Meditation von Osho
Von der Einsamkeit zum Alleinsein
Hast du einmal von der Tiefe des Alleinseins gekostet, kommen dir alle
Beziehungen oberflächlich vor. Selbst die Liebe kann niemals so tief gehen
wie das Alleinsein, denn auch in der Liebe ist der andere da, und durch
die Gegenwart des anderen bleibst du eher an der Oberfläche, näher an
der Peripherie. Wenn keine da ist – nicht einmal der Gedanke an irgendjemanden
– sinkst du tiefer und versinkst schließlich in dir selbst.
Du brauchst keine Angst davor zu haben. Zu Beginn kommt einem
dieses Versinken wie der Tod vor und du bist von düsterer Stimmung umgeben.
Du wirst von Traurigkeit eingehüllt, weil du bisher Glück nur mit anderen
und in Beziehungen erlebt hast. Warte ein bisschen ab. Lass dich tiefer
sinken, und irgendwann wirst du merken, dass Stille emporsteigt, eine
Stille, die etwas Tänzerisches hat – eine innere bewegungslose Bewegung.
Nichts bewegt sich und doch läuft alles in rasender Geschwindigkeit ab.
Du bist leer und doch voll. Paradoxe Gegensätze treffen aufeinander und
lösen sich auf.
Sitze still da und entspannt da, doch aufmerksam, denn du wartest
auf etwas, das von oben kommt. Wenn du sitzt, schau dabei eine Wand an.
Eine Wand ist etwas Schönes. Nichts kann sich bewegen. Wo immer du hinschaust
– die Wand ist da. Die Aufmerksamkeit muss nirgendwo hingehen. Nicht einmal
ein Bild sollte dort sein, nur die leere Wand. Wenn es nichts zu sehen
gibt, wird dein Interesse am Sehen allmählich nachlassen. Indem du eine
leere Wand betrachtest, entsteht parallel in deinem Innern eine Leere
und Schlichtheit. Parallel zur Wand entsteht eine andere Wand – die des
Nichtdenkens.
Bleibe offen und erfreue dich daran. Du kannst lächeln und manchmal
eine Melodie summen oder dich hin und her wiegen. Du kannst auch manchmal
aufstehen und tanzen, aber schau dabei weiter die Wand an. Lass sie Objekt
deiner Meditation sein.
Man muss mit seiner Einsamkeit irgendwann einmal zu Rande kommen.
Hast du dich ihr einmal gestellt, bekommt die Einsamkeit eine andere Farbe,
eine andere Qualität. Sie schmeckt völlig anders. Dann ist es nicht Isolation,
sondern Abgeschiedenheit. Isolation hat etwas Tristes. Abgeschiedenheit
ist ein weiter Raum der Glückseligkeit.