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Das innere Lachen
Die Arbeiten von Hasya von Heyden
Hasya von Heyden ist Bildhauerin. In ihrem Atelier mitten in Freiburgs
Altstadt stehen große weibliche Torsi und Skulpturen, deren unschuldige
Sinnlichkeit sehr berührt. An den Wänden hängen Zeichnungen, eigenwillige
Wachsarbeiten und ihre letzten „Madonnenarbeiten“ – große Fotocollagen
auf Leinwand, die sich mit dem Thema „Frauenrolle im westlichen Kulturkreis“
auseinandersetzen.
Seit Anbeginn ihrer Bildhauerlaufbahn beschäftigt Hasya sich mit
dem weiblichen Sein; es beherrscht Thematik, Ausdruck und Form.
„Begonnen habe ich mit realistischen Figuren und Zeichnungen.
Inzwischen bin ich in meinem bildhauerischen Schaffen zur Minimalform
übergegangen – eine fast logische Entwicklung im Leben einer Bildhauerin.
Von Anfang an habe ich mich dem weiblichen Körper zugewendet. Denn über
seine runden Formen, seine zärtliche Leichtigkeit und sein Lachen in
der Bewegung konnte sich mein eigenes Inneres zum Ausdruck bringen. ,Das
innere Lachen‘ – die Bedeutung meines Sannyasnamens Antar Hasya – bekam
hier im wahrsten Sinne des Wortes Freilauf.
Da ich als alte Sannyasin sehr viel Zeit in Gruppen und in Meditation
verbracht habe, ist mir der Körper einer Frau vertraut, und bekanntlich
kann man ja an jeder Falte, jedem kleinen Speckbauch das Wesen eines
Menschen ablesen. Meine Modelle waren Menschen, zu deren Wesen ich ein
bedingungsloses Ja empfand. Nur so ist eine intensive, oft monatelange
Zusammenarbeit an einer Skulptur möglich. Diese Vorbedingung habe ich
bis heute beibehalten. Auch in den neuen Fotoarbeiten – verschwommene
weibliche Akte – teile ich die Inhalte dieser Wesen.“
Selbst in den neuen reduzierten Formen bleibt die feminine Sicht
auf die Form nicht verborgen. Ein hoher Anspruch auf Ästhetik und Harmonie
ist hier deutlich erkennbar. In ihrem Atelier stehen große Eiformen mit
Einbuchtungen und Rundungen in Marmor und Fiberglas: „Fiberglas ist eines
meiner liebsten Materialen. Ich kann es färben, bemalen, schleifen, es
ist leicht, durchscheinend und seine Oberfläche gleicht einem Opal. Und
– man kann es anfassen! Ein wichtiger Aspekt, der sich durch meine gesamte
Arbeit zieht. Meine Arbeiten wollen angefasst werden.
So habe ich begonnen zu sehen, umzusetzen, zu formen und mich in
der internationalen Kunstszene weiterzubewegen. Viele Jahre, bis Ende
2000, habe ich in New York gelebt und gearbeitet. Hier entstanden Installationen,
bearbeitete ich Fragen zum Thema Mensch und den Kontroversen, die mein
Aufenthalt in der amerikanischen Gesellschaft aufwarf. Es sind sanft
gruselige Arbeiten, eine satirische Dokumentation meines dortigen Umfeldes.
Meine Ausdrucksweise ist vielschichtig. Ich konnte mich noch nie festlegen,
welches Medium ich nutzen möchte, um etwas zu transportieren. Und ich
benutze fast alle, die mir zur Verfügung stehen. Der Wiedererkennungswert
ist aus der Form abzulesen.
Nur meine figürlichen Zeichnungen haben sich kaum verändert. Wobei
diese Hauptphase schon etwas hinter mir liegt. Jede Schaffensphase im
Leben eines bildenden Künstlers basiert ja auf einer unsichtbaren, konkreten
Lebenssituation. Die hier abgebildeten Zeichnungen entstammen einer Zeit
der intensiven Zweierbeziehung und sind bestimmt, wenn man so will, von
spielerischer Liebe und Sexualität.“
Ihre Art mit wenigen Strichen ein weibliches Wesen zu zaubern ist
in der heutigen Kunst einzigartig. Ihre Zeichnungen wie auch ihre Skulpturen,
Installationen und Fotoarbeiten sind inzwischen in Museen und namhaften
Sammlungen zu finden – sowohl in den USA und Japan als auch in Europa.
Hasya befindet sich gerade in einer Umbruchphase. Das großräumige
Atelier ist voll von Kisten und Containern; Pappe und Decken, wohin
man blickt. „Ich verlege den Sitz meines Ateliers in den Süden Frankreichs.
Hier lebt der Rest meiner Familie schon viele Jahre in herrlicher Landschaft
und in Frieden und Freude. Ich wünsche mir für mich und meine Arbeit
mehr Rückzug, mehr Tiefe im Sein.
Meinem Alter entsprechend liegt mein Fokus auf Lebensqualität.
Die Beine wollen wieder laufen, etwas Neues entdecken. Ich möchte mich
noch einmal in einer anderen Umgebung neu definieren. Die Gegend im
wilden Süden Frankreichs, wo ich hinziehe, heißt die Cevennen. Eine felsige
Landschaft, waldig mit alten Steindörfern, Schluchten und Wasserfällen.
Das Auge hat Freude, es regnet wenig, es ist heiß, und das Meer ist nahe.“






