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zur MonatsmeditationDer innere Himmel liegt im Nabelzentrum
Jeder identifiziert sich mit seinen eigenen Gedanken – die nichts
weiter sind als Wolken. Du sagst „mein Gedanke“, und wenn jemand
deinen Gedanken angreift, hast du nie das Gefühl, als würde da nur
dein Gedanke angegriffen – du selbst wirst angegriffen! Der Himmel
fängt an zu kämpfen – er verteidigt Wolken, weil irgendeine Wolke
angegriffen wurde. Der Himmel hat das Gefühl: „Ich werde angegriffen!“
Der Himmel war bereits da, als noch gar keine Wolke da war, der
Himmel wird noch da sein, wenn keine Wolke mehr da ist. Wolken fügen
nichts zum Himmel hinzu. Und ihm fehlt auch nichts, wenn keine Wolken
mehr da sind. Der Himmel bleibt absolut er selbst.
Das ist das Wesen, die Natur – der innere Himmel, der innere
Raum. Aufdecken, entdecken kann man ihn, indem man Zeuge ist. Das
Zeugesein ist das Grundlegende, Wesentliche. In vielen, vielen Techniken
kann man es benutzen.
In der taoistischen Tradition Chinas gibt es eine Methode namens
Tai Chi. Es ist eine Methode des Zentrierens, eine Methode des Zeugeseins.
Für sie gilt: Tu, was du willst, nur bleibe dir des Nabelzentrums
bewusst. Wenn du gehst, sei dir des Nabelzentrums bewusst. Wenn
du isst, sei dir des Nabelzentrums bewusst. Wenn du kämpfst, sei
dir des Nabelzentrums bewusst. Es ist völlig egal, was du tust,
nur behalte eines im Auge – dass du im Nabel zentriert bist. Du
kannst nicht denken, wenn du im Nabel zentriert bist. Im selben
Moment, da du zu denken anfängst, bist du dir nicht mehr des Nabels
bewusst.
Buddha bediente sich einer körperlichen Methode: des Atmens,
des Atems.
Die Taoisten bedienen sich des Haras – womit sie das Nabelzentrum
meinen. Darum nennen die Japaner die Selbsttötung hara-kiri, was
„sich selber umbringen“ bedeutet, indem man im Hara bewusst bleibt
– also nicht Selbstmord; es ist nicht einfach nur Selbstmord. Für
sie ist es nur dann Hara-kiri, wenn jemand sich umbringt und sich
dabei andauernd seines Nabelzentrums bewusst bleibt. Dann ist es
keineswegs Selbstmord – dafür tut er es viel zu bewusst. So bewusst
kann man nicht Selbstmord begehen. Bei euch begeht man nur dann
Selbstmord, wenn einer so verstört ist, dass er absolut unbewusst
geworden ist.
Ob man nun das Hara oder das Atmen nimmt – worauf es ankommt,
ist die Bewusstheit. Krishnamurti sagt: „Bleibe dir deines Denkprozesses
bewusst.“ Ob man nun den Atemprozess nimmt oder das Pulsieren des
Haras oder den Denkprozess spielt keine Rolle: Der springende Punkt
bleibt sich gleich.
Bleibe dir deines Gedankenprozesses bewusst … Ein Gedanke taucht
auf: Wisse, dass er aufgetaucht ist. Ein Gedanke ist da: Wisse,
dass der Gedanke da ist. Wenn der Gedanke weggeht und zu existieren
aufhört, dann wisse, sei Zeuge davon, dass er verschwunden ist.
Wann immer ein Gedanke weggeht und ein anderer aufkommt, klafft
dazwischen eine Lücke. Mach dir diese Lücke bewusst. Bleib dir deines
Denkprozesses bewusst – ein vorbeiziehender Gedanke, eine Lücke,
wieder ein Gedanke. Sei bewusst!