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Klimawandel?

Von bitteren Wahrheiten und dem Aufwachen aus der kollektiven Trance

Text: Ramateertha

Was für eine Rede hält Greta Thunberg vor der UNO! Jeder, der diese Rede gesehen hat, wird Zeuge eines unglaublichen Vorgangs:
Da spricht ein 16-jähriges Mädchen zu den Mächtigen der Erde und haut ihnen die bittere Wahrheit um die Ohren oder – besser noch – um ihre Herzen. Sie tut das mit klaren Worten, die sie leidenschaftlich mit Tränen in den Augen und dennoch zorniger Empörung vorträgt:
"Sie haben mir meine Träume gestohlen – meine Kindheit – mit ihren leeren Worten."
Spürbar wird an ihrem Gesicht, ihrer Sprache und Gestik die Wut und Trauer um den Verlust. Einige der Zuhörer geben Laute der Zustimmung, einige klatschen Beifall. Doch es geht Greta nicht um Beifall, es geht ihr darum, Betroffenheit auszudrücken und diese Betroffenheit in anderen zu wecken, damit – endlich – etwas geschieht.
Sie sagt: "Menschen leiden; Menschen sterben; ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Beginn einer massiven Auslöschung von Arten und alles, worüber sie reden können, ist Geld und das Märchen von ewigem Wachstum. Wie können sie es wagen!"

Die Kindheit ist vorbei

Als ich 15 oder 16 Jahre alt war – also im gleichen Alter wie Greta –, wurde ich durch einen Schulwechsel in der neuen Schule im Unterricht durch Filme mit einer anderen, bitteren Wirklichkeit der deutschen Vergangenheit konfrontiert: Die Bilder von den zu Skeletten abgemagerten KZ-Insassen, die Berge von Schuhen der Ermordeten, die großen Augen in den ausgemergelten Gesichtern derer, die schließlich am Ende des Krieges aus den KZs befreit wurden, die Szenen der Demütigung anderer Menschen, das fanatische Geschrei der Propaganda. All das traf mich wie ein Hammerschlag. Meine Kindheit endete in diesem Moment.

Fassungslosigkeit

Zutiefst erschüttert löste diese Krise in mir eine Konfrontation aus:
Im Gegensatz zu Greta wurde ich nicht wütend oder traurig; ich war eher wie gelähmt durch Schuld und Scham. In mir blieb nur eine bohrende Frage: Wie ist so etwas möglich? Wie kann der Mensch so etwas einem anderen Menschen antun?
Diese Fassungslosigkeit riss mich aus meinen Kinderträumen, so wie die Bilder der leidenden, sterbenden Menschen, der untergehenden Ökosysteme Greta Thunberg aus ihren Kinderträumen reißt.
Die Unschuld des Kindes ist seine größte Ressource und irgendwann lässt es sich nicht vermeiden, dass sie verloren geht. Aber gerade in diesem schmerzlichen Verlust liegt die große Chance, aufzuwachen aus der Trance, der kollektiven Trance, die uns wie Lemminge an den Rand unserer Existenz, in den kollektiven Selbstmord führt.

Die Wissenschaft des Inneren

Greta beruft sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft, die seit über 30 Jahren uns aufzeigt, dass wir dabei sind, diesen Globus vor die Wand zu fahren. Sie fordert, dass wir uns alle hinter der Wissenschaft zusammenfinden, um – endlich! – gemeinsam zu handeln.
Sie ist sich dabei jedoch nicht bewusst, dass es eine andere Wissenschaft gibt, die in diesem Kontext von noch größerer Bedeutung ist. Es ist eine Wissenschaft, die sich mit den Mechanismen beschäftigt, die zu solch gigantischen Auswüchsen irratonalen Verhaltens und Handelns führt – eine Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, was sich im ­Inneren der Menschen abspielt.
Osho nennt sie die "Wissenschaft des Inneren" (the science of the inner). Diese Wissenschaft beschreibt, dass der Wunsch nach "mehr" in der Natur unseres Denkens liegt. Im Denken sehen wir immer eine Zukunft vor uns: mehr Geld, mehr … mehr … mehr … – oder die Angst vor dem Verlust dessen, was wir "haben".
So lange wir in diesem Denken verhaftet sind oder – anders ausgedrückt – damit identifiziert sind, wird dieses Denken unser Handeln bestimmen und wir werden nicht in der Lage sein, den Klimawandel aufzuhalten.

Das Individuum ist gefragt

In der inneren Welt ist ein Klimawandel notwendig: von einem Klima einer alles beherrschenden Gier hin zu einem Klima, in dem der/die andere nicht zum Objekt gemacht wird, das für die Durchsetzung der eigenen Interessen und Bedürfnisse benutzt wird oder sich auch benutzen lässt – zu einem Klima, in dem ein Wissen darum besteht, dass diese Erde, ja dieses ganze Universum eine Einheit darstellt, in dem alles seinen Platz hat.
Es mag sein, dass weitere, größere Katastrophen notwendig sind, um uns die Grenzen unseres unbewussten Handelns aufzuzeigen und wirklichen Wandel herbeizuführen.
Die Religionen werden nicht zur Lösung des Problems beitragen können. Sie sind selbst Teil des Systems bzw. des Problems geworden – eines Systems, in dem es um Macht und Kontrolle geht. Die Organisationen haben sich weit entfernt von der Weisheit derer, die einmal die Quelle der Inspiration waren.

ramateertha@netcologne.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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