Oshotimes Platzhalter

Meditation von Osho

Traurigkeit

Traurigkeit kann zu einer sehr bereichernden Erfahrung werden. Dazu musst du sie erforschen. Es ist einfach, vor deiner Traurigkeit zu fliehen – und alle Beziehungen sind gewöhnlich Fluchtwege –, man vermeidet sie einfach dauernd. Doch Traurigkeit ist unterschwellig immer da … tief unten zieht sie sich wie ein Strom durch alles hindurch und geht nicht weg. Sogar in Liebesbeziehungen bricht oft Traurigkeit aus. Dann neigt man dazu, die Verantwortung auf den anderen zu werfen. Doch das ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist deine eigene Einsamkeit, deine eigene Traurigkeit. Du hast sie noch nicht wirklich akzeptiert und angenommen, daher wird sie wieder und wieder hervorbrechen.
(…)
Wann immer du dich traurig fühlst, sitze still und erlaube der Traurigkeit hochzukommen: Versuche nicht, vor ihr zu flüchten. Mache dich so traurig, wie du nur kannst. Vermeide sie nicht – das ist die eine Sache, an die du dich erinnern musst. Schreie, weine … lebe sie total aus. Weine dich zu Tode … falle auf die Erde … rolle auf dem Boden herum – und lasse sie von selbst weggehen. Zwinge sie nicht, zu gehen; sie wird gehen, denn niemand kann lange Zeit in der gleichen Stimmung bleiben.
Wenn sie geht, wirst du unbelastet sein, völlig unbelastet, so als ob die ganze Schwerkraft verschwunden ist und du fliegen kannst. Du bist schwerelos. Das ist der richtige Moment, in dich zu gehen. Bringe zuerst die Traurigkeit ans Tageslicht. Normalerweise neigt man dazu, sie nicht zuzulassen; andere Wege und Mittel zu finden, damit du woanders hinschauen kannst – in ein Restaurant oder Schwimmbad gehen, Freunde treffen, ein Buch lesen oder ein Kino besuchen, Gitarre spielen – etwas tun, damit du beschäftigt bist und du deine Aufmerksamkeit woanders hinbringen kannst.
Daran solltest du dich erinnern – wenn du traurig bist, dann ist das eine gute Gelegenheit. Schließe die Türen, setze dich hin und sei so traurig, wie du kannst, als ob die Welt eine einzige Hölle ist. Gehe tief in sie … sinke in sie ein. Erlaube jedem traurigen Gedanken dich zu durchdringen, jedem traurigen Gefühl dich aufzuwühlen. Und schreie und weine und sage Dinge – sage sie laut, du musst dir keine Gedanken machen.
Lebe also zuerst die Traurigkeit für ein paar Tage, und in dem Moment, in dem die Antriebskraft der Traurigkeit geht, wirst du dich sehr ruhig und friedvoll fühlen – so, wie man sich nach einem Sturm fühlt. In diesem Moment sitze still und genieße die Stille, die von selbst kommt. Auf die Stille hattest du es gar nicht abgesehen; du hattest Traurigkeit unterstützt. Wenn die Traurigkeit geht, sinkt als Folge Stille auf dich nieder.
Höre auf diese Stille. Schließe deine Augen. Fühle sie … ihre ganze Art … den Duft. Und wenn du glücklich bist, singe, tanze.