Osho Times Archiv Jahrgang 2008
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Januar "Wendepunkte - Das Neue willkommen heißen"
In
dieser Ausgabe geht es um Wendepunkte – um Ereignisse und Momente,
die eine neue Richtung in unserer Lebenskurve einleiten. Altes löst sich
auf, neue Situationen bilden sich, jahrelang Gewohntes wird unterbrochen.
Das kann die gesamten Lebensumstände erschüttern. Der Wendepunkt
kann aber auch durch tief greifende Vorgänge ausgelöst werden: Inmitten
einer verzweifelten Lage steigt plötzlich eine Erkenntnis auf, die meinem
Leben einen höheren Sinn verleiht. Ob sich nun die Ruhe in einen Sturm
verwandelt oder Intensität zur entspannenden Leere wird – der Lauf der
Dinge ändert sich oft ohne vorherige Ankündigung. Ein magischer Moment.
Eine strahlende Welt ungezählter Möglichkeiten öffnet sich und unser Ego
schrumpft zu einem klitzekleinen Sandkörnchen unter Millionen anderen.
Alles kann sich jeden Moment ändern. Und das ist gut so.
Februar "Natur & Stille – endlich auftanken"
Natur
und Stille – was haben sie gemeinsam? In der Natur ist es doch
eigentlich niemals still. Das aufgewühlte
Meer tobt donnernd gegen das Ufer, Regen prasselt auf das Blätterdach,
Vögel zelebrieren mit lautem Gesang die ersten Sonnenstrahlen.
Verstummt dann mal die Außenwelt, höre ich meinen Herzschlag umso
lauter, Gedanken lärmen umso dringlicher. Und doch – inmitten all dieser
Geräusche, der scheinbar chaotischen Kakophonie, im Zentrum dieses Klang-
und Formenwirbels, waltet die Stille. Kein Gedanke kann sie stören. Sie
trägt ein schlichtes Kleid und ihre lautlose Präsenz verströmt den Duft
von „Alles ist gut“.
In dieser Stille öffnen sich die Augen. Plötzlich nimmt man die
liebende und wunderschöne Schöpfung wahr: die einzigartige
Grazie eines Schneeflockentanzes, das schwimmende Abendrot am Horizont.
Etwas in uns wächst. Vertrauen und Dankbarkeit stellen sich ein.
Und Friede. Alles kommt zum richtigen Zeitpunkt.
März "Kunst der Bewegung – der Tanz in die Mitte"
Die
Welt dreht sich immer schneller. Maschinen bringen uns mit rasender
Geschwindigkeit von A nach B, doch wir selbst bewegen uns immer
weniger. Welch großen Spaß machte es doch als Kind, den Schlitten
den verschneiten Hügel hochzuziehen, um dann mit jubelndem Gekreische
den Abhang hinunterzustürzen. Immer wieder! Die reine Lust an der
Bewegung überflutet einen mit Begeisterung, mit Energie und Glücksgefühlen.
Doch mit dem Älterwerden meldet sich der Kopf zu Wort. Der liebt
die sichere Routine und vertreibt die natürliche Lust am Spiel.
Bewegungsfreude und kindliche Ausgelassenheit verkümmern – körperlich,
geistig und emotional. Dabei tut Bewegung so gut! Ich fühl mich
lebendiger. Auf allen Ebenen. Jede Zelle meines Körpers bekommt extra
Sauerstoff und Traubenzucker. Bewegung macht mich einfach lebenstauglicher.
Ich probiere neue Dinge aus und begegne dadurch vielen Facetten des Lebens,
die mir verborgen bleiben, wenn ich in meinem gemütlichen Sessel anwachse.
April "Unterwegs - Reisen, aber wohin?"
Von
Weitem sieht alles viel schöner aus – da ist noch Platz zum Träumen!
Welch berauschende Aussicht, sein Bündel zu schnüren und sich auf den
Weg in die Fremde zu wagen: Was tut das gut! Der Abenteurer in uns freut
sich schon auf unentdeckte Landstriche, wo er auf eine Erfrischung für
seine dürstende Seele hofft. Denn im täglichen Einerlei wächst der Appetit
auf Abwechslung – zu schnell wird einem das Gewohnte selbstverständlich.
Und bekommt den Stempel „Ist doch langweilig!“ aufgedrückt. Es ist spannend,
mal die bequemen Trottfurchen zu verlassen und nicht zu wissen,
was als Nächstes um die Ecke biegt. Bin ich mit mir und der Erde verbunden,
dann schenkt mir jeder Schritt ins Unbekannte, jeder Spaziergang und jede
Reise etwas Besonderes.
