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Sozial-ismus

Es geht um ein Mehr an Lebensqualität­ – für alle

Text: Shreyas

Der kühne JUSO Kevin Kühnert hat in der ZEIT ein Interview gegeben, in welchem er darüber sinnierte, wie man diese wahrlich ungerechte Welt, in welcher manche alles haben und viele nichts, gerechter gestalten könnte, um dann auch gleich noch vorzuschlagen, unsere bayerischen Motorenwerke zu vergemeinschaftlichen. Wenn ich ins heimische Café gehe, darf ich dann immer die Leserbriefe des Münchner Merkurs lesen und dort übergoss sich ein wahrer Sturm der Entrüstung. Kühnert wurde hinübergesandt in die DDR. Tja, gibt’s nicht mehr.

Wildere Zeite stehen uns bevor

Mein Leben lang beschäftige ich mich mit diesem Thema. Seit einigen Jahren bin ich öfters mal dabei, wenn Menschen Hartz IV beantragen. Diese Menschen können sich keinen Kaffee im Café leisten, von Skiurlaub, Restaurantbesuch im Tantris für 800 Euro schon gar nicht zu sprechen.
Die Menschen wollen zu uns nach Europa und ertrinken lieber im Mittelmeer als dass sie es weiter aushielten, dort, wo es nichts weiter gibt als Bananen. Dass die Menschen nicht aufbegehren ist für mich ein Wunder. Na, die Gelbwesten im Nachbarstaat sind ein starkes Zeichen, und je mehr die Welt sich spaltet und die Klimakrise steigen wird, desto wildere Zeiten werden wohl auf uns zukommen.

Glücklich mit nichts

Eine richtige Form des Lebens wird es wohl nicht geben. Es werden niemals alle gleich sein bzw. gleich viel verdienen, und es wird auch niemals nur einen Weltherrscher geben, dem alles gehört.
Und doch habe ich etwa 10 bis 15 Jahre im Kommunismus gelebt. Gut, die Ashramleiter, Jesus-Grove-Bewohner und natürlich Osho selbst (mit etwa 93 Fahrzeugen) hatten ihre Privilegien. Aber soweit ich es überblicken kann – und ich kann es zumindest für mich selbst sagen –, war ich glücklich mit nichts. Und mit Nichts meine ich nichts Materielles. Viele Jahre besaß ich nicht mehr als ein paar Bücher und etwa drei Hosen und Schuhe dazu. Jetzt muss ich lachen, denn danach habe ich ein Haus voller Dinge angesammelt. Für meinen letzten Umzug vor sieben Jahren mietete ich einen 7,5 Tonner mit Anhänger und ich musste zweimal fahren. Fünf Tage brauchte ich für all die angesammelten Dinge.

Freunde und ein kühnes Projekt

Was besaß ich aber damals stattdessen: Ich hatte Freunde, und mit ihnen baute ich ein kühnes Projekt. Ich baute es für mich aber auch für alle. Alles, was man Grundbedürfnisse nennt, wurde von uns gemeinsam erwirtschaftet, es gab gutes Essen, eine vielleicht etwas enge Wohnsituation, mit der ich aber nicht unglücklich war, denn ich gönnte es meinen Mitbewohnern, dass sie auch hier sein konnten. Ich wollte ja auch nicht, dass zwei von drei gehen müssen. Ist das Liebe? Was ist aber das, wenn man ein großes Haus hat, wie wir in Deutschland, und wir sagen: "Es ist voll, wir lassen niemand mehr rein!"
und nennen die Asylheime Abschiebezentren. Und Seehofer freut sich noch über 69 abgeschobene Afghaner an seinem 69. Geburtstag. Ist das der Vorhof zur Hölle?

Gefangen im Mehr und Mehr …

Jesus aber sagte: "Wenn du einen nackten Menschen triffst, schneide deinen Rock entzwei." Ja, ich hätte meinen Rock entzwei geschnitten in der Wüste von Oregon oder auch im Ashram in Margarethenried. Ja, mir fällt es schwer, einem abgelehnten nigerianischen Asylbewerber 50 Euro in die Hand zu drücken, weil er im Monat nur noch 150 Euro vom Asylamt kriegt und er von gekochtem Reis und Wasser lebt. Und tröste mich, dass dies ja auch nicht meine Aufgabe ist. Aber ist das menschlich?
Es ist interessant. Wenn die SPD die Vermögensteuer fordert, dann verliert sie etwa zehn Millionen Stimmen, obwohl die Vermögensteuer nur etwa eine Million betreffen würde – und gewiss nicht die SPD-Wähler. Trotzdem: Würde man BMW verstaatlichen – wer will schon so was wie einen Trabbi fahren?
Auch ich selbst bin so drin gefangen in dem Mehr und Mehr und der Gier und der Angst vor dem Existenzzusammenbruch. Vielleicht weil ich einfach immer wieder sehe, wie gnadenlos unsere Gesellschaft ist. Wie 300 Millionen für die Notre Dame gespendet werden, aber wenn es um zehn Euro Erhöhung für die Hartz-IV-Empfänger geht, ist kein Geld da. Den Menschen wird nicht mal erlaubt, in den Abfalleimern von EDEKA und ALDI zu wühlen. Was ist das? Vielleicht muss ich das Grundeinkommen doch eine gute Idee finden.

karl@abacusonline.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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