Osho Times Archiv Jahrgang 2009
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Januar "Vertrauen - Leben ohne Sicherheitsnetz"
Vertrauen
erfordert Mut! Auf tiefster Ebene ist es das Zugeständnis, dass
es etwas Größeres gibt als mich. Und das kann ganz schön nervös
machen. Man weiß ja nicht, was dieses Größere mit einem vorhat.
Vielleicht hatte ich mir das ja ganz anders vorgestellt und auch seine
Mittel gefallen mir nicht! Mein Ego bäumt sich auf und zischt manipulativ:
„Aber du musst doch deiner eigenen Wahrheit folgen!" Osho sagt: „Vertrauen
ist Sache des Herzens. Man vertraut dem Leben einfach deshalb, weil man
dem Leben entstammt, sich im Leben befindet und wieder zur Quelle zurückkehren
wird. Da herrscht keine Angst. Dasselbe Leben, dem du dein Leben
verdankst, kann dir jederzeit mehr Leben schenken – wozu also Angst haben?“
Februar "Geld und Verantwortung – Ausgeben, Investieren, Haushalten"
Geld
steht ganz oben auf der Liste unserer weltlichen Bedürfnisse. Die
Gier nach „Mehr“ speist die Illusion vom ewigen Wachstum und Wohlstand.
Wir denken, das ginge immer so weiter, und tun so, als gehöre die
Erde uns. Rücksichtslos beuten wir ihre Natur aus und leben vom
schnellen Pump. Dessen Rückzahlung verschieben wir auf die Zukunft.
Kaum einer kommt von sich aus auf die Idee, weniger zu konsumieren
und im Einklang mit der Natur zu leben. Osho macht klar,
dass Geld an sich kein Problem ist, sondern was wir uns davon versprechen:
„Geld kann viele Dinge kaufen: Alles Äußere lässt sich mit Geld
kaufen, da gibt es kein Problem. Aber Geld kann dich nicht zur
inneren Befriedigung hinführen …“ Und: „Benutze das Geld, aber
sei nie habgierig. Als ein Mittel ist Geld völlig in Ordnung; es ist ein
großartiges Tauschmittel, sehr zweckdienlich. Benutze es, aber lass dich
nicht von ihm benutzen; besitze es, aber sei nicht vom ihm besessen –
bleib Herr im Hause.“
März "Ernährung – Was macht satt und glücklich?"
Was macht satt und glücklich? Das herauszufinden ist heutzutage ein echtes Abenteuer – zu schnell geht man im Kugelhagel der Gesundheits- und Gewichtsempfehlungen von Lebensmittelkonzernen, Pharmaindustrie und Modebranche verloren. Die haben vor allem ihren Profit im Auge und nicht das Wohlergehen der Konsumenten und der Natur. Was soll ich nur essen? Was bekommt mir gut? Angespannt vorm Karren unserer Leistungsgesellschaft und umzingelt von drängenden Terminen gönne ich mir selten die Muße, mein Essen in stressfreier und harmonischer Atmosphäre zu genießen. Geschweige denn wirklich hinzuspüren, was meinem Körper bekommt. Osho vertreibt das Hirngespinst, eine bestimmte Ernährung mache uns spirituell: „Nicht deine Ernährung macht dich spirituell – sondern deine Ernährung ändert sich, wenn du spirituell wirst."
April "Bodyfitness bis ins Alter – Pilates, Yoga & Co"
Bewegung
macht beweglich. Und jeder, der sich in seinem Körper zu Hause fühlt,
weiß, wie gut sie tut. Er ist ja eigentlich von der Natur her zum Jagen
ausgestattet, zum Beutemachen und dazu, diese dann in die Höhle zu schleppen.
Er kann laufen, hüpfen, tanzen, springen, hat Muskeln, Sehnen und Gehirn.
