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Editorial

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Liebe in Krisenzeiten?

Liebe Freunde,

Der Mai – alles sprießt und zwitschert und duftet. Die Natur freut sich, dass es wieder losgeht. Der Mensch zaudert noch.
Er ist viel leiser als sonst. Corona bescherte unserem Treiben einen weltweiten Stillstand. Die Menschen warten und hoffen im verordneten Social Distancing auf einen gesunden Neuanfang. Der eine findet es wunderbar und genießt die Ruhe, dem anderen macht die gegenwärtige Ungewissheit eine Riesenangst. Tod, Hilflosigkeit und Unsicherheit – allen wird ihre Sterblichkeit und Zerbrechlichkeit bewusst: Es kann jederzeit, von heute auf morgen vorbei sein.
Es ist definitiv eine Krise, ein akuter Höhepunkt, ein Wendepunkt. Er wird unseren bisherigen Lebenswandel grundlegend infrage stellen und – hoffentlich – verändern. Denn so, wie bisher, geht es nicht mehr. Nur: Wie soll es weitergehen?
Die Pause hat viel Gutes, die Natur erholt sich. Man schlendert wieder, atmet durch und kommt zur Besinnung. Im positiven Sinne schafft die verordnete Isolation Raum für wesentliche Fragen: "Wer bin ich? Was liegt mir wirklich am Herzen, wie finde ich zu mehr Einklang und Harmonie?" Und tiefer­gehend: "Woher eigentlich kommen diese ständigen Zweifel, Ängste und Konflikte, die mich von all dem, was um mich her und in mir geschieht, abspalten und isolieren?" Diese unablässige Spaltung geschieht sowohl in meinem Inneren als auch im Zusammenleben mit anderen. Kann es da überhaupt ein gemeinsames Wir geben oder sind wir lauter zersplitterte Einzelwesen, die ständig "Ich zuerst!" schreien und nur ihre Eigeninteressen durchboxen wollen?
Osho bezeichnet das Leben, die Liebe und den Tod als unsere wesentlichsten Lebenserfahrungen. In dieser Dreieinigkeit nimmt die Liebe eine zentrale Stellung ein: Sie verbindet Leben und Tod, ist Leben und Tod zugleich. Wie wahr: Man lebt durch die Liebe auf und das Ego stirbt dahin. Wenn nicht, geht die Hölle los!
Deshalb kommen wir nicht umhin, uns stets wieder der Liebe zuzuwenden. Sie hebt uns über die Zeit hinaus und gibt uns einen Geschmack von Vertrauen in die Unsterblichkeit. Mir macht sie klar, was wirklich wichtig ist. Und das erhöht mein Leben, alles wird von Grund auf anders.
Die Liebe vereint, aus zwei wird eins: ­Deine Bedürfnisse werden zu meinen ­Bedürfnissen, hast du Schmerzen, spür ich sie auch, und wenn du dich freust, freue ich mich mit.
Das heißt Liebe. Sie hat viele Facetten und hilft mir durch ein Gegenüber mich selbst zu entdecken, mich selbst anzunehmen und so zu sein wie ich bin. Sie lehrt mich das Geben aus reinem Glück heraus und befreit mich aus dem Gefängnis meines Verstandes. Ich habe sie nicht verdient und kann sie mir auch nicht verdienen, doch kaum lasse ich mich auf sie ein und mache sie zum Mittelpunkt meines Lebens, führt sie mich in die Freiheit. Immer aufs Neue!

Osho sagt: "Wenn du so lebst, wie ich es ­lehre, wird vieles aus deinem Leben verschwinden. Allem voran die Sicherheit – die etwas Verlogenes ist. Mit Sannyas verschwindet nur Unechtes, nichts Wirkliches: Das Wirkliche stellt sich nach und nach ein. Die Sicherheit wird verschwinden. Die Ehe wird verschwinden. Die Liebe wird bleiben; die Liebe ist wirklich."

Viel Spaß beim Lesen!

Anandi

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