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Ein Spaziergang im Traumwald
Steinkunst von Deva Manfredo
Von Deepesh
Ich sitze im immergrünen Steineichenwald der Colline Metallifere
im Herzen der Toskana, 25 km südwestlich von Siena. Die Augen geschlossen,
höre ich den Kuckuck rufen, mal ferne, mal näher. Der Kuckuck pausiert,
Traktorengeräusche, Frauenlachen und verschwommene Wortfetzen aus
der nahe gelegenen Osho Miasto Kommune.
Eines der Geschenke dieses Fleckchens Erde ist der Steinskulpturenpark
von Deva Manfredo. Ein Potpourri, entstanden aus dem Zusammenspiel
von unendlich viel Fleiß, Sammeleifer, totaler Liebe zum Wesen des Steins,
Meditation und harter Arbeit. In über einem Vierteljahrhundert
ist dieses, der breiten Öffentlichkeit bisher gänzlich unbekannte, begehbare,
multidimensionale Kunstwerk durch seine Hände entstanden. Und er gestaltet
Tag für Tag weiter daran.
Fast jedes Museum, fast jeden anderen Skulpturenpark finde ich
nach einer gewissen Zeit ermüdend und langweilig. Mir scheint,
das Geheimnis liegt in dem, was Osho in Anlehnung an Gurdjieff „objektive“
Kunst nennt, im Gegensatz zur emotional „eruptiven“ oder „intellektuellen“
Kunst. In der eruptiven Kunst spiegelt jemand, den die Allgemeinheit
als Künstler bezeichnet, subjektives Leiden am Leben oder an den gesellschaftlichen
Ereignissen
in der Gesellschaft. Oder sie produzieren Gedankenkonstrukte. Objektive
Kunst hingegen entspringt der Stille und dem kindlichen, zweckfreien
Spieltrieb und lässt das Ego ihres Schöpfers hinter sich. Sie erhebt
den Betrachtenden, löst in ihm Freude, ein Schmunzeln, eine schweigende
Wahrnehmung aus oder feiert einfach nur die Schönheit und Perfektion
der Natur.
Der gleiche, windgekrümmte Steineichenast, der sonst in meiner
automatisierten Blindheit unter den zehntausend anderen gekrümmten
Ästen der Toskana verschwindet, wandelt sich, durch ein kleines Steintürmchen
geehrt und zu einem einmaligen Individuum hervorgehoben, das er
eigentlich ja auch ist.
Und überhaupt, diese Steine: große und kleine, schwere und leichte,
raue und glatte, runde und eckige, in zahlreichen Varianten zusammengelegt
oder aufgetürmt.
Ich verspüre Ehrfurcht vor diesen jahrmillionenalten Gesellen.
Ebenmäßige Marmorplatten und -bruchstücke, von der schaukelnden
Wucht des Meeres rundgeschliffene Exemplare in allen erdenklichen Farben
und Formen fallen mir beim Durchstreifen des Selva di Sogno, des Traumwaldes,
ins Auge. Annähernd 200 Objekte sind auf einer Fläche von mehreren
Hektar versammelt. Urformen wie Kreis, Schlange, Ei, Dreieck und Viereck
spielen miteinander. Am schönsten ist der Park frühmorgens nach Sonnenaufgang,
im Spätnachmittagsschattenlicht oder in der Stille einer von Manfredo
geführten Vollmondwanderung.







