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Klartext

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Emanzipiert euch!

Ein Ausblick

Text: Avinasho

Dies ist vielleicht mein letzter Klartext. Was wünsche ich mir für uns alle? Ich habe nachgedacht und rausgekommen ist: eine Art spirituelles Update.
Was könnte das sein? Oder: Was ist es sicher nicht? Sicher nicht ist es die Flucht unter den Rockzipfel eines Welterklärers. Ganz sicher nicht ist es die Vogel-Strauß-Attitüde, garniert mit angelesenen Sprüchen à la "Alles nur der Mind". Ganz sicher nicht ist es manisches Posten auf blauen Plattformen und das Sendungsbewusstsein, Hinz und Kunz darüber aufklären zu müssen, wer schon wieder alles Mögliche falsch gemacht hat. Muss ich mir hier an die eigene Nase fassen?

Irritationen über "Angst frisst Hirn"

Warum irritiert es mich so, dass so nützliche Tools wie die moderne Traumaforschung völlig vorbeirauschen an den Vielen, die das studiert haben, in dem Moment, wo sie selbst von der Re-Traumatisierung eingeholt werden und sie nichts, aber auch gar nichts bemerken? Da könnte ich mich glatt auf die Seite derer schlagen, die den Heilpraktiker abschaffen wollen. Und wie besorgt sie sind! Mitten in der Pandemie ist eines ihrer größten Probleme nicht, dass die ganze Drecksindustrie wieder hochgefahren wird, sondern – Achtung! – die Abschaffung des Bargeldes. Oder ein Impfzwang, wo es gar keinen Impfstoff gibt. So was! Letzten Monat hat hier jemand sein Osho Times-Abo gekündigt, weil ich geschrieben hatte: "Angst frisst Hirn". Eine Binsenweisheit und im Moment nichts offensichtlicher als das.

Eigenverantwortung und ­Halbwahrheiten

Ich freue mich so, dass die Osho Times nicht eingeknickt ist vor den üblen Folgen der Spaltung, die auch vor unseren Lesern nicht haltgemacht hat. Spaltung heißt hier: auf der einen Seite die, die wertschätzen können, dass wir in einem System leben mit funktionierendem Gesundheitswesen und mit einer demokratischen Verfassung, um die wir in der Welt beneidet werden. Und auf der anderen Seite die, die denken, der Staat ist für ihr persönliches Glück verantwortlich, und an der Regierung sind Böslinge, die nichts anderes im Schilde führen als sie zu belügen. Als ob man das nicht kontrollieren könnte. Und denen es an der Bildung mangelt, um zu wissen, welche Institutionen den Laden hier aufrechterhalten, wie wichtig eine freie Presse ist und was zum Beispiel bots sind.
Bots, das sind durch Algo­rithmen befeuerte Halbwahrheiten und Fake News, die mittels Technik aber auch mittels zum Beispiel digitaler Hilfsarbeiter so befeuert werden, dass sie viral gehen. Das bedeutet eine Überschwemmung von Halbwahrheiten, mit dem Ziel der Verwirrung und vor allem Misstrauen gegen Demokratie. Eine Methode aus der Geheimdienst-Ecke. Kann sich jeder selbst ausmalen, woher das kommt und sehen, wohin das führt bzw. schon geführt hat, zum Beispiel bei den letzten amerikanischen Wahlen. Hier gibt es nächstes Jahr Wahlen …

Was braucht ein Update?