Osho dazu: „ Lebt gesund, aber denkt dran, dass das nicht das Ziel
ist. … Der Körper ist ein Motor, ein herrlicher Motor; setz ihn ein, aber
setz ihn zu etwas Höherem ein, statt um seiner selbst willen. … Stecke
deine gesamte Energie ins Meditieren. Behalt nur ein Ziel im Auge: dass
du in dir eine Mitte schaffen musst. Sobald diese Mitte aufsteigt, dieser
Gebieter eintritt, beginnen all deine Sinne ihm einfach zu folgen … Sobald
deine Energie motiviert ist, sucht sie sich ihren eigenen Weg.“
Mai "Das Phänomen "Flow" – Im Fluss mit dem Leben"
Kindern
sieht man es beim Spielen im Gesicht an: die glänzenden Augen, der entzückte
Blick, wenn sie sich kabbeln, kitzeln und hintereinander hertoben. Künstler
erleben es, wenn der Pinsel nicht mehr aus der Hand will, Sportler, wenn
sie wie im Traum die Bestzeit ihres Lebens laufen, Hausfrauen, wenn sich
die Wäscheberge wie von selbst bügeln und nebenbei auch noch das zarteste
Soufflee gelingt. Die lästigsten Pflichten machen plötzlich Spaß! Alle
Schleusen sind geöffnet, die Energie strömt. Das Leben spielt, der Flow
ist da und übernimmt alles. Nicht immer nach Plan, aber immer: genau richtig.
Dieses Phänomen der Mühelosigkeit geschieht einfach. Es ist nicht zu steuern.
Osho: „Hingabe ist Weisheit. Kampf ist dumm. Geh einfach mit. Lass
dich von der Strömung treiben, schließe dich dem All an. Hab keine privaten
Träume und keine privaten Ziele. Dann lebst du in diesem Augenblick; und
wenn der nächste Augenblick kommt, lebst du in dem. Wenn Leben da ist,
lebst du das Leben, wenn der Tod kommt, lebst du den Tod. Was immer geschieht
– du bist dankbar.“
Juni "Kinder – Botschafter des Lebens"
„Die
Kinder sind die am längsten unterdrückte Klasse von Menschen, und
sie von den Eltern frei zu machen scheint äußerst schwer“, sagt
Osho – ein flammendes Plädoyer für lebendige, angstlose
Kinder, für Liebe und Bewusstsein. Und vor allem gegen die Zuckerbrot-und-Peitsche-Erziehung
unserer Gesellschaft, die mit Tricks, Gewalt und Manipulation folgsame
Mitläufer heranzieht. Kinder sind glücklich, wenn ihre
Eltern glücklich sind. Und das gilt für jedes Kind, auch für das
in uns drinnen. Vor allem brauchen sie auch keine teuren Geschenke,
sondern Zuwendung. Schon einfache Dinge freuen sie: Quatsch machen
und Spielen, Zärtlichkeit, freundliches Miteinander, respektvolle
Aufmerksamkeit und echtes Interesse.
Juli "Begehren und begehrt werden – Schäume und Träume"
Die
Objekte unserer Begierde sind so vielgestaltig wie die Welt an sich; ob
Sex oder Macht, Geld oder Luxusgüter, immer dieses Habenwollen: Liebe,
Lust, Gesundheit, ein Leben nach dem Tod, Erleuchtung! Gern auch alles
miteinander. Und als Krönung der Wunsch, gar keine Wünsche mehr zu haben!
Osho: "Alles wird so hingestellt, wie es gar nicht ist, nie gewesen
ist und nie sein wird. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das
von Illusion lebt. Was wir Religion nennen, was wir Literatur, Poesie
oder Musik nennen, ist künstlich, sind Fiktionen – hinter denen wir uns
verkriechen wie hinter Puffern, damit die Stöße der Wirklichkeit nicht
bis zu uns durchdringen. Und ich möchte dazu nur anmerken: Solange ihr
nicht alle Stoßdämpfer aufgebt, werdet ihr niemals frei sein. Nur Wahrheit
befreit.”
August "Mitte des Lebens – Übergänge"
„Das
Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen.“,
sagte Friedrich von Schiller. Wunderbar! Diesmal geht es um die Lebensmitte.
Um Übergänge und Wendepunkte im Bewusstsein. In dieser Phase zwischen
Vierzig und Mitte Fünfzig erleben die meisten von uns bedeutsame Wandlungsprozesse.
Viele hadern mit dem Alter, bekämpfen Falten, Kilos und Wehwehchen. Die
Muskelkraft lässt nach, der Sexdrive schwächelt. Statt weiteren Errungenschaften
nachzueifern, geht es jetzt stärker um Lebensqualität, um Tiefe und Ganzheit.
Osho sagt dazu: „Der Westen braucht ein tiefes Kennenlernen seiner eigenen
Lebensquelle, dann wird keine Eile mehr sein. Man wird es genießen, wenn
das Leben einem die Jugend gibt, man wird das hohe Alter genießen, und
ebenso, wenn das Leben den Tod bringt. Man kennt einfach nur dies eine
– alles zu genießen, was einem widerfährt und wie man daraus ein Fest
machen kann. Authentische Religion ist für mich die Kunst, aus allem ein
Lied ein Fest, einen Tanz zu machen.“ Egal, was passiert.
