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Schönheit existiert
Skulpturen von Sari
von Nirvano
Noch vor zwei Jahren war ich auf der Suche nach der Richtung meiner
Arbeit. Ich fühlte mich zu ganz verschiedenen Themen hingezogen: zur
Abstraktion, zum menschlichen Körper und zur natürlichen Welt in Form
von Vögeln und anderen Tieren. Ich hatte ein großes Bedürfnis, alles
auszuloten, was mir so in den Sinn kam.
Dann, etwa vor einem Jahr, merkte ich, wie alles auf die menschliche
Form hinauslief. Ich verspürte den Drang, die weibliche Form in all ihren
Größen und Formen auszukundschaften. Kürzlich hat mich eine Wuppertaler
Galerie dazu eingeladen, mit noch einem anderen Maler zusammen dort auszustellen.
Ich entschied mich für den Titel: „Von der Stille – zum Tanz“. Das Thema
war mein Versuch, mit einer Reihe von Skulpturen die Schönheit der weiblichen
Form zu feiern. In meinem Geleitwort sprach ich davon, dass das Hässliche
vor allem für den existiert, der immer nur urteilt. Anhand meiner Bilder
wollte ich zeigen: Ganz egal, ob eine Figur nun groß oder klein, schwer
oder leicht ist – Schönheit existiert!
Einige der Figuren sind eher lebensnah gearbeitet, etwa in der
Gruppenskulptur: „Die heilige (Wohn-)Gemeinschaft“ – angesichts der sich
der Betrachter aufgefordert fühlt, die zwischenmenschlichen Beziehungen
aufzuspüren.
Andere dagegen, z.B „Im Kimono“, weichen zugunsten einer stilisierteren
Form von der Tradition ab. In dieser Skulptur verbirgt sich die Körperform
unter einem langen Gewand, das aber immerhin die Glieder darunter zart
andeutet. Diese Figur scheint schwerelos zu tanzen. Sie ist elegant.
Merkwürdig war ihr Entstehungsprozess: Der Stein, aus dem ich diese Gestalt
gehauen habe, hatte jahrelang in meinem Atelier gelegen. Nur ab und zu
arbeitete ich ein paar Kurven aus, aber erst einen Monat vor der Ausstellung
begriff ich, worauf es überhaupt mit ihm hinauswollte.
Andere Gestalten sind vom Erscheinungsbild her viel schwerer. Zum
Beispiel: „Wie aus echtem Holz geschnitzt“. Hier ist das Thema die „Mutter
Erde“. Ihr Gesicht ist selig und sie bringt Stille, Schweigen und Schönheit
zum Ausdruck, so als zeige sie sich hier nackt, um sich von den Strahlen
der Morgensonne streicheln zu lassen. Irgendwie hab ich das Gefühl, als
wolle sie mir die Richtung andeuten, die meine Arbeit demnächst einschlagen
wird.
Diese Figuren, so voluminös sie auch sein mögen, teilen dem Raum
eine gewisse Freude und Stille mit – was für mich einfach ein Wesenszug
der Bildhauerkunst ist. Schon das Material, der Stein, fordert dies heraus.
Viele dieser Bildwerke zeigen stille Gestalten, die einfach nur ganz
bei sich sind und Schönheit ausstrahlen.
Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mir z.T. durch Bildhauerkurse. Auf
diese Weise fördere ich nicht nur meine eigene Entwicklung, sondern auch
meinen Umgang mit anderen. Es war z.B. kein leichtes Stück, mich von
Leuten zu trennen, die nicht die nötige Begeisterung mitbrachten und
irgendwie gar nicht reinpassten. Kaum hatte ich mich endlich dazu aufgerafft,
musste ich zusehen, wie sie durch andere, die sich problemlos in das
Gruppengeschehen einfügen konnten, ersetzt wurden. Das hat mich sehr
in meinem Vertrauen bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Inzwischen
macht es mir viel mehr Spaß, anderen das Bildhauern beizubringen und
sie in ihrer eigenen Arbeit weiterzubringen.
Buddha sagt im Dhammapada: „Lass erst deine Arbeit herausfinden,
was deine Arbeit ist; und dann lass dich mit ganzem Herzen auf sie
ein.“
Ich habe jetzt das Gefühl, meine Arbeit gefunden zu haben.
c.martin.garcia&t-online.de









