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Editorial

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THEMA

Welcome to Paradise – Schöner Schein oder echtes Sein?

Liebe Freunde,

"Welcome to Paradise" – welch unverhoffte Einladung! Ein Ehrenbesuch in Gottes königlichem Garten. Hier brauche ich mich um nichts zu kümmern – darf einfach nur lustwandeln, das Leben preisen und mit Gott zusammen sein. Höhepunkt meines Lebens! Nur seltsam: Kaum mache ich mich auf den Weg, rückt der himmlische Garten in unerreichbare Fernen.
Dank meiner unstillbaren Sehnsucht nach göttlicher Existenz schaffe ich es bis vor das himmlische Gartentor. Spätestens hier setzen Zweifel ein: "Bin ich überhaupt würdig bei all meinen Mängeln und meiner Nichtigkeit? Wird Gott mich so wie ich bin akzeptieren?" Oder auch: "Du selbst wirst das Göttliche gar nicht erkennen können, denn du hast keine unschuldigen Augen mehr."
Makel über Makel, die uns Irdische von der göttlichen Liebe trennen. Und doch winkt das großartige Versprechen, da könne sich etwas machen lassen. Mit ein bisschen mehr Anstrengung könne man seine Fehler beseitigen und bis dahin zumindest sein Erscheinungsbild aufbessern.
Diese tiefe Scham über unsere Schwächen erweist sich für Religionen, Politik und Medien als äußerst lukrativ: So bekommen sie uns in ihre Gewalt, und wenn sie ihre Felle davonschwimmen sehen, schüren sie Angst und Endzeitstimmung.
Dem kann man sich schwer entziehen. Die Ängste vor gesellschaftlicher Ächtung, vor Krankheit, Einsamkeit, Leere und Tod stecken tief in uns. Und schon will man mithalten. Das Irre ist nur: Unsere Machthaber setzen uns ständig neue Gebote und Ideale vor die Nase. Heute ein Makel, morgen erstrebenswert! Und umgekehrt.
Will nicht jeder im Grunde sein ersehntes Wunschbild verwirklichen? Osho gibt zur kathartischen Phase in der Dynamischen folgenden Tipp: "Spiele erst mal Theater, bis sich das zeigt, was wirklich da ist." Also erst mal so tun als ob, und dann kommt das Echte schon von selbst! Auch das Ego könnte ja auf diesem Weg verloren gehen. Manch ein spiritueller Sucher übt sich darin und entwickelt fantastisches Blendwerk. Den Versuch ist es schließlich wert. Nur Theater ist nicht gleich Wirklichkeit. Irgendwann landet man wieder auf dem Boden der Tatsachen. Und das tut dann weh.
Die Erkenntnis, dass der Tod unausweichlich ist, macht einfach Angst, für immer vom Göttlichen getrennt zu werden. Doch da wird es unscharf: Das Göttliche hat mich doch erschaffen! Also muss etwas davon noch in mir stecken!
Hier setzt Osho an: Alles, was in diesem Augenblick, hier und jetzt da ist – Leben, ­Liebe, Tod, einfach alles – ist göttlich. Nur unser Verstand kann das nicht fassen und ­verdirbt alles, verklärt die Vergangenheit und glorifiziert die Zukunft. Das JETZT existiert nicht für ihn, denn er kann JETZT nicht existieren. Wir aber können das, wir brauchen nur nicht auf ihn zu hören.
Osho: "Sannyas bedeutet, im Sein zu leben, in diesem Moment, heute, jetzt zu leben. Und dann stellt sich ein vollkommen anderes Leben ein. Wenn ihr euer Heute bis ins Letzte ekstatisch ausgekostet habt, wird sich das Morgen daraus ergeben; wo kann es denn sonst auch herkommen? Und wenn euer Heute ekstatisch ist, wird euer Morgen erst recht genussvoll, ekstatisch sein – wird es das Heute fortsetzen."

Viel Spaß beim Lesen!

Anandi

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