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Prana-ayam

Das Ganze atmet in dir

Prana-ayam: prana bedeutet, die Lebensenergie, die im Atem verborgen liegt, und ayam bedeutet, unendliche Ausdehnung. Mit Atemkontrolle hat das nichts zu tun. Das bloße Wort „Kontrolle" ist bereits etwas abstoßend, denn schon das Wort Kontrolle beschwört den Kontrolleur herauf – der Wille tritt auf.
Pranayam ist etwas vollkommen anderes: Ausdehnung der Lebenskraft, so zu atmen, dass du eins wirst mit dem Atemrhythmus des Ganzen; so zu atmen, dass du nicht auf deine eigene Art und Weise atmest, sondern mit dem Ganzen zusammen atmest.
Versucht es mal … Manchmal passiert es von selbst. Ein Liebespaar sitzt beieinander und hält Händchen. Wenn sie sich wirklich lieben, werden sie bemerken, dass sie gleichzeitig atmen, zusammen atmen. Sie atmen nicht getrennt. Wenn die Frau einatmet, atmet der Mann ein. Wenn der Mann ausatmet, atmet die Frau aus. Versucht’s mal. Achtet irgendwann einfach mal drauf. Wenn du mit einem Freund zusammensitzt, werdet ihr beiden gemeinsam atmen. Wenn dir ein Feind gegenübersitzt und du ihn loswerden willst, oder irgendein Langweiler dasitzt und du ihn loswerden willst, werdet ihr getrennt atmen, werdet ihr niemals im gleichen Rhythmus atmen.
Setz dich zu einem Baum. Wenn du still und entzückt bist und dich freust, wirst du gewahr werden, dass der Baum irgendwie genauso atmet wie du. Und irgendwann kommt der Moment, da man fühlt, dass man ineins mit dem Ganzen atmet, dass man zum Atem des Ganzen wird – nicht mehr kämpft und sich wehrt, sondern voller Hingabe ist. (…)
Mit dem Ganzen in Einheit zu atmen, zum Atem des Ewigen und des Ganzen zu werden … das heißt Pranayam. Dann dehnst du dich aus. Dann wird eine Lebensenergie immer weiter, zusammen mit Bäumen und Bergen und Himmel und Sternen. Dann kommt irgendwann der Augenblick, da du zu Buddha wirst – völlig verschwunden bist. Jetzt bist du es nicht mehr, der atmet, sondern das Ganze atmet in dir. Von jetzt an wird dein Atmen und das Atmen des Ganzen nie wieder getrennt sein, sie gehen immer zusammen. In einem Maße, dass es jetzt überflüssig ist, zu sagen, dass dies „mein Atem" ist.