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Pure Transparenz

Aquarelle von Satya Teerth

von Nirvano

Emil Nolde, so geht die Legende, habe, als die Kunstschergen der Nazis nahten, seine Aquarelle in die gefüllte Badewanne gelegt, damit man sie nicht beschlagnahmen und ihn selbst nicht in die Schublade der „entarteten Kunst" stecken konnte. Als die Nazibanausen seine Kunstwerke dann ans Licht zogen, fanden sie sie unerheblich, und so kam er fürs Erste noch mal davon. Jedoch beeindruckten ihn nun die malerischen Effekte des unbeabsichtigten Wasserbades so, dass er diese Methode in sein Repertoire aufnahm.
Auch die Aquarelle des in Pune lebenden Inders Satya Teerth wirken wie durchs Wasser gezogen, besser noch durch diesigen Nebel – so verflüssigt, schwebend, schwerelos sind sie. Ob Satya Teerth nun Wolken- oder Gebirgsformationen malt oder gleißende, Himmel und Erde verbindende Lichtschächte oder sich einsam über Bergesgipfeln wiegende Vögel oder farbige Nebel, die aus geheimnisvollen Schluchten aufsteigen, oder vage, durchscheinende, Wälder suggerierende Farbwirbel – überall spürt er dem Drama der Existenz nach, wie am ersten Tage der Schöpfung.
Seine Sinnesgenossen heißen William Turner und Caspar David Friedrich. Oder auch – aus gegebenem Anlass – Gerhard Richter, der jüngst die Südfassade des Querschiffs im Kölner Dom mit einem neuen Glasfenster ausgestattet hat, das allgemein positive Beachtung gefunden hat, bis auf einen Misston aus der Feder des Kardinals Meisner. Der hatte sich zu Richters Fenster die verbotene Vokabel „entartete Kunst" einfallen lassen. Nicht, weil er was mit der braunen Vergangenheit zu tun hätte, sondern weil auf Richters Fenster nichts von der traditionellen Bildsymbolik des Christentums zu erkennen ist, sondern nur eine unübersehbare Menge farbiger Vierecke – zudem ausgewählt nach einem computergesteuerten Zufallsprinzip!
Hätte jedoch Swami Satya Teerth und nicht Richter das Fenster gestalten dürfen, Seine Eminenz wäre gewiss zufrieden gewesen: Zumindest hätte er dann etwas erkennen können – so etwas wie eine Ahnung vom göttlichen Schöpfungsakt! Und dann wäre er ihm erspart geblieben, jener unselige Tritt ins Fettnäpfchen des Unmenschenvokabulars – dass er ein ihm rätselhaftes Kunstwerk nur deshalb in die Nähe von „entarteter Kunst“ rückte, weil es keinerlei Symbole aus dem altgewohnten Schatzkästlein leuchtenden Kirchenkitsches enthält .
Was der Kölner Erzbischof auf dieser Seite zu suchen hat? Rein gar nichts – außer dass er an den Bildern von Satya Teerth eben jene göttliche Hingabe studieren könnte, die ihm bei Richters Glasbild so schmerzlich zu fehlen scheint. Wahrlich: Die Kunst von Satya Teerth könnte ihm eine Lektion in wahrem Gottvertrauen erteilen.

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