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Meditation von Osho

Das innere Leuchten

Jedes Kind weiß es von Geburt an, spürt es, sieht es. Jedes Kind im Mutterleib ist ständig von Licht erfüllt; das ist ein inneres Licht, ein inneres Leuchten. Aber sobald das Kind geboren ist und seine Augen aufmacht und die Welt und ihre Farben und das Licht und die Leute sieht, verlagert sich allmählich seine Wahrnehmung. Es vergisst nach innen zu schauen und interessiert sich nur noch für die Außenwelt. Und das hat seinen Grund, denn die Außenwelt bietet sehr viel Abwechs­lung.
Die Innenwelt bietet keine Abwechslung; sie ist schlicht, still, hell. In gewisser Weise ist sie monoton: Nie verändert sich etwas, nie findet eine Bewegung statt, immer bleibt alles gleich. Und natürlich fängt das Kind an, sich für alles zu interessieren, was sich verändert.
Alle sind an Veränderung interessiert, denn Veränderung bringt etwas Neues. Das Kind will die Welt erforschen, ist neugierig, und die Welt ist einfach unabsehbar – so viele Farben und Bäume und Vögel und Tiere und Leute, und so viel Lärm! Also fährt es so darauf ab, dass es nach und nach vergisst in sein Inneres zu schauen; es vergisst es ganz einfach.
Wer meditieren will, der muss mit dieser inneren Lichtquelle wieder in Verbindung treten; der muss die ganze Welt vergessen und sich nach innen wenden, sich versenken und einstimmen, so als wäre die Welt verschwunden, als existiere sie gar nicht. Zumindest eine Stunde am Tag muss man die Welt vollkommen vergessen und nur man selbst sein. Dann wird nach und nach jene alte Erfahrung wiedererweckt. Und wenn du diesmal auf sie stößt, ist sie einfach gewaltig; denn nun kennst du die Welt und all ihre Vielfalt, kennst du all ihren Lärm. Jetzt ist der Anblick der inneren Stille und der Reinheit dieses Lichts eine vollkommen andere Erfahrung. Und sie ist dermaßen lebensspendend, dermaßen belebend! Sie ist die Quelle von Nektar.
Sobald du sie kennst, bewusst kennst – denn das Kleinkind lernt sie unbewusst kennen; der Meditierer dagegen stößt bewusst auf sie. Sobald du sie bewusst kennengelernt hast, verschwindet die Todes­angst. Denn nun weißt du, weißt du mit absoluter Gewissheit, ohne jeden Zweifel, dass dieses Licht ewig ist: Dein Körper mag zwar hinfällig sein, aber dieses Licht wird weitergehen. Das ist so unbezweifelbar, dass man es, selbst wenn man es bezweifeln möchte, gar nicht bezweifeln kann; aller Zweifel verfliegt einfach. Die Gewissheit ist absolut, und mit dieser Gewissheit wird dein ganzes Leben transformiert. Nunmehr verschieben sich alle Werte: Dinge, die dir bisher wichtig erschienen, werden unwichtig, und Dinge, die du bisher nicht einmal beachtet hattest, werden wichtig. Man erlebt eine Revolution.
Lass dies also deine Meditation sein: Jeden Abend oder am frühen Mor­gen oder wann immer du Zeit erübrigen kannst – wenn der Tagesbetrieb vorbei ist und alle schlafen gegangen sind und die ganze Welt von selber verschwunden ist – dann fällt es leichter, sich zu verdrücken. Oder auch früh am Morgen, wenn alles noch fest schläft … Aber sobald du angefangen hast es zu sehen, kannst du es jederzeit sehen. Dann kannst du auf dem Marktplatz, mitten am Tage, deine Augen schließen und es sehen. Und es auch nur einen einzigen Moment lang zu sehen ist ungeheuer entspannend. Aber fange am Abend an; setz dich einfach eine Stunde lang still hin, wachsam, darauf wartend, dass das Licht explodiert. Eines Tages explodiert es. Du brauchst nichts dafür zu tun, sondern musst es nur wiederentdecken.