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Klartext

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Mutmacher

Schmerz gehört zum Leben dazu. Und ja, man kann Zufriedenheit trainieren

Text: Ishu

Menschen können Menschen Mut machen. Oft sind das Menschen, die gelernt haben, mit schweren Schicksalsschlägen zu leben und daraus eine erstaunliche Lebensklugheit gewonnen haben.

„Junger Mann, was lesen Sie da?“

Eine dieser Menschen ist Hanna Weidinger. Ich traf sie im Frühjahr auf dem Kölner Nordfriedhof, wo sie ganz in der Nähe meiner Lieblingsbank ein Grab pflegt. Diese Dame um die 70 mit schneeweißem Haar fiel mir auf, nicht nur wegen ihres unsicheren Gangs und ihrer ziemlich deformierten Hände, sondern vor allem wegen ihres heiter-freundlichen Gesichts.
Irgendwann schaut sie zu mir rüber und fragt: „Junger Mann, was lesen Sie da?“
„Das Glasperlenspiel von Hesse, junge Frau“, antworte ich.
„Oh, wie schön! Das ist eines meiner Lieblingsbücher“, sagt sie lächelnd.
„Dann haben wir etwas gemeinsam. ­Setzen Sie sich doch!“
Sie nimmt meine Einladung an und sagt: „Ich glaube, dieser Hesse war wirklich ein weiser Mann. Einer seiner Sätze habe ich mir sogar eingerahmt: ,Glück gibt es nur, wenn wir vom Morgen nichts verlangen und vom Heute dankbar annehmen, was es bringt.'“
„Das ist aber schon für Fortgeschrittene“, sage ich.
„Oder für solche, die gelernt haben, dass Schmerzen zum Leben gehören.“
„Und das haben Sie?“, frage ich neugierig.
„Musste ich. Schließlich lebe ich seit 25 Jahren mit einer schweren rheumatoiden Arthritis. Meine Gelenke sind kaputt und tun weh. Vor allem, wenn ich – wie jetzt – wieder mal einen Entzündungsschub habe.“

„Au, das tut gemein weh!“

Frau Weidinger erzählt mir, dass sie deswegen am nächsten Tag in eine ­Rheumaklinik muss.
„Ich freue mich schon darauf. Es ist eine schön gelegene Klinik in Oberammergau mit sehr freundlichen Mitarbeitern. Ich bin gerne dort, zumal ich in dieser schönen Umgebung häufig mit meinem Mann zum Wandern war. Wenn ich unsere alten Wege gehe, fühle ich mich ihm besonders nahe und denke an all das Schöne, was wir zusammen erlebt haben.“
Ich zeige auf das Grab. „Und dort liegt ihr Mann jetzt?“
„Ja, schon seit sieben Jahren. Aber wir hatten 35 gute Jahre zusammen, dafür bin ich dankbar.“
Vielleicht hat diese Frau auch schon etwas von Hesses Weisheit, denke ich mir. Beim Aufstehen verzieht sie kurz das Gesicht: „Au, das tut gemein weh!“ Aber schnell fasst sie sich wieder und bedankt sich für unser Gespräch.

Die Diagnose

Anfang Mai treffe ich Frau Weidinger wieder.
„Wie war’s in Oberammergau?“, frage ich.
Ein Strahlen geht über ihr Gesicht. „Ganz wunderbar. Die Anwendungen haben sehr gut gewirkt. Jetzt habe ich kaum noch Schmerzen und kann mich wieder ganz meinem Garten widmen.“
Frau Weidinger erzählt mir von ihrem großen Garten, der ihr ganzer Stolz ist und den sie mit Hingabe hegt und pflegt.
„Gerade jetzt, wo alles anfängt zu blühen, ist es dort wunderschön. Jasmin, Pfingstrosen und Flieder – der betörende Duft des Frühsommers. Da muss es einem doch gutgehen!“
„Sie sind ja eine richtige Lebenskünstlerin, Frau Weidinger. So heiter und zufrieden – trotz ihres Rheumas. Ich weiß nicht, ob ich so gut damit umgehen könnte?“
„Oh, das musste ich auch erst lernen. Als ich beim Klavierspielen merkte, dass meine Finger immer unbeweglicher wurden und mir ständig Sachen aus der Hand fielen, bin ich richtig in Panik geraten. Als ich dann die Diagnose bekam, ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich war wütend und verzweifelt und habe erst mal versucht, die Krankheit zu verdrängen. Natürlich ohne Erfolg. Nichts war mehr wie vorher. Bis dahin gingen mir die Inventionen von Bach leicht von der Hand – jetzt verhaspelte ich mich schon in den ersten Takten. Ich habe die Noten wütend in die Ecke geknallt.“
Frau Weidinger richtig wütend? Gar nicht so einfach, mir das vorzustellen, so heiter und gelassen wie ich sie hier erlebe.

