Louis ist der Schlossherr und Schöpfer des Wasser-und-Licht-Kunstwerks
"Adelsheim leuchtet", das im Sommer viele Tausende Menschen in
seinen Park gelockt und die 5500 Einwohner zählende Stadt Adelsheim in
einen Schauplatz kreativer Lebendigkeit verwandelt hat.
Fotos durch anklicken vergrößern!
Zurück zur Liste der Künstler
Adelsheim leuchtet
Wie Louis von Adelsheim sein Schloss und die Stadt in ein kreatives
Kraftfeld verwandelt
von Satyananda
Es ist nachts gegen 11 Uhr. Das schmiedeeiserne Parktor ist geöffnet
– dahinter die hell erleuchtete Fassade des 500 Jahre alten Schlosses.
Überall Fackeln und Lichter unter hohen, ehrwürdigen Bäumen. Menschen
drängen durch das Tor. Am Tickethäuschen erhält jeder eine kleine Leuchtbrosche,
die in der Dunkelheit ein rot funkelndes Licht abstrahlt. Es herrscht
merkwürdige Stille. Die Menschen schweigen oder sprechen mit gedämpfter
Stimme. Mit jedem Schritt dringen sie tiefer in eine Zauberwelt ein,
die sie überrascht, verwirrt, nachdenklich stimmt, erheitert.
Der ganze Schlosspark und das Schloss selbst sind in ein einzigartiges
Gesamtkunstwerk verwandelt worden – ein Ensemble aus raffinierten Illuminationen
und Video-Installationen. In der Eingangshalle des Schlosses sitzen Besucher
auf Sandsteinstufen und starren gebannt auf das glitzernde Wildwasser,
das unter ihnen dahinsprudelt – eine Projektion auf dem Weinkellerboden.
Durchs Hintertor geht es wieder hinaus in den Park. Ein gigantischer
Vollmond bewegt sich über die Ostwand eines historischen Nebengebäudes
– in Echtzeit gefilmt. Über die Mauer nach Westen flackern Sinnsprüche
großer spiritueller Meister, Denker und Philosophen und regen zum Nachdenken
an.
Plötzlich ziehen riesige exotische Fische durch hell erleuchtete
Fensteröffnungen und versetzen die Betrachter in eine virtuelle Tiefsee.
Die schmale Brücke über den alten Wehrgraben muss man in Filzlatschen
betreten, denn es geht über eine Glasfläche, unter der ein kristallklarer
virtueller Bach dahinsprudelt. Scheinwerfer verwandeln die Kronen uralter
Bäume in funkelnde Kathedralen. Dann fällt der Blick in die Unendlichkeit,
die von einer aufwendigen Spiegelinstallation herbeigezaubert wird.
Weiter hinten in der Tiefe des Parks rollt mit tosendem Gebrüll
ein Tsunami auf die Besucher zu – eine gischtsprühende haushohe Brandung
ergießt sich über eine 30 Meter breite und vier Meter hohe Leinwand.
„Das habe ich an der Küste von Portugal gefilmt“, sagt Louis. „Vier Tage
lang. Da ist mir beinahe das Stativ mit der Kamera weggeflogen.“
Louis ist der Schlossherr und Schöpfer des Wasser-und-Licht-Kunstwerks
„Adelsheim leuchtet“, das im Sommer viele Tausende Menschen in seinen
Park gelockt und die 5500 Einwohner zählende Stadt Adelsheim in einen
Schauplatz kreativer Lebendigkeit verwandelt hat. Die Leute nennen ihn
„unseren Herrn Baron“, auch wenn er mit Titeln und Etikette gar nichts
am Hut hat.
Am liebsten ist er einfach Louis. Louis der stolze und gutherzige
Vater einer bildhübschen Teenagertochter; Louis, der begeisterungsfähige,
stets hilfsbereite Freund. Louis, der leidenschaftliche Kameramann, der
bei dem Filmemacher Hellmuth Costard gelernt hat. Louis, der Installationskünstler.
Louis, der Weltenbummler, Privat-Pilot und spirituelle Sucher, der vor
27 Jahren durch seine Begegnung mit Osho tiefgreifend geprägt wurde.
Er ist ein rastloses Energiephänomen, ein Mensch wie eine Fackel, die
an beiden Enden brennt.
Als er vor ein paar Jahren das Erbe seines Vaters Joachim von Adelsheim
antrat, war er plötzlich verantwortlich für ein vierstöckiges Schloss
mit zwei Meter dicken Mauern, 28 Zimmern und gigantischen Heizkosten.
Sein Vater hatte über viele Jahrzehnte hinweg 450 Hektar Wald ökologisch
bewirtschaftet – einen der ersten dieser Art in Deutschland. Nun war
Louis am Zug sich als Forstmann zu bewähren und Experten aus aller Welt
sachkundig durch seinen kostbaren Wald zu führen.
Von allen Wänden des Schlosses schauen ihn aus goldgerahmten Bildern
seine Ahnen an. Was macht man mit so viel Vergangenheit? Alles hinter
sich lassen? Die Flucht ergreifen? Louis entschied sich dafür, das Schloss
mit neuem Leben zu erfüllen – mit seiner Fantasie und mit seiner künstlerischen
Gestaltungskraft. Erst auf diese Weise nahm er sein Erbe wirklich in
Besitz und leistete seinen Beitrag dazu, die Stadt, die seinen Namen
trägt, in ein kleines Kraftfeld zu verwandeln.
„Es ist wunderbar“, schwärmt Louis. „Alle machen mit! Die Geschäftsleute
geben sogar richtig Geld aus – einige haben mit gelben und blauen Leuchtröhren
Mini-Installationen in ihre Schaufenster und auf Hausfassaden gezaubert
und die ganze Marktstraße zum Leuchten gebracht.“
Zum Ausklang seines diesjährigen „Adelsheimer Kunstsommers“ gab
es ein großes Finale. Louis verteilte 10 000 Teelichte in sandgefüllten
Wassergläsern. Die Adelsheimer stellten sie auf Bürgersteige und in Gärten,
zündeten sie auf Bänken und Simsen und in den Fenstern ihrer Häuser an.
In den Schaufenstern flammten die Leuchtröhren auf. Projektoren tauchten
die Fassaden der Kirche und der historischen Gebäude in blaues Licht.
Tausende von Menschen strömten aus dem Umfeld in die Stadt. Die Durchgangsstraße
wurde für den Verkehr gesperrt. Und vom Kirchturm her schwebten die beschwingten
Melodien von Gershwins „Rhapsody in Blue“ über die Dächer der Stadt.
Adelsheim im festlichen Ausnahmezustand.