Mai "Die Lust am Schaffen - der Schöpfer in uns"
Hier
geht es um die Lust am Schaffen – die Kreativität. Sie kommt z.B.
zu Besuch, wenn ich in Ruhe und ohne groß zu denken an meinem Schreibtisch
sitze. Auf meinem Computerbildschirm tanzen plötzlich Buchstaben
herum und formen Worte, die ich gar nicht erwartet hatte. Irgendwie
sind sie neu, in dieser Formation noch nie aufgetreten. Sie kommen
aus einem Spalt im Nichts, der zuvor nicht da war. Wie aus einer
Geheimtür, die sich unerwartet auftut und mich in einen magischen
Tanzpalast lockt. Es ist ein Glück, hier zu sein. Ich habe Lust
zu spielen, mich auszudrücken, zu handeln, zu sein. Alles an diesem
Ort atmet tief durch, fließt, pulsiert und dehnt sich aus. Hier
wohnt das Leben: Welch wunderbare Überraschung!
„Liebe, was du tust. Sei
meditativ, während du es tust – was es auch sei! Ganz egal, was es ist
… Dann hast du diesen Augenblick so voller Entzücken gelebt, dass du innerlich
irgendwie weiter gewachsen bist. Du kannst nach einem schöpferischen
Akt nicht mehr so bleiben wie zuvor … Wenn dein Tun deine große
Liebe ist, dann wird es kreativ.“
Juni "Sannyas heute - den inneren Meister finden"
Die
unaussprechliche Süße von Oshos Präsenz, die Intensität seines
Buddhafeldes und die Wahrheit seiner Worte verhelfen dazu, ohne
Krücken den eigenen Weg mit Würde zu gehen, selbst wenn die Beine
wackeln. Und sie schenken Licht und Mut.
Die braucht man auch! Denn Sannyas ist kein Zuckerschlecken. Transformation
des Ego, Transzendenz, Bewusstwerdung sind großartige Worte, doch
in der Praxis heißt das: Mich überkommen Verzweiflung, Schmerz
und bitterste Tränen, wenn ich mal wieder alles besser weiß und
gegen das Leben ankämpfe. „Take it easy“, flüstert Osho uns dann
ins Ohr. Und fächelt Abkühlung zu.
Doch schon geht’s weiter im Text: „Leben heißt Sterben. Meine Botschaft
ist kein Trost für quälende Fragen, sondern nichts Geringeres als Tod
und Wiedergeburt.“
Alle gewichtigen Überlegungen, wie man das denn nun alles bewerkstelligen
soll, hebelt er aus – z.B. mit einem frechen Witz. Und so führt
er uns mit Humor und Leichtigkeit an den Platz in unserem Innern
zurück, wo sämtliche Barrieren weggeschmolzen sind und „Entweder“
und „Oder!“ in Frieden zusammenleben. Es ist still hier und alles
ist möglich.
Juli "Sex & Liebe – Entdeckung eines Mysteriums"
Sex!
Sex! Sex! Mit Sex verkauft sich alles besser: nicht nur Autos,
Rasenmäher, Mode, Schlagbohrer, Armbanduhren und Fernreisen, sondern
auch romantische Träume und Hoffnungen. Damit lassen sich Menschen
ruhigstellen und es eröffnen sich größere Absatzmärkte. Die Mächtigen
und ihre Industrie reiben sich die Hände. Gnadenlos wird die tief
liegende Sehnsucht des Menschen nach Vereinigung und Liebe ausgeschlachtet.
Junge Körper und viel nackte Haut locken den Käufer an und angeln
ihn emotional: „Kauf dieses Produkt! So wirst du begehrenswert und
nie mehr einsam sein!“ Die Hormone kommen in Wallung und wir zücken
das Portemonnaie. Der freizügige Umgang mit Sex sprengt das traditionelle
Moralgefüge und entfesselt die Triebe. Doch das Bewusstsein, wie
man denn nun mit dieser gewaltigen Energieflut umgehen soll, wächst nur
langsam heran. Es ist halt nicht ungefährlich, den Deckel abzuheben
und jahrtausendelang unterdrückte Kräfte einfach freizulassen.
August "Poesie des Lebens – Wenn sich plötzlich alles reimt"
Osho
sagt in einem Diskurs: "Poesie ist der innerste Kern von Religion. Poesie
ist der Seinszustand, wo dein Verstand sich nicht mehr zwischen
dich und die Existenz stellt … wenn plötzlich das Ganze Besitz von dir
ergreift und beginnt durch dich zu tanzen. Sie entsteht durch Hingabe.
Sie entsteht, wenn der Teil seinen ganzen Mut zusammennimmt und sich dem
Ganzen ergibt, wenn der Tautropfen ins Meer gleitet und zum Meer wird.“
September "Macht und Stärke – Vom Powertrip und anderen Reisen"
Hier
geht es um Macht. Ist des Menschen „Fähigkeit zu machen“ mit Herzenswärme,
Intelligenz und Umsicht gesegnet, bereichert sie unser Zusammenleben,
schafft sie Harmonie und nützt allen. Doch die Gefahr sie zu missbrauchen
ist groß. Macht blendet und berauscht den Menschen. Nun glaubt er, darf
er sich über andere erheben und ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen.
Skrupellos räumt er dafür jeden, der ihm in die Quere kommt, aus dem
Weg. Ob mit faulen Tricks, versteckter Manipulation, tyrannischem Gebaren
oder eiskalter Strategie – das Ziel ist: Sieg um jeden Preis! Osho sagte:
„Wann immer du dich mächtig fühlst, aber als Gegenmittel keine Liebe in
dir hast, wird deine Macht anderen zur Katastrophe gereichen, zum Fluch.
Liebe öffnet die Augen, reinigt die Augen …“ Und: „Entspanne dich in dein
Wesen hinein, egal wer du bist. Sei nur – hör auf zu werden.“
Oktober "Die einfachen Dinge des Lebens – Vom Teetrinken und Nichtstun"
An
welche Dinge erinnere ich mich gern, wenn ich auf mein Leben schaue?
Es sind die besinnlichen und einfachen Momente, die mein Herz nachhaltig
lächeln lassen; in denen mir bewusst wird, was das Leben bedeutet. In
denen ich anhalte und mich mit dem auftanke, was das Leben mir schenkt.
Oft kommt es unerwartet, unspektakulär, und meist kostet es nichts:
ein Spaziergang am Fluss, das kleine Baby, das unschuldig nach meinem
Finger greift, ein Nachmittag mit Freunden – wenn wir die Zeit vergessen,
entspannt einen Tee trinken, echte Gespräche führen oder einfach nur still
sind. Osho sagt: „Dieses riesige Universum funktioniert wie am Schnürchen
und ihm fehlt es an nichts: Es braucht keinerlei Verbesserung. Wer dies
sieht, der entspannt sich. Das Leben verstehen heißt, sich entspannen.“
November "Bauch und Intuition – Die Stimme aus dem Unbekannten"
In
dieser Ausgabe geht es um die Intuition, unser Bauchgefühl.
Diese innere Stimme ist die wichtigste Zutat unseres gesunden Menschenverstandes,
versorgt sie uns doch blitzschnell mit Einsichten und einfachen Lösungen aus
dem Unbewussten, lässt uns komplexe Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen
treffen.
Laut Osho kommt die Intuition immer aus dem Bauch, wo unsere Mitte sitzt. Hier
ist unser Ursprung, waren wir mit der Mutter durch die Nabelschnur verbunden:
„Das Zentrum des Nichtdenkens – wo sich Leben und Tod treffen, wo alle Dualitäten
sich auflösen.“
Dezember "Lifestyle – Schöner Schein oder wahres Sein"
Diesmal
geht es um Lifestyle! Ja, wie leben wir denn? Entspricht meine
Lebensführung meinem innersten Anliegen? Hat sie eine echte Bedeutung?
Oder versuche ich nur, dazuzugehören und bei anderen Eindruck zu
schinden? Imagegestaltung wird im Wettbewerbswahn unserer Gesellschaft
immer wichtiger. Die Werbung greift das Schlagwort „Lifestyle“ auf, um
den Konsum anzukurbeln. Und ein Tross von Trendsettern, Medienberatern,
Modemagazinen und Stil-Ikonen denkt sich immer neue Erscheinungsbilder
und „Ambiente“ aus. „Sei
in der Welt, aber nicht weltlich“, sagt unser Meister. Er lehrt
uns, jede Rolle im gesellschaftlichen Spiel wie ein intelligenter Schauspieler
bewusst auszufüllen und dennoch authentisch und natürlich zu bleiben.