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Die Schokoladenseite des Lebens
Fotos von Arnava
von Premendra
Normalerweise stellen wir auf unseren Kunstseiten Künstler vor, deren
Werke wir auf Papier gedruckt zeigen können. Maler, Bildhauer,
Fotografen und ihresgleichen. Auf einer Reise ins Osho Nisarga
Meditationszentrum am Rande des Himalajas ist mir ein Mensch begegnet,
den ich nicht als Künstler im herkömmlichen Sinne bezeichnen würde,
sondern als einen durch und durch kreativen Menschen.
Arnava ist verrückt, lebendig und liebt Schokolade. Er kommt aus
New Delhi und träumt davon, die beste Schokolade Indiens herzustellen.
Wer indische Schokolade kennt – hier sei nur Cadbury genannt –, der weiß,
dass es in Indien in diesem Bereich qualitativ nur in eine Richtung gehen
kann, nämlich ganz bestimmt nicht weiter nach unten.
Als Chocolatier in Delhi war es ihm wichtig, nur kleinere Mengen,
maximal 100 kg pro Charge zu produzieren. Er erzählt, für ihn sei
es entscheidend, so viel wie möglich selber – von Hand und ohne Hilfe
von Maschinen – zu machen. Er sagt, ihm sei der direkte Kontakt wichtig,
damit etwas von ihm in die Schokolade einfließen könne. Ebenso
ist es, wenn er kocht. Er würde niemals Gewürze mit einem Löffel ins
Essen geben, sondern immer nur mit den Händen, will sie zwischen den
Fingern spüren. Er wiegt die Zutaten nicht ab …
Was ich an Arnava am meisten liebe: Er ist einfach so, wie er ist.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass er allzu viel Energie darauf
verschwendet, jemand anders als er selbst sein zu wollen. Er ist
jemand, bei dem es schwerfällt, sich nicht gut zu fühlen; Im Nisarga
kümmert er sich um die Musik, er kocht, putzt und nebenbei liebt er es
„to click“. So nennt man in Indien das Fotografieren. Arnava hat eine
kleine Kompaktkamera von Nikon, eine, die zahllose Menschen benutzen,
um ihre Urlaubserinnerungen nach Hause zu bringen. Aber wie er damit
fotografiert, ist überraschend. Ich habe mir seine Fotos angesehen.
Wenn er „clickt“, hält er sich nicht an die Normalparameter wie
„richtige Belichtung“, „Kamera gerade und ruhig halten“ oder „schöne
Motive aussuchen“. Mir scheint eher, dass er seinen Kopf ausschaltet
und vielleicht dann den Auslöser drückt, wenn es im Finger juckt.
Oder im Bauch. Oder im Herzen. Und er macht meist nur ein Foto am Tag.
Wenn er ein Bild im Kasten hat, legt er die Kamera weg und denkt nicht
mehr ans Fotografieren.
Vielleicht mag ich seine Fotos, weil ich in ihnen keine Ambitionen
erkenne, weil sie mich überraschen, weil ich das Gefühl habe zu
sehen, dass hinter der Kamera jemand gestanden hat, der voller Liebe
und Spontaneität ist und mit den Augen eines Kindes in die Welt schaut.








