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Das Mädchen auf der anderen Seite
Bilder von Prem Ina
"Am Anfang, als ich zu Osho kam, war mein Leben wie eine
Seite in der Zeitschrift Vogue. Ich hatte neun Jahre in New York
City gelebt, hatte gerade meinen Master of Fine Arts abgeschlossen, zudem
hatte ich mehrere Jahre lang als gutbezahlte Dozentin am Guggenheim
Museum und am Museum of Modern Art gearbeitet. Nebenher arbeitete
ich als Fotomodell für international bekannte Fotografen wie Mario
Testino. Ich war mit Ahnenbildern, Silberbesteck und teurer Kleidung
aufgewachsen und trug auch in New York Gucci. Vanessa Beecroft setzte
mich als Model für ihre Performance im Guggenheim Museum ein, zum
Tagessatz von 2000 Dollar pro Tag. Nach ersten Ausstellungen in
New York hatte ich mir ein Jahr Zeit genommen, um die ganze Welt zu bereisen!
Doch „das Mädchen auf der anderen Seite“ versuchte ich verzweifelt
zu verstecken! Das Mädchen auf der anderen Seite hatte eine ganz andere
Geschichte zu erzählen. Aber die erzählte sie nicht, sondern trat
als traurige Schauspielerin auf, die sich mit aller verbleibenden Kraft
an ihre Maske von Erfolg, Glück und Unabhängigkeit klammerte, um Sucht,
Angst, Kälte, Schock und Schuldgefühle zu verbergen. Als ich zu
Osho kam, traf ich plötzlich Leute, die hinter meine Fassade sahen, mich
aber nicht für meine Schauspielerei verurteilten, sondern mich sanft
durch Therapien, Meditationen und Einzelsitzungen begleiteten.
So konnte ich immer mehr loslassen und mir selbst und anderen für mein
Schauspielern und die Schmerzen, die ich zugefügt hatte, vergeben.
Jetzt empfinde ich Liebe, wie ich sie noch nie erfahren habe. Ich fühle
mich sanft und geborgen, aber dennoch frei, meine eigene Arbeit zu tun
und andere an dieser Liebe teilhaben zu lassen, z.B. wenn ich meine Malstunden
gebe. Meine Bilder haben ihre eigene Dimension bekommen, sind
nicht mehr ziellos und oberflächlich, sondern tief und echt. Ich
fühle eine Verbindung zu meinem Herzen und den Herzen anderer und lerne
diese Verbindung immer wieder in mir zu finden, wenn sie aus alter
Gewohnheit unterbrochen werden sollte. Ich benutze meine Kunst
nicht mehr, um mich zu isolieren, sondern drücke in ihr diese kostbare
Herzensverbindung aus. Ich lebe kein Leben mehr, das aus einer Zeitschrift
stammt, in dem ich mich nicht bewegen kann, nicht atmen kann, nicht ich
selbst sein kann! Mein Leben gehört nun wirklich mir. Meine Bilder sind
wirklich meine eigenen und keine Imitationen mehr. Sie haben eine
Dimension, einen Geschmack, ein Gefühl, das sich vertieft und überfließt!
Da es immer noch schwer für mich ist, meine „dunkle Seite“ auszudrücken,
will ich immer noch oftmals an der Oberfläche bleiben. Aber es
hat mir in den letzten neun Jahren unglaubliche Freude bereitet,
mein wahres Selbst zu leben – so viel Überfluss, so viel Überraschung
und Liebe, dass ich weiß: Langsam kann sich Schicht um Schicht die Last
auf meinem Herzen auflösen. So wie sich die Realität meines Lebens täglich
verändert, verändert sich auch meine Kunst. Sie wird sanfter, die
Farben intensiver und tiefer. Zu Osho kommen hieß, meine Glanzmagazin-Seite,
die ich mit meinem Leben verwechselte, zu zerreißen! Meine Bilder
sind eigentlich Ausdruck meiner Dankbarkeit, die ich für die überfließende
Schönheit des täglichen Lebens empfinde, für die Liebe, die ich
geben und empfinden kann, und die Kostbarkeit dieses Augenblicks."
www.inarolshoven.com









