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Inspiration ist Gnade
Bilder von Antar Veda
Antar Veda wurde 1941 im preußischen Königsberg geboren, im Zeichen von Widder
und Sonnenrad. Nach dem Krieg flüchten seine Eltern, und ein traumatischer
Todesschock prägt schicksalhaft seine junge Persönlichkeit. Die Folge: Urmisstrauen,
Gefühlschaos und eine schamvolle Distanz dem als bedrohlich empfundenen Rest
der Welt gegenüber. Frühe Malfreuden werden von seinen Kunstlehrern unterstützt.
Die Nähe zur Weibichkeit bringen ihn auf „neue und natürlichere Gedanken“,
wie er sagt. Er heiratet, bekommt einen Sohn und besteht 1969 erfolgreich das
Examen zum Diplom-Ingenieur/Architekt. Doch immer wieder drängen ihn Erfahrungen
mit Drogen und neuen Musen an den Rand eines zunehmend bedrohlichen Abgrundes.
1972 steigt er aus und will gesunden. Eine lange Reise beginnt – Istanbul,
Antalya, Damaskus, Beirut, Bagdad, Teheran, Kuwait, Basra, Isfahan, Quetta,
Kandahar, Kabul, Neu Delhi, Varanasi, Katmandu. Auf den endlosen 300 Stufen
zum buddhistischen Heiligtum Swayambhunat dann die blitzartige Erkenntnis:
allein gehen statt klagen und anklagen. Der Name des Heiligtums heißt übersetzt:
aus sich selbst geboren werden. Seit 1974 malt und schreibt Antar Veda regelmäßig.
Für ihn sei es absolut existenziell notwendig, um zur inneren Balance zu finden.
Er sagt: „Ich male – also werde ich nicht wahnsinnig.“ 1980 begegnet er Osho.
In Oshos Buddhafeld findet er Heilung für sein inneres verletztes Kind und
lernt die Kunst, sehnsuchtsfrei sich selbst zu leben. Er sagt: „Wer Licht erforscht
und entfaltet, entbirgt sich selber. Die Forschungsergebnisse hängen von den
Fragen des Forschers ab, nicht vom Licht. Soviel man auch forscht, das Licht
bleibt ein und dasselbe: Geheimnis. Wer einem mystischen Meister begegnet,
lernt sich selber sehen. Die Antworten des Meisters hängen vom Bewusstsein
des Fragenden ab, nicht vom Sein des Meisters. Da ist niemand.“ Und: „Ein Maler,
der die Natur malt, entbirgt ebenfalls sein eigenes Bewusstsein. Niemand kann
sich ernsthaft darauf berufen, dass Natur das sei, was er malt. Die Oberflächen der Dinge formal zu kopieren, ist ohnehin keine Aufgabe für den echten Künstler. Dem Wesen der Dinge nähert sich der Echte, indem er sich selber riskiert.
In geschaffenen Bildern entfaltet sich für Antar Veda das göttliche Potenzial eines Menschen. Destruktivität und Banalität hält er eher für heilungsbedürftig, und nicht für neue Kunstrichtungen. Das Schöne, Wahre und Gute in der Kunst bedeuten ihm etwas im Leben. Aber auch das Hässliche hat seinen Platz. Für ihn klärt echte Kunst – ebenso wie frische Luft – den Blick ins Weite:
„Du bist, was du siehst, höre ich aus dem Osten. Es stimmt, sage ich, und male mich in jedem Gegenstand selber. Das Geheimnis, das in mir nach Blüte und Frucht drängt, ist dasselbe in jeder Rose, in jedem Baum, in jedem Stein, in jedem Augenzwinkern der Geliebten. Authentisch malt der Mensch im Grunde seines Herzens immer wieder sich selber neu. Ergebnis: Heilung. Auch das bin ich. Auch so fühle ich. Auch davon träume ich.“
Antar Veda bezeichnet sich selbst als Bilderfinder, als einen Menschen, der staunend empfängt, was das Leben ihm ohne Plan und Absicht ganz von selbst zuträgt.
„Wer beginnt, seiner selbst gewahr zu werden, entdeckt sehr bald, dass Kraft in jeder Form, sei es als Bild, Gedanke oder Energiefeld, von außerhalb des individuell begrenzten Bewusstseins kommt. Erkenntnis und Inspiration ist Gnade. Das riskante Spiel der Selbstbetrachtung besteht darin, Ereignisse zuzulassen, über die man keine Kontrolle hat.“
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