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Osho Diskurs

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Der neue Mensch: das Manifest einer vereinten Menschheit

Frage an Osho:
Es ist so berührend, wenn du vom neuen Menschen sprichst. Als du vor Jahren erstmals davon sprachst, verstand ich darunter: "Eine interessante Vorstellung, eine faszinierende Möglichkeit!" Neuerdings jedoch beschleicht mich das Gefühl, diesen neuen Menschen, diesen neuen Menschenschlag zu kennen und ich weiß ihn durchaus zu schätzen. Es kommt mir anmaßend vor, die Worte, die ich dich habe sagen hören, zu wiederholen: "Ich gehe schwanger mit dem neuen Menschen." Aber genau das ist tatsächlich mein Gefühl, nicht nur, was mich selbst, sondern all deine Leute angeht. Was ist unsere Beziehung zum neuen Menschen?

Maneesha, der neue Mensch umfasst meine ganze Philosophie vom Leben und wie es sein sollte – ein rückhaltlos, mit Intensität, ein in Einklang gelebtes Leben, sodass wir uns nicht nur von der Wiege bis zum Grabe dahinschleppen, sondern jeden Augenblick zu einem Freudenfest machen können – zu einem Lied, einem Tanz, einer Feier.
Der alte Mensch, der bisher existiert hat, liegt im Sterben. Er hat viel gelitten; er hat unser ganzes Mitleid verdient. Er ist dazu abgerichtet worden, in Elend, in Leid, in Selbstquälerei zu leben. Man hat ihm Versprechungen gegeben: Gutscheine für herrliche Belohnungen nach dem Tod – je mehr er leidet, je mehr er sich quält, je masochistischer er ist, je mehr er seine eigene Würde mit Füßen tritt, desto mehr werde er belohnt werden.
Das machte es all den Machtgeiern ausgesprochen bequem, denn wer bereit ist zu leiden, lässt sich ohne weiteres versklaven. Wer bereit ist, das Heute einem unbekannten Morgen aufzuopfern, hat bereits seine Neigung erklärt, versklavt zu werden. Die Zukunft wird zu seiner Gefangenschaft. Und seit Jahrtausenden hat der Mensch nur in der Hoffnung, in der Fantasie, in Träumen, in Utopien gelebt, nur nicht in der Realität. Und es gibt kein anderes Leben als das wirkliche Leben, als das Leben, das in diesem Augenblick existiert.
Der neue Mensch ist eine Rebellion, eine Revolte, eine Auflehnung gegen all die Prägungen, die ihn versklaven, ihn unterdrücken, ihn ausbeuten, einfach indem man ihm Hoffnung macht auf einen fiktiven Himmel und ihn mit einem weiteren Phantom erpresst: der Hölle. All die alten Lebensweisen waren sich seltsamerweise in einem Punkt einig: dass der Mensch ein Wesen ist, das sich zu Füßen eines fiktiven Gottes zu opfern hat.
Es gab Zeiten, da Menschen tatsächlich lebendig geopfert wurden – geschlachtet vor Götzen aus Stein. Auch wenn keiner heutzutage so etwas mehr wagt, hat sich die Situation psychologisch nicht geändert. Der Mensch wird immer noch geopfert – sei es im Namen des Kommunismus oder im Namen des Kapitalismus, sei es im Namen der arischen Rasse, im Namen des Islam, im Namen des Christentums oder im Namen des Hinduismus. Anstelle der steinernen Götzen gibt es nun nichtssagende, sinnlose Wörter. Doch der Mensch hat sich damit abgefunden, so zu leben, und zwar aus keinem anderen Grund