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Im Bann von Leinwand und Farben

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Im Bann von Leinwand und Farben

Bilder von Claudia Raiser

Die Malerei habe ich bereits als Jugendliche für mich entdeckt. Damals war ein Kohle- oder Bleistift das Material meiner Wahl, um mich an der Darstellung gegenständlicher Motive zu versuchen: Landschaften, Tiere. Manchmal auch Menschen. Die aber eher weniger.
Die Malerei war schon zu dieser Zeit vor weit über 40 Jahren ein Zufluchtsort. Wenn ich male, findet die Welt um mich herum nicht statt. Das ist bis heute so geblieben.
Ich war ungefähr 20 Jahre alt, als ich das Elternhaus verließ, um mich auf das Abenteuer eines eigenständigen Lebens, sprich Beziehung, Beruf und etwas später auch auf mein größtes Abenteuer des Mutterseins einzulassen. Die Welt war bunt und lebendig, ich war beschäftigt mit der Bewältigung des normalen Alltags, was leider zur Folge hatte, dass ich die Malerei für lange Zeit aus den Augen verlor.
Das Signal für eine Änderung kam, wie so oft und bei so vielen, von meinem Körper, der mir klar zu verstehen gab, dass ich ihn nicht achtsam und in gebührender Weise behandeln würde. Daraufhin begab ich mich in ayurvedische Behandlung, was meinen Gelenken auf Dauer wieder Schmerzfreiheit und mir den Rat des behandelnden Arztes bescherte, mich nicht nur, wie bis dato, körperlich mit Jogging fit zu halten, sondern auch die Balance zwischen Körper und Geist, Anstrengung und Entspannung, Bewegung und Ruhe wieder herzustellen.
Die Idee, es mit Yoga zu versuchen, war geboren. Und damit auch der erste Schritt in Richtung Spiritualität getan. Denn Yoga zu praktizieren bedeutet für mich neben der körperlichen Praxisarbeit natürlich vor allem zu meditieren. Meditation als Zufluchtsort, als Ruheraum, als Zerfließen der Grenzen meines Selbst mit und in den Raum. Befreiende, manchmal gar glückliche Momente, die unglaublich und letztlich unbeschreibbar sind.
Ich fing wieder an zu malen. Der Prozess dahin war völlig unspektakulär und ganz leise. Eines Tages war ein großer Wunsch nach Leinwand und Farben da, dem ich etwas verwundert und zögerlich, aber dennoch recht schnell folgte. Im Gegensatz zu den kleinformatigen Bleistift- und Kohlezeichnungen meiner Jugend war mir intuitiv klar, dass ich ab jetzt großformatig und mit Farben arbeiten würde.
Seither baue ich oder freundlicherweise mein Mann die meisten meiner Rahmen, sie werden bespannt, mit sehr feinem Putz grundiert und dann mit Acryl bemalt.
Ich male nicht mehr gegenständlich, dennoch tauchen Dinge auf, die als etwas Gegenständliches identifiziert werden. Erstaunlicher- oder/und wunderbarerweise von mir oft mit anderen Ergebnissen als die anderer Menschen. Darüber kommen wir ins Gespräch, was ich oft genieße. Dennoch steht im Mittelpunkt meiner Malerei die Konzentration auf die Farben, die ineinander übergehen, sich berühren oder durch Vermischung weitere Nuancen und Möglichkeiten der Farbpalette zum Vorschein bringen. Dabei haben mich Leinwand und Farben gleichermaßen im Griff, halten mich in ihrem Bann.
Die Vorstellung, ein Bild in einer vorher geplanten Art und Weise oder Farbgebung zu malen, habe ich sehr schnell aufgegeben. Das Bild malt sich selber, ich stelle nur meine Hände als Arbeitsutensilien zur Verfügung. Heute lebe ich, eigentlich sehr ausgeglichen, in meinen verschiedenen Lebenswelten. Der Alltag in Beruf und Familienzusammenhängen … fordernd und beflügelnd zugleich. Und meine Spiritualität, gespeist aus Meditation und Malerei, die mir Kraft, Gelassenheit und den Glauben an das Gute im Menschen und die Liebe des Universums geben.

mail | claudia.raiser97@gmail.com

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