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20. September

"Fridays for Future" und spirituelle Sucher kommen zusammen

Text: Isha

Es ist noch nicht mal ein ganzes Jahr her, da begab sich ein 15-jähriges, eher schmächtiges schwedisches Mädchen mit einem selbstbemalten Plakat während der Schulzeit vor den schwedischen Reichstag, um ab jetzt täglich gegen den immer schneller fortschreitenden Klimawandel zu streiken. Staunenden Passanten antwortete sie: "Ich mache das, weil ihr Erwachsene auf meine Zukunft scheißt."

Klimawandel an erster Stelle

Greta Thunberg ist in ihrer Wortwahl provozierend, angriffslustig, sie achtet keine Autoritäten und ist, wenn es um den Klimaschutz geht, kompromisslos.
Wer in ihren gerade veröffentlichten Reden blättert und das von ihr und ihrer Familie veröffentlichte Buch "Szenen aus dem Herzen: Unser Leben für das Klima" liest, wird verblüfft sein, wie differenziert und umfassend ihre Kenntnisse bezüglich des Klimawandels sind. Wie konnte eine Jugendliche, die als Kind starke anorektische Symptome aufwies, ein stilles Mädchen war, das ob ihres besonderen Auftretens gemobbt wurde und bei der im Kindesalter das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, eine weltweite Klimaschutz-Bewegung lostreten, die letztlich sogar das jahrelang vorherrschende Flüchtlingsthema in den Hintergrund gedrängt hat?
Ohne Greta Thunberg wäre das Thema Klimawandel nicht an die erste Stelle der relevanten Themen in Deutschland – und weltweit – getreten, ohne sie würden die Grünen immer noch bei neun bis zehn Prozent dümpeln und hätte ein Rezo niemals sein CDU-Vernichtungsvideo veröffentlicht.

Gehandelt werden muss JETZT!

Mittlerweile treiben die SchülerInnen die Parteien in Deutschland vor sich her und verlangen von der Politik statt Sonntagsreden endlich tatsächliche und wirksame Klimaschutzaktivitäten.
Doch was halten wir Meditierer von dieser Bewegung? Stehen wir, die wir uns auf den Weg der Selbsterkenntnis gemacht haben, nicht über solch weltlichen Aktionen? Uns liegt natürlich das Wohl des Planeten ebenso am Herzen, aber der dreiwöchige Flug in das Ayurveda-Paradies Sri Lanka muss schon noch drin sein. Fühlen wir uns angesprochen, wenn Greta Thunberg im Juni bei der Verleihung der Goldenen Kamera die anwesenden Film- und Popsternchen mit folgenden Sätzen konfrontiert: "Dies ist eine Welt, in der Prominente und Popstars, die sich gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten auflehnen, sich nicht für Umwelt- und Klimagerechtigkeit engagieren, weil sie dann nicht mehr um die Welt fliegen könnten, um ihre Lieblingsrestaurants, Strände und Yogaseminare zu besuchen."
Tatsächlich sagen alle, nicht von Lobbyisten eingekauften Klimaforscher weltweit, dass uns vielleicht noch gut zehn Jahre bleiben, um den durch den atmosphärischen CO2-Anstieg verursachten Temperaturanstieg auf 1,5° C zu beschränken. Gehandelt werden muss also jetzt, weil nicht mehr aufzuhaltende Kettenreaktionen dann einsetzen würden, die das Abschmelzen der Polkappen, Klimakatastrophen, Flüchtlingsbewegungen nicht gekannten Ausmaßes und Territoriumskriege zur Folge hätten. "Fridays for Future" ist diesbezüglich die hoffnungsvollste Klimaschutzbewegung der letzten Jahrzehnte und hat die Unterstützung von uns allen nicht nur aus zwischenmenschlichen, sondern auch ganz egoistischen Gründen verdient.

Statt dreimal nur noch einmal

Lange Zeit herrschte das Gefühl vor, der Einzelne sei machtlos, und wenn Einzelne anfangen ökologisch zu handeln, bewirke das gar nichts. Greta Thunberg beweist das Gegenteil. Es müssen nicht 100 Prozent aller Fliegenden das Fliegen einstellen, damit endlich auch hier CO2-freie Motoren entwickelt und eingesetzt werden. Es reicht, wenn drei bis fünf Prozent der Lufthansa-Passagiere aus Klimaschutzgründen auf das Fliegen verzichten, weil dieser Einbruch, wie in Schweden und Norwegen gesehen, ein Umdenken an der Lobbyisten-Politik vorbei in den Konzernen in Gang setzt.
Also liebe spirituelle (Viel-)Flieger: Wenn wir uns die nächsten fünf bis sieben Jahre diesbezüglich einschränken, kann Entscheidendes bewegt werden. Übrigens sind die Wähler der Grünen jene mit dem größten Umweltbewusstsein. Gleichzeitig sind diese erwiesenermaßen aber auch diejenigen, die pro Jahr am meisten fliegen und somit den schlimmsten ökologischen Fußabdruck fabrizieren. Oder wie Greta Thunberg es bildhaft ausdrückt: Ein Flug von Stockholm nach Lissabon und wieder zurück, und 20 Jahre Mülltrennung im Haushalt sind in die Tonne getreten. Diese vermeintliche Hiobsbotschaft kann sich aber schnell ins Positive verkehren, wenn diese grünen "Klimabewussten" einfach das Fliegen einstellen oder statt dreimal im Jahr vielleicht nur noch einmal fliegen. Hier in der Mittel- und Oberschicht liegt tatsächlich das große Einsparpotenzial. Nicht bei der Masse der Ärmsten in Deutschland.

scholl-h@gmx.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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