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Editorial

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THEMA

Wege aus dem Stress

Liebe Freunde,

Stress … sss …
Er lässt uns rennen und keuchen, treibt immer schneller voran. Sein Versprechen: "Du kannst es schaffen! Mit etwas mehr Anstrengung, Mühe und gutem Willen kannst du dein mickriges Leben verlassen und über dich selbst hinauswachsen. Kannst Höchstleitungen vollbringen. Kannst mehr Geld, Erfolg und Anerkennung erwerben. Dann kommt die Liebe wie von selbst!" Endlich!

Am Anfang macht alles noch Spaß. Doch dann häufen sich die Termine, Ansprüche, Forderungen; sie überschneiden sich, Probleme tauchen auf, eine Krise jagt die andere. Ständig dieses Jonglieren, besser und effizienter sein müssen. Zwanghaft fixiert auf meine Ziele beschleunige ich auf allen Ebenen. In meinen Gedanken tobt die Hölle – Strategien, scharfe Kritik: "Die Ergebnisse könnten besser sein! Da hättest du … Da solltest du … Warum hast du nicht?" Tue ich mir das nicht selbst an, steht garantiert jemand vor meiner Nase, der mir Druck macht oder an dem ich mich messe. Oder die Kollegen stellen sich quer. Oder, oder, oder … Überall Stressoren, überall Feinde. Der überfüllte Terminkalender wird zu meinem Leben. Keine Lücken, kein Ausatmen. Trotz äußerer Dickfelligkeit werde ich emotional immer dünnhäutiger. Ständig bleib ich hinter meinem Soll zurück. Bis irgendwann nichts mehr geht. Ressourcen, Lebensmut und Zuversicht sind erschöpft. Ausgebrannt. Burnout.

Chronische körperliche Anstrengung und Selbstausbeutung macht psychisch krank und schädigt auf Dauer die Organe. Einschließlich der zentralnervösen Strukturen in unserem Gehirn, wo noch neue Nervenzellen wachsen können; und erwiesenermaßen spielt das Gehirn ja eine Schlüsselrolle. Wieso ist Burnout eigentlich immer noch nicht als Krankheit anerkannt, sondern lediglich als "ein Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigt"?

So wie wir’s mit uns selber halten, so halten wir es auch mit der Erde, deren Ressourcen wir rücksichtslos, fahrlässig, pausenlos und unbewusst ausbeuten. Infolgedessen sind Klimawandel und Umweltzerstörung die größten Herausforderungen unserer Zeit. Wir aber weigern uns, sie als Warnzeichen eines drohenden Burnouts anzuerkennen, der eine grundsätzliche Änderung unserer Lebensführung verlangt.

Burnout heißt "Stopp!" Es geht nicht mehr! Dieser Stopp konfrontiert mich mit der grundsätzlichen Alternative: Leben oder Sterben? Was also will ich? Sterben kann ich jederzeit und werde ich sowieso. Leben heißt Verantwortung zu übernehmen für meine innere Haltung und das daraus resultierende Tun. Vieles ist wie es ist und vieles ist anders als es erscheint. Und … was wirklich ist, kann ich nicht wissen. Doch meine Haltung ist meine Sache. Ich kann sie ändern, kann lernen, das Leben zu bejahen, zu akzeptieren und zu lieben.

Meditation ist ein gesunder Stopp! Sie beendet meine automatische Hyperaktivität und öffnet mich für eine natürliche Lebensweise. Ich ­halte inne, atme durch, entspanne mich, beobachte und bin einfach nur da. Im Sein statt im Tun. Die Handlungen, die daraus hervorgehen, ­dienen dem Leben.

So tun sich immer öfter Lücken auf. Trotz anfänglicher ­Widerstände, Leere und Langeweile komme ich langsam in mir an und entwickle ein Gespür für ein vollständiges, echtes Dasein, das alles umfasst: das Leben, die Liebe und den Tod.

Stopp! … Rein ins Sein …

Anandi

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