Oshotimes Platzhalter

"Wenn ihr guter Dinge seid … wenn ihr euch mal im Alltagsleben beobachtet, werdet ihr feststellen, dass ihr jedes Mal, wenn ihr heiter seid, euren Körper vergesst. Wer heiter ist, vergisst seinen Körper, und wer traurig ist, kann seinen Körper einfach nicht vergessen."
OSHO

Thema der aktuellen Ausgabe:

Heiterkeit – Von der Leichtigkeit des Seins

Editorial von Anandi

Als frischgebackener Sannyasin schien mir die Erleuchtung gerne zu lächeln – die Gesichter alter Buddhastatuen legten ja Zeugnis genug davon ab.
Und ganz nach dem Motto „Erst mal so tun als ob, dann wird das Gewünschte mit der Zeit schon kommen“ bemühte ich mich ernsthaft darum, wenigstens schon mal so auszusehen, als hätte mich das Licht geküsst: also heiter und gelassen, voller Klarheit und losgelöst von irdischen Sorgen und Nöten. Auch wenn mir oft anders zumute war.

Aber wehe, jemand kratzte an meiner aufgesetzten Haltung und sprach von „Friede, Freude, Eierkuchen“ oder gar „scheinheiligem Getue“. Dann verschwand das heitere Lächeln im Nu. Die Stirn umwölkte sich und ein zutiefst gekränktes „Keiner versteht mich“ verdüsterte meine Stimmung. Irgendwann merkte ich schließlich, dass meine Gesichtsmuskeln durch das automatische Lächeln zu einer Maske erstarrten, und ich ließ davon ab. Was nützt es außerdem, wenn sich das weiße Heiligengewand schon nach der ersten Wäsche als graues Hemdchen entpuppt? Doch was soll’s: Irgendwo muss man ja anfangen …

Echte Heiterkeit dagegen ist bezaubernd! Bescheiden und sich selbst genug ist sie ein Licht, das den direktesten Ausweg aus den dunklen Verliesen des Verstandes aufzeigt.
Unaufdringlich flüstert sie: „Schau auf diesen Moment und seine Bedürfnisse – erfüll sie so intelligent wie möglich. Lös dich vom Gestern und Morgen – locker, klaglos und unbeschwert.“ Wohl dem, der sie versteht.

Hierzu eine wunderbare Geschichte von Osho:
Ein armer Jude klagt dem Rabbi sein Leid: Wie dicht gedrängt sie alle zu Hause in einem Zimmer leben müssen – er mit seiner Frau und den sechs Kindern, mit Mutter und Schwiegervater – in dieser Enge können sie alle immerzu nur nörgeln und streiten. Am liebsten brächte er sich um.
Der Rabbi fragt den Ärmsten, ob er denn auch Haustiere besäße. „O ja“, antwortet dieser, „ein paar Hühner, eine Kuh und eine Ziege!“
„Gut“, sagt der Rabbi, „dann geh nach Hause, hol alles Viehzeug zu euch ins Zimmer und lebt gemeinsam unter einem Dach.“ Erstaunt tut der Mann, wie ihm geheißen.
Schon am nächsten Tag steht er in Tränen wieder da. Alles sei noch viel schlimmer als zuvor, und wenn er ihm nicht sofort helfe, nähme er sich das Leben.
Der Rabbi antwortet ruhig, er solle nach Hause gehen und die Hühner wieder nach draußen jagen. Der Mann tut, wie ihm geheißen. Doch am nächsten Tag kommt er heulend wieder zurück: Die Kuh verwandle das Zimmer in einen stinkenden Stall. Man könne unmöglich so weiterleben. Der Rabbi rät ihm: „Wirf die Kuh aus dem Zimmer, und Gott wird dir helfen.“
Der Mann gehorcht, doch einige Tage später trommelt er wieder Türe und beschwert sich bitterlich: Die Ziege zerreiße all ihre Kleider und demoliere die ohnehin spärlichen Möbel. Sanft empfiehlt ihm der Rabbi, die Ziege wieder nach draußen zu führen. Der Mann macht es.
Tags drauf kommt er freudestrahlend zum Rabbi gelaufen – zum ersten Mal richtig glücklich.
„Oh, lieber Rabbi, wie kann ich dir nur danken? Mein Leben ist wieder schön. Wie sauber ist das Haus ohne all die Tiere, so geräumig, so friedlich! Wir alle lieben uns wieder, welch eine Freude!“

Fortsetzung folgt …