Zurück zur MonatsmeditationWirbeln, Tanzen, Zeuge sein
Tanze – bis zur Besessenheit! Tanz einfach wie verrückt. Das Tanzen
wird dir enorm viel helfen. Nichts ist mit Tanzen zu vergleichen.
Im Tanzen spielt sich ein sehr verborgener Prozess ab, und der
hat mit einem bestimmten physischen Aspekt zu tun. Der Körper ist
das einzige Objekt im Leben, das man aus beiden Richtungen sehen kann
– sowohl von außen wie von innen. Man kann kein anderes Objekt von
beiden Richtungen sehen. Wenn man einen Stein sieht, sieht man ihn
von außen.
Wenn du also tanzt, werden andere deinen Körper von außen sehen;
es ist ja nicht ihr Körper. Er wird sich bewegen … Rhythmen, Tanzschritte.
Ob strukturiert oder nicht, aber er wird sich bewegen. Das werden
die anderen an dir wahrnehmen.
Fängst du dagegen an, dich selbst von innen zu beobachten, so wirst
du überrascht feststellen: Je mehr der Körper tanzt, desto mehr wirst
du sehen, dass es innen reglos ist. Die Körperbewegung ist der Kontrast,
vor dem das unbewegliche Element in dir sichtbar wird. Das ist, als
hätte jemand mit weißer Kreide auf eine Schiefertafel geschrieben.
Man könnte auch auf einer weißen Wand schreiben, aber dann wäre nichts
zu erkennen. Man muss es auf schwarzem Untergrund schreiben. Vor dem
Kontrast sticht das Weiß klar und deutlich ab.
Wenn der Körper wirbelt, sich einfach nur dreht, die Bewegung genießt,
wird dir plötzlich der innere Zeuge bewusst – der unbeweglich ist,
sich noch nie bewegt hat, der die unbewegte Achse der sich drehenden
Welt ist. Aber wenn sich dein Körper dreht, dann kannst du ihn sehen,
dank des Kontrastes. Normalerweise sind wir in Bewegung – wir gehen,
wir reden, wir nehmen ein Bad, wir legen uns hin – aber diese Bewegungen
sind zur Routine geworden. Wenn du aber tanzt und dabei immer schneller
und schneller wirst, entfällt alle Bewegungsroutine; plötzlich wirst
du absolut verrückt – und das, was sich in deinem Innern nicht bewegt,
wird dir bewusst. Du siehst, wie sich dein eigener Körper bewegt.
Du wirst zum Zeugen; du fängst an, außerhalb deines Körpers zu schweben.
Das ist der Grund, warum sich die Sufis so für den wirbelnden Derwisch-Tanz
begeisterten: Je mehr du wirbelst, desto leichter fällt es, die reglose
Mitte in deinem Innern zu erkennen.