Das Dankbarkeitstagebuch

„Was hat Ihnen damals geholfen, die Krankheit zu akzeptieren?“, frage ich.
„Vor allem mein Mann. Er hat meinen Blick ganz gezielt auf das gelenkt, was auch jetzt trotz aller Einschränkungen noch geht: ,Du liebst deine Bücher, an denen kannst du dich weiter erfreuen. Du liebst dein Klavier; wenn es jetzt mit dem Spielen zu schwierig ist, lass andere für dich spielen! Wir fahren gerne in die Berge – auch das können wir weiter tun. Und wir haben diesen zauberhaften Garten, wo wir im Sommer unter dem blühenden Lindenbaum sitzen und in den Abendhimmel schauen können. So viel Schönes, das unser Leben lebenswert macht …‘
Und dann habe ich festgestellt: Ja, man kann Zufriedenheit trainieren. Sie werden lachen: Ich habe mir damals ein Dankbarkeitstagebuch angelegt. Da trage ich jeden Tag drei Dinge ein, für die ich dankbar bin: die Begegnung mit einer Freundin, das Telefonat mit meiner Tochter, der duftende Fliederbusch, der Gesang der Nachtigall. Da merkte ich sehr schnell: Was tut mir gut und was nicht? Und auch: Wer tut mir gut und wer nicht?“
„Und was schreiben Sie in Ihr Buch, wenn schlimme Schmerzen Sie plagen?“, frage ich.
„Scheißtag – aber auch der geht vorbei!“ Wir lachen.

Dem Leben vertrauen

„Wissen Sie, ich habe gelernt, dass auch die Schmerzen zu meinem Leben gehören. Aber ich konnte eben auch erfahren, dass man lernen kann, mit ihnen umzugehen. Und nicht zuletzt, dass es gute Medikamente gibt, die helfen können. Ich wünsche mir kein anderes Leben – ich vertraue dem Leben, so wie es ist. Auch da halte ich es mit Hermann Hesse: Er hat mal gesagt, der Mensch solle sich überhaupt nichts wünschen, nichts als einen reinen, wachsamen Sinn, ein tapferes Herz und die Treue und Klugheit der Geduld, um damit so Glück wie Leiden, so Lärm wie Stille zu ertragen.“
„Das hat er aber schön gesagt! Und noch bemerkenswerter finde ich, dass Sie das mit Leben füllen können. Ich glaube, ich kann noch viel von Ihnen lernen!“
„Jetzt machen Sie mich verlegen. Ich habe schon auch Tage, wo es mir einfach nur reicht. Aber dann sage ich mir: Das Leben hat mich bis hierhin getragen, es wird auch weiter für mich sorgen.“
„Großartig! Diesen Satz werde ich mir einrahmen.“
Lachend verabschieden wir uns.
Ich nehme mir vor, Frau Weidinger bei unserem nächsten Treffen von Osho zu erzählen. Denn sie scheint genau das zu leben, was Osho mal in einem bemerkenswerten Dialog zu einem englischen Sannyasin (Samarpan) sagte, der unter Knochenkrebs litt:
„Durch Schmerz transzendiert man, niemals durch Vergnügen … Wenn alles gut läuft, wen stört es? … Wenn du den Schmerz akzeptierst, wenn du ihn nicht leugnest, wenn du keine Angst davor hast, wenn du ihn als Teil des Lebens urteilslos akzeptierst, ohne zu wissen, ob er gut oder schlecht ist … Sobald du die Wirklichkeit davon akzeptierst, fängst du an zu transzendieren, du wirst wacher, wirst mehr ein Zeuge.“ Osho.

ishu.ml@gmx.net

Im September erscheint das neue Buch von Ishu: Michael Lohmann, Jens Ulrich Rüffer, „Wenn eine Begegnung alles verändert – Ärztinnen und Ärzte erzählen“ Ärzte erzählen von Patienten, die ihr Leben verändert haben. ATP-Verlag

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