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Magie und Chaos
… beleben die Malerei von Premdevi
Sedona ist ein Ort, der viele Künstler anzieht aufgrund seiner dramatischen
roten Felsen und rauen Wüstenschönheit. Hier lebt seit Anfang der Neunzigerjahre
die Künstlerin Premdevi, die sich von den Sonnenuntergängen und den
Formen der Berge inspiriert fühlt.
„Am besten gefällt es mir hier im Winter, wenn die Regenzeit vorbei
ist und sich die Wolken um die Berge zusammenballen. Es hat etwas surreal
Märchenhaftes, wenn das Rot der Felsen sich mit dem nebligen Grau der
Wolken vermischt.“
Premdevis Malerei begann in Pune bei Meera, als Osho noch in seinem
Körper war. Die Stunden auf dem Krishna-House-Dach und im Garten der
Buddha Hall waren eine fantastische und einmalige Erfahrung für sie:
den ganzen Tag lang zu tanzen und zu malen, und jeden Abend mit Osho
zu feiern.
„Danach zog ich nach Sedona, Arizona, und malte ziemlich lange
gar nicht mehr. Erst vor sechs Jahren fing ich wieder damit an. Ich machte
bei meinem Freund und Kunstlehrer Siddhena einen Workshop über Malen
und Kreativität und entfachte mein Verlangen zu malen. Damals war ich
vor allem kinästhetisch und konnte mich nicht dazu bringen, Maltechniken
zu erlernen. Siddhena gab mir viele Übungen, mit denen ich ohne Probleme
spielen konnte. Das Kind in mir musste frei und spontan sein dürfen,
musste mit Farben um sich spritzen, tanzen und fühlen dürfen. Und in
diesem chaotischen und mysteriösen Prozess konnte ich dann anfangen,
mich mit Technik zu befassen.“
Bevor Premdevi zu malen beginnt, macht sie eine Meditation: Zazen,
Kundalini, Gibberish oder die Chakra-Töne. Erst danach geht sie auf die
Gegenstände vor sich ein und porträtiert sie so penibel wie möglich.
„Anfangs hatte ich das Zeichnen gemieden, aber inzwischen hab ich den
Bogen raus und genieße es sogar: Jetzt fließt es natürlich und ohne Anstrengung.
Dem Zeichnen verdanke ich Erdung, Struktur, Flexibilität, genaueres
Hinsehen und Koordination von Auge und Hand. Heute gehe ich ein Gemälde
auf verschiedene Arten an. Manchmal tauchen bestimmte Farben in einem
Traum auf, oder ich liege auf dem Bett und mir kommt eine Bildidee oder
Vision – das ergibt einen Ausgangspunkt. Es kann auch sein, dass ich
im Atelier sitze und meditiere und dabei auf eine leere Leinwand starre,
und plötzlich öffnet sich etwas in mir, Farben und Formen erscheinen,
und damit fang ich dann an.
Das ist der eine Weg. Der andere ist, mir ein besonders liebes
Foto einer Naturszene zum Anlass für ein paar Zeichnungen und Entwürfe
zu nehmen und daraus langsam ein Bild zu entwickeln. Ich finde, dass
ich mich zwischen diesen beiden Polen bewegen muss: einerseits der spontane,
fantasiebetonte Ansatz und andererseits der durchstrukturierte, themenbezogene.
Das scheint einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Gegensatzpaaren
Männlich & Weiblich, Außen & Innen. Und oft hab ich den Eindruck,
dass mir die besten Stücke dann gelingen, wenn ich keine Ahnung habe,
wo es hinführen wird. Erst dann macht es richtig Spaß und wird spannend.“
Nach Abschluss eines Farbkurses im „Arts Center“ begann sie ihre
Sitzung damit, dass sie eine Aufstellung von dreißig Tönen schuf, die
nur auf drei erdfarbenen und drei blauen Tönen beruhte: „Ich hatte völlig
absichtslos angefangen und endete im Chaos. Ich stellte das Bild auf
den Kopf, und plötzlich wurde eine Landschaft daraus – ,Licht in den
Anden‘ war geboren. Der Titel kam aus dem Nichts, denn ich war noch nie
in den Anden; trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Landschaft und
das Licht von dorther kamen. Witzigerweise kaufte mir eine Frau das Bild
ab, die gerade aus den Anden zurückgekommen war. Sie sagte, es erinnere
sie an die Gegend, die sie vor kurzem gesehen hatte. Das ist für mich
die Magie und Gleichzeitigkeit des Lebens – und genau die fasziniert
mich so! Danach variierte ich dieses Thema noch dreimal, und obwohl ich
die Sache jetzt viel gezielter anging, blieb das Mystische daran durchweg
erhalten.“
Als Premdevi anfing sich mehr mit Technik zu befassen, stellte
sie fest, dass sie sich dabei regelrecht verkrampfte, ziemlich ernst
und ungeduldig wurde und unbedingt „gute” Kunst hervorbringen wollte:
„Ich muss mich davor hüten nur aufs Ergebnis zu sehen, und mich
daran erinnern spielerisch zu bleiben und auch mal Zeit dafür übrig zu
haben, einfach nur Neues auszuprobieren. Was mir mit am meisten Freude
macht, ist das Gefühl der Zeitlosigkeit, das sich dann öfters einstellt.
Es ist wirklich eine große Liebe, mit allem, was dazugehört: alle Stimmungen
und Gefühle und nicht zuletzt ein paar gesegnete Augenblicke voller Stille,
Frieden und Heiterkeit.
Manchmal habe ich das Gefühl, Osho schaut in meinem Atelier vorbei
... und kann man sich ein größeres Geschenk vorstellen?







