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Zen – die höchste Aufmerksamkeit
Tuschemalerei von Aradhana
Ich male schon seit Langem; erst später, als ich nach einem einfacheren
Stil suchte, stieß ich auf diese Methode namens Chinesische Tuschemalerei.
Aber ehe man da von einem regelrechten Bild sprechen kann, muss
man erstmal die Technik erlernen, genau wie bei einem Musikinstrument.
Dieser Ansatz unterscheidet sich sehr von der westlichen Malerei: selbst
den Pinsel muss man ganz anders in der Hand halten! Also muss man das
lernen. Wenn die Tusche erst mal auf dem Papier ist, ist sie da, danach
ist nichts mehr zu machen …
Alle Materialien werden aus Naturprodukten in China hergestellt,
und alles ist sehr ästhetisch. Der Pinsel ist aus irgendeinem tierischen
Haar, Wolf oder Schaf, der Griff ist aus Bambus. In China werden solche
Pinsel schon seit Jahrtausenden gemacht, folglich steckt hinter jedem
einzelnen Pinsel ein enormes Know-how. Das Papier ist dünn und wird aus
Gras-, Baumwoll-, Maulbeerbaum- oder anderen Fasern hergestellt. Die
Tinte wird aus Leim und Kiefernholzasche gemischt. Traditionell wird
die Tinte als ein ca. zehn Zentimeter langer, mit Patschuli parfümierter
Hartriegel geliefert; aber das genaue Rezept wird von den Tuscheherstellern
streng geheim gehalten! Tusche, Pinsel und Papier hegen alle zueinander
eine große Zuneigung, und es macht großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.
Tusche und Papier scheinen sich zu heiraten, wenn du die Tusche auf das
Papier gibst!
Anfangs muss man sehr viel üben und wieder und wieder dasselbe
malen; mein erstes Bambusdickicht sah aus wie ein Bündel Bananen! Aber
je länger ich übte, desto besser wurde der Bambus erkennbar …
Ehe man zu malen anfängt, wird die Tusche gerieben. Dazu feuchtet
man den Tusche-Stab mit ein paar Wassertropfen an und verreibt ihn dann
mit einer Kreisbewegung mit dem Wasser. Das ist eine kleine Centering-Übung
und bereitet dich aufs Malen vor.
Ich empfinde diese Art zu malen sehr als Zen: Du sitzt da, hältst
den mit Tusche gesättigten Pinsel und schaust auf ein leeres Blatt Papier,
hoch aufmerksam … aber dein Kopf muss leer sein … und sobald sich das
Chi richtig anfühlt, springst du rein. Das Papier saugt die Tusche auf,
und am Resultat ist nichts mehr zu ändern. Du kannst es weder entfernen
noch ändern. Dann atmest du nur, entspannst dich und machst weiter. Du
musst jeden Strich höchst aufmerksam setzen, sonst verdirbst du’s.
Wenn ich in meinen Bildern auch nur ein klein wenig von der Schönheit
der Natur rüberbringen kann, werde ich mehr als glücklich sein.
„Wenn du etwas herstellst und es schaffst, deine ganze Energie
dabei einzubringen, schenkt dir das Befriedigung, beschert dir das ein
tiefes Gefühl der Erfüllung – das Gefühl, nicht umsonst hier gewesen
zu sein:
Du hast etwas beigesteuert, hast die Welt ein klein wenig schöner
gemacht – hast ein paar Blumen mehr beigesteuert.
Wenn jeder nur ein paar Blumen mehr beisteuert, kann diese ganze
Welt wieder zu einem Garten werden.“
Osho
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