Kunst
Ein Haus auf dem Weg
Ritas Zeltbilder
Seit vielen Jahren lebe ich mit Ritas Bildern – wo ich esse, schlafe und wohne, sprechen ihre großen Formate zu mir. Aber auch die kleineren, die Aquarelle und kleinen Plastiken. Ja, selbst die vielen, vielen Arbeiten, die fein säuberlich in Regalen verstaut sind, flüstern mir zu. Sind es Visionen, Ahnungen von einer fernen Zukunft, sind es Erinnerungen aus uralten Zeiten? Kaum will ich deuten und interpretieren, gebe ich schnell wieder auf; im Abendlicht kommen mir schon wieder andere Eindrücke als am frühen Morgen; bin ja auch nicht mehr derselbe. Was soll ich zu den Bildern sagen? Sie haben ihre eigene Sprache, die man eher spürt als hört.
Und zur Person, zur Malerin? Ich sehe sie bei der Arbeit: So durchlässig, entspannt zulassend; kein Einmischen des theoretischen Wissens aus dem Studium; und doch baut ihre Technik ganz selbstverständlich darauf auf.
Sie selbst sagt: "Ich wollte nie ohne Bilder leben. Doch sonst hatte ich keine Ahnung, wo und worin ich wie leben wollte. Somit war es klar für mich, dass ich in erster Linie Bilder malen wollte, ja musste."
Das wusste sie von Anfang an, ganz früh schon, und so war sie mit 17 Jahren an der Kunstakademie. Wie fast alle ihrer Generation experimentierte sie mit Lebensformen – das Malen blieb. Bis sie sich vor dreißig Jahren entschied, nur noch zu malen, komme was wolle.
"Das Tun stand im Vordergrund, und so machte ich zunächst unzählige Aquarellskizzen, wo immer ich mich aufhielt. Seit ich in Berlin ein Atelier habe, begann ich immer größer werdende Formate zu bearbeiten, nach demselben Prinzip wie immer: Kommen lassen und schauen, was werden will, betonen, verwerfen, bis es für mich stimmt. Dabei entdeckte ich eines Tages, dass es, egal wie, immer wieder Zeltformen, gebogene Dreiecke und sich nach oben verjüngende Bögen wurden."
Das Zeltmotiv ist für Rita zu einer Metapher für die Beschäftigung mit der Malerei geworden, um der Kunst, dem Unbewussten eine Sprache zu geben.
"Es schützt mich und macht mich zugleich verletzlich, es ist so banal wie geheimnisvoll, ist Abenteuer und Alltag zugleich, es ist immer wieder ein neuer Beginn und doch ein Nachhausekommen.
Das Zelt ist ein Haus auf dem Weg, und wenn ich male, bin ich auf dem Weg.
Ich wollte immer mit Bildern, mit Gemälden leben. Beim Nachdenken und Sprechen auf etwas blicken, das nicht sofort einen Gegenstand und somit einen Sinn ergibt.
Wer bin ich? Was darf ich? Was muss ich? War es eine gute Idee, diese Fragen mithilfe von Malerei zu klären? Macht es mich nicht empfindsamer als ohnehin schon? Immer wieder traf ich, wenn ich zweifelte und fürchtete, dass es nicht weitergehe, auf Osho: So unendlich viele Fingerzeige, gerade für jemand wie mich, die sich eigenwillig und allein auf diese abenteuerliche Reise nach innen gemacht hat.
Ohne ihn? Nicht auszudenken."
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