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I love it!

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iPad-Paintings von Premdharma

OshoTimes 10/2017

Im Zen gibt es folgende uralte Überlieferung: Wenn du Maler werden willst, heißt es da, erlerne zwölf Jahre lang die Maltechnik bis ins letzte Detail, und vergiss dann zwölf Jahre lang alles, was du vom Malen und seiner Technik weißt: Mach etwas anderes. Kehre der Malerei völlig den Rücken, schlag sie dir aus dem Kopf, so als ginge sie dich überhaupt nichts an. Und dann fang eines Tages wieder zu malen an.
Da ist etwas dran! Studiere zwölf Jahre lang die Technik, denn ohne die Technik wäre dein Gemälde kindisch; wenn es aber nichts weiter als Technik ist, dann wird es zwar technisch vollendet sein, aber kein Leben haben, wird es nicht schöpferisch sein. Erlerne also die Technik, sauge sie auf, und schlag sie dir dann ganz aus dem Sinn, damit sie dir in Fleisch und Blut übergeht. Und dann, nach abermals zwölf Jahren, beginne eines Tages unverhofft wieder zu malen: Jetzt hast du die Technik vergessen. Du beherrschst sie zwar irgendwie noch, irgendwie gehört sie einfach zu dir, ist aber kein Wissen mehr. Folglich wird dein Gemälde weder nur technisch sein, noch wird es kindisch sein.
Lerne zunächst die Technik und dann verlerne sie wieder. Nur dann kommt es irgendwann zur schöpferischen Explosion. Lerne zunächst die Technik des Tanzens, dann schlag sie dir aus dem Kopf und werde spontan: Erst dann…
Und es gibt solche und solche Menschen – die einen sind der Meinung, ohne Technik auskommen zu können:
"Ich will ein schöpferischer Mensch sein und kein Techniker!" Dann wird ihre Malerei, ihre Musik, ihr Tanz nur ein kindisches Gewurschtel sein, amateurhaft – ziemlich wertlos.
Aber es gibt auch die anderen, die es umgekehrt machen: Sie erlernen zunächst die Technik, so gut sie können – solange, bis sie ihnen die Hände bindet. Sie malen perfekt, aber irgendwas fehlt: Es wirkt seelenlos, es wirkt geistlos – es ist eine Totgeburt. Also muss man all sein Wissen loslassen. Man muss es wieder verlernen, um wieder frisch und unschuldig werden zu können.
Und drittens: Wer aus einem gewissen heimlichen Motiv schöpferisch werden möchte, wird zwangsläufig auf den Holzweg geraten, denn wo man mit Malerei berühmt werden kann, wird es viele Maler geben. In Frankreich zum Beispiel gibt es viele Maler. In Indien gibt es dagegen kaum welche, dafür aber viele Heilige – je nachdem, was Mode ist. In Frankreich ist es Mode, zu malen: Wer dort glänzen möchte, sollte Maler werden. In Indien sollten sie Heilige werden – dieselben Dummköpfe! Wären sie in Frankreich geboren, würden sie malen; in Indien sind dieselben Dummköpfe Maler geworden.
In allen Ländern gibt es verschiedene Moden, und zu verschiedenen Zeiten. In Indien zum Beispiel käme kein Heiliger auf die Idee zu malen, aber in Japan versuchen alle Heiligen zu malen. Sie lernen Kalligraphie und Malerei – das ist halt Mode.
Wer sein Leben an der aktuellen Mode orientiert, beweist damit nur, dass er berühmt werden möchte, dass er von der Tradition und vom Volk akzeptiert werden möchte. Herauszufinden, wozu er wirklich begabt ist, interessiert ihn gar nicht: Ihn interessieren die Meinungen anderer Leute. Das vor allem gehört auf den Müll. Schert euch nicht darum, was andere meinen. Findet lieber heraus, was euch liegt. Niemand mag es je zu schätzen wissen – na und? Man mag nicht berühmt werden – na und? Nur keine Sorge: Der Lohn besteht nicht darin, berühmt zu sein. Der Lohn besteht darin, mit Leib und Seele, rückhaltlos im Schöpferischen aufzugehen. Der Lohn ist der Akt an sich – er kommt nicht von außen, nicht hinterher. Nicht erst, wenn du dein Bild gemalt hast und die Leute es gelobt haben und es auf der ganzen Welt ausgestellt wird. Nein, belohnt wirst du, wenn du es malst, wenn du ganz und gar in ihm aufgehst. Diese Stille, diese Freude, diese Energie, dieser Augenblick, in dem du verschwindest und Gott erscheint. Das ist dein Lohn.

Text von Osho

web | www.galeriegartlgruber.de
mail | premdharma@gmx.de

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