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Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Ein Appell an die Wertschätzung

Text: Shreyas

Letztens wurde ich gefragt: ­"Shreyas, sag mal, du warst Anarchist, du hast dich gegen das Establishment aufgelehnt, du hast demonstriert, den Kriegsdienst verweigert, warst gegen Kirche und alle anderen Autoritäten. Und dann gehst du zu einem Meister und begibst dich im Grunde in ein diktatorisches System?"
Nach wirklich langem Überlegen habe ich ihm geantwortet: "Ja, du hast recht, aber ich habe vorher bereits sieben Jahre intensiv nach der Wahrheit gesucht. Und da waren auch Lehrer in der Schule, denen ich voll und ganz vertraute, und da war meine Lehrherrin, zu der ich volles Vertrauen hatte, und auch andere Menschen, ein Kaplan zum Beispiel.

Ich suchte das Gute

Es war lediglich so, dass ich mich Autoritäten gegenüber auflehnte, denen ich absprach, etwas Gutes für mich oder die Welt zu wollen. Ich suchte das Gute und Wahre. Ich suchte das in Kirche, SPD, DKP, DDR, Politik … Und fand es nicht.
Und als ich Osho traf, vertraute ich ihm einfach. Ich spürte zutiefst, dass er mein Bestes wollte, ich spürte eine Wahrheit, die größer war als ich selbst sehen konnte, und ich tat Dinge, die ich selbst nie getan hätte, ich stieg über Hügel und Widerstände und fand etwas Neues, nie davor Gesehenes.

Es geht um Wahrheit

"Religionen" sind keine Horte der Demokratie, denn es geht hier nicht um Dinge, die die Mehrheit bestimmen kann. Es geht um eine bestimmte Wahrheit, die von jemandem festgestellt wird, der mehr sehen kann als ich. Trotzdem gab es auch in meiner Zeit mit Osho Situationen, in denen ich Nein sagen musste, einfach weil mir innerlich klar war, dass auch in Oshos Kommunen nur Menschen handelten, die dem unterworfen sind, was man in der Politik Korruption, Machtbesessenheit, Manipulationswillen, Dummheit und Unbewusstheit nennen würde. Stelle Papst Benedikt nicht mit Jesus gleich, und Sheela (oder dich) nicht mit Osho. Aber deshalb muss ich diese Menschen auch nicht verurteilen.

Wer ist frei von negativen ­Eigenschaften?

Inwieweit man diesen vorher sogenannten negativen Eigenschaften unterworfen ist, hängt von einem selbst ab, von dem Stand an Bewusstheit und Integrität. Du kannst das überprüfen – in deiner Beziehung, deiner Arbeit, deinen Freundschaften und gegenüber dir selbst. Wer frei ist von diesen, werfe den ersten Stein auf seine Mitmenschen, worunter ich auch Politiker, Päpste, Sheela, Unternehmer, VW-Vorstände und Journalisten zähle.
Ich glaube, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Welt der Spiritualität und der Welt da draußen. Und ich glaube auch, dass wir hier lange etwas falsch verstanden haben. Wir lebten mit einem Meister, und dieser führte uns in eine Wahrheit, die wir vorher nicht kannten und die wir unglaublich lieben. Und vielleicht ist daraus der Wunsch entstanden, dass doch die ganze Welt so sein sollte.

"Geht hinaus auf den Marktplatz"

Dann sagt Osho, soweit ich es verstanden habe: "Geht hinaus auf den Marktplatz, lebt dort, seid meine Stellvertreter und werdet meine Botschafter." Wir hatten die Wahrheit Oshos sogar ein wenig verstanden. Und treffen jetzt dort auf diese brutale, kalte, korrupte, machtbesessene Welt und sind selbst nicht frei davon.
Wie damit umgehen? Wie sich gegenüber der Welt und der Politik und der vorhandenen, nicht perfekten Demokratie gegenüber verhalten? Osho meinte, der Himalaja nütze nichts, aber Finanzminister will auch keiner werden.
Ich hatte im letzten Jahr etwa sechs Gespräche mit Sannyasfreunden über Politik, die mich wirklich geschockt haben: von Ansichten darüber, dass es eine Geheimloge gibt, welche die Welt beherrscht (nicht zu sprechen von den Kondensstreifen, die uns mit Manipulationschemie vollpumpen); über die Presse, die nur das schreibt, was ihnen die Mächtigen vorgeben und dass man deshalb nur noch Informationen aus dem Internet beziehe; dass Ärzte nur das tun, was ihnen die Pharmaindustrie vorschreibt; und dass alle Politiker von den Konzernen gekauft sind. Am schönsten fand ich, dass eine Gruppe von Heilpraktikern in einer Diskussion auf die österreichische Regierung als einzig vernünftige schwor, da in Österreich jetzt Marihuana legalisiert sei. Dass diese eine komplett rechtsradikale Politik verfolgt, wussten sie womöglich gar nicht.

karl@giggenbach.com

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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