September "Coaching – aufwachen und loslegen"
Die
Angebote an Coachs, Beratern und Lebenstrainern sind vielfältig:
Für jede Lebenslage hat sich ein kreativer Kopf Gedanken gemacht. Da gibt
es den Beziehungscoach, Happynesscoach, Trauercoach, ganzheitlichen Körpercoach,
Berufungs- oder Berufscoach, Kindercoach, Midlifecoach, Seniorencoach
und vieles mehr. Mal abgesehen davon, dass sich Geld damit verdienen
lässt, sind das meist alles Menschen, die gern helfen und ihr Wissen weitergeben
wollen. Osho in seinem Diskurs: „Sobald du aufhörst, dich in dein
eigenes Leben einzumischen, hörst du auch auf damit, dich in das
Leben anderer einzumischen.“ … Und: „Steh dem andern bei, aber überlass
ihn seiner eigenen Bestimmung. Die Bestimmung ist unbekannt; niemand weiß,
was da blühen soll. Gib kein Muster vor, sonst wird die Blume erstickt.
Hilf, unterstütze, liebe. Akzeptiere den anderen und gib ihm das
Gefühl willkommen zu sein.“
Oktober "Die anderen und ich – Beziehungen"
„Das
Dasein ist ein Gewebe wechselseitiger Abhängigkeit. Niemand ist unabhängig.
Ihr könnt nicht einen Moment unabhängig von allem andern existieren“,
sagt Osho in seinem Diskurs.
Kein Mensch ist eine Insel. Wir alle sind mit dem Schicksal der
anderen verwoben; selbst die kleinsten Regungen beeinflussen unser Miteinander.
Selbst die sehnlichst erwünschte Zweisamkeit beruht auf einem von mir
getrennten Gegenüber. Von diesem andern erhoffe und erwarte ich all das,
was mir selbst noch nicht gelungen ist. Doch es geht auch anders. Den
Unterschied macht die Liebe mit ihren Begleitern Achtung, Respekt und
Vertrauen. Sie macht mir Mut so zu sein, wie ich wirklich bin. Und gesteht
das auch allen andern zu. Leben und leben lassen! Ganz einfach.
November "Alles hat ein Ende … von Trennung, Abschied und Loslassen"
Jede
Trennung vergegenwärtigt so Manches – z.B. dass das Leben anders
läuft, als ich es will und es mir vorstelle. Dass es schwerfällt,
mit offenen Händen unter freiem Himmel einfach nur dazustehen und nicht
zu wissen, was als Nächstes kommt. Ohne etwas tun zu können! Und was werde
ich in Zukunft nicht alles auf die Beine stellen, damit es wieder
so schön wird wie früher! Alle leidvollen Erlebnisse werden dabei natürlich
völlig ausgeklammert. Widerwillig erkenne ich, dass nichts sicher ist,
auch wenn ich mich noch so sehr bemühe, alles richtig zu machen. Jederzeit
kann alles enden und der Tod mich abholen. Das Loslassen kann man nicht
machen. Es geschieht nur. DAS zutiefst zu wissen, lässt mich demütig,
weich und entspannt werden.
Dezember "Zen - Der weglose Weg"
Was
ist Zen? „Die Erfahrung von Nichtselbst“, lese ich da. Mein trickreicher
Verstand, der alte Angeber, tönt sogleich neunmalklug: „Aber wie kann
man denn eine Erfahrung machen, wenn kein Selbst da ist, das diese Erfahrung
abmisst, einordnet, vergleicht und erlebt?“ „Also irgendwie ganz schön
kompliziert“, denke ich, werde aber schnell müde, mir den Kopf zu zermartern
auf der Suche nach einer sinnvollen Antwort. Überall ist Zen, pulst und
wogt und schwingt es – ein Wunder, eine Gnade, wenn es mir denn bewusst
wird. Osho: „Wann immer du deine Mitte spürst, verschwindet der gesamte
Geist: Gedanken, Träume, Wirklichkeit, alles. Plötzlich bist du in der
Leere. Nichts im Geist – reine Leere. Dann öffne die Augen und sieh: Was
immer da ist, ist wirklich.“