklich orientiert war) und in den Osho Painting Studios mit. Ich liebte das Malen unter freiem Himmel im Ashram … In der indischen Sonne trocknen die Ölfarben immer genauso schnell wie Acryl! 1998 und 99 fuhr ich erneut nach Pune. Meine erste Amsterdamer Ein-Mann-Ausstellung stand bevor, und ich sehnte mich nach der inspirierenden Atmosphäre des Ashrams, in der sich das Malen spielend leicht mit dem Meditieren verband.
Stille und die tatsächliche Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks sind die Pfeiler meines Lebens. Und ich glaube nicht, dass ich ohne Meditation mit dem gleichen Gefühl der Sammlung malen könnte. Seit zehn Jahren ist dieses Thema für mich zu einer Herausforderung geworden, da mir wirklich daran liegt, den inneren Meditierer nach draußen auf den ,Marktplatz‘ zu bringen. Und zwar als Künstler ebenso wie als Vater zweier entzückender Töchter und liebender Mann meiner Frau.

*Auf der Biennale 2009 von Kairo vertrat Anutosh die Niederlande und wurde gebeten, als Gastkurator bemerkenswerte ägyptische Maler auszuwählen. Die entsprechende Ausstellung von ihm und zwei ägyptischen Künstlern wird in der Galerie Helga Hofman, in Alhen a/d Rijn (NL), am 24. Mai 2009 eröffnet.

www.anutosh.com

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