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Werde weicher …

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Werde weicher …

Osho-Meditation

OshoTimes 08/2018

Man kann alles auf zweierlei Art betrachten – hart und weich. Wer etwas mit hartem Auge betrachtet, hält genau drauf, fokussiert auf es. Dann bekommt es klare Konturen und man sieht es getrennt von anderen Dingen. Wer zum Beispiel auf einen Baum fokussiert, betrachtet ihn isoliert, getrennt von anderen Bäumen, getrennt vom Haus, getrennt von den Passanten, getrennt von den am Himmel ziehenden Wolken. Man sieht nur ihn und all seine Abgetrenntheit, seine Unverbundenheit, seine Vereinzelung.

Wer etwas auf weiche Art betrachtet, mit einem nachgiebigen Auge, sieht nicht so genau hin, sieht es nicht an, sondern durch es hindurch. Dann achtet er nicht so sehr auf dessen Unterschiedlichkeit. Im Gegenteil, für ihn ist der Baum nur Teil des Gesamtbildes – mit den anderen Bäumen, den Wolken, der Sonne, den Vögeln, den Passanten und nicht zu vergessen mit ihm selber. Dann wird der Baum nicht betont und aus dem Kontext des Gesamtbildes herausgelöst. Er ist einfach Teil davon.

Versucht also, euch einen weichen Blick anzugewöhnen. Seht hin, aber nicht zu scharf. Ein wenig verschwommen, vage, nicht so eindeutig … so als würdet ihr einen Schnappschuss entwickeln, bei dem die Tiefenschärfe nicht eingestellt ist. Das Foto wird zwar verschwommen sein, euch aber zu einem weichen Blick verhelfen.

Leute, die mit hartem Blick schauen, werden hart. Leute mit weichem Blick werden weich. Poeten haben einen weichen Blick, Mathematiker dagegen einen Scharfblick. Maler haben einen weichen Blick, Naturwissenschaftler dagegen einen Scharfblick. Für Leute mit Scharfblick ist das Leben wie Prosa. Für Leute mit weichem Blick ist das Leben eher poetisch – alles fließt und verschwimmt ineinander.

Versucht also einfach mal weich zu sein. Bewegt euch weich, übt den weichen Blick, sprecht sanft. Versucht also, rundum weicher zu werden. Das wird dem inneren Zustand zugute kommen, den du gerade kennengelernt hast. Und dieser weiche Zustand wird dir mehr und mehr zugänglich werden. Und irgendwann wird er deine Zuflucht sein.

Foto: © Kevin Kristhian | Unsplash

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