Ich weiß: Osho war kein Freund von Geschichte – trotzdem könnte es jetzt hilfreich sein, 75 Jahre zurückzuschauen, um zu begreifen, was passiert, wenn Menschen nach einem Retter in der Not/im Chaos suchen.
Wohin geht die Reise? Wir wissen es nicht. Wir haben kaum Einfluss auf das, was uns passiert. Höchstens darauf, wie wir das, was uns passiert, managen, ­bewerten, handeln, akzeptieren?
Ein Freund hat gepostet: Für ihn ist es alles keine Krise, sondern ein weiteres Abenteuer. Okay, kann man so sehen, wenn man sich bewusst ist, dass man dann in einer ziemlich privilegierten Situation ist. Zurzeit wäre es zynisch, einem schwarzen Amerikaner zu sagen, dass er auf Abenteuerreise ist.
Inmitten eines großen Umbruchs, gut verankert in der Mitte des Zyklons, wäre das doch genau die Zeit, um auszumisten und in einer Bestandsaufnahme festzustellen: Was brauchen wir noch? Was ist überholt? Was braucht ein Update?
Turiya hat eine buddhistische In­spiration weitergegeben. Sie schlägt vor, folgende Fragen unter die Lupe zu nehmen:
1. Habe ich wirklich gelebt? 2. Habe ich wirklich geliebt? 3. Was kann ich loslassen? 4. Was ist das Neue, was sich zeigen will/was in mein Leben kommt?"

Nagelproben

Mir geht es hier um Frage 3, das Loslassen. Höchste Zeit, Glaubenssätze unter die Lupe zu nehmen und mal nachzuschauen, ob die Bedeutung noch Bestand hat, ob das Osho-Zitat für mich noch die gleiche Offenbarung hat wie vor 30 Jahren oder ob ich es ganz neu sehen kann.
Die Nagelprobe ist doch immer, ob ich es jemand anderem erklären kann oder ob ich mit dem Subtext "eh klar" jongliere, mich beim Phrasendreschen ertappe, beim vollautomatischen Weglachen von "eh nur Mindblasen" oder vor lauter Selbstverständlichkeit über dem Text/der Frage/dem Zitat eingeschlafen bin.
Bin ich im Mantra vermeintlicher Selbstverständlichkeiten steckengeblieben oder hat der Satz für mich noch die volle Wucht neuer Erkenntnis? Oder ist er wie das Wort Intelligenz so wahnsinnig oft missbraucht worden, dass es hilfreich ist, ganz neu darauf zu schauen? Meine Lieblings-Herausforderung zurzeit: "Sei in der Welt aber nicht von der Welt" (Be in the world but not of the world).
Die Bedingungen meines physischen Daseins sind weltlich, ich brauche Luft, Wasser, andere Menschen etc. fürs in der Welt sein. Und was heißt nicht von der Welt? Heißt das, dass ich mir bewusst bin, dass es quasi mehr gibt als die Welt? Dass ich Abstand haben kann zum täglichen Geschehen, zum Marktplatz, zu Illusionen und Projektionen? Dass ich hauptsächlich Teil von etwas Größerem bin? Und die Welt nur ein kleiner Teil des Großen Ganzen? Heißt das, ich muss mich ausklinken, dissoziieren, zur Seite treten, um das zu erkennen? Und wenn ich es erkannt habe, was sehe ich dann?

Ganz neu draufschauen

Versteht mich nicht falsch: Wir wollen uns nicht im Gedankendschungel verlaufen, sondern ganz neu draufschauen auf alles, was uns selbstverständlich war. Raus aus der esoterischen Tretmühle, untersuchen, was stimmig ist, was Bestand hat im großen Umbruch. Emanzipiert euch von liebgewordenen, kuschligen, vermeintlichen Selbstverständlichkeiten. Macht es euch nicht auf Irrtümern gemütlich, dass der Mind eh nur Bullshit hervorbringt – schließlich war unser Meister Philosophieprofessor und nicht Kameltreiber, und ein großer Freund der Wissenschaft.
Heute waren in München 20.000 Menschen auf der Straße, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Ich hätte mir vor Corona (das wird unsere neue Zeitrechnung) nicht vorstellen können, dass so viele Menschen auf die Straße gehen wegen eines rassistischen Mordes in Amerika, denn schließlich gehört dort ungerechte Polizeigewalt gegen people of colour zur Tagesordnung.
Es ist, als hätten wir weltweit Empathie dazugewonnen und Mitgefühl und Mut. Es fühlt sich nach Aufbruch an, als hätten wir alle gelernt. Und dann können wir uns ganz neu auf unsere sannyasische Kernkompetenz besinnen: "Leben, lieben, lachen" – eine herausfordernde Idee in Zeiten wie diesen. Nehmen wir die Herausforderung an.

www.susanne-maria-elten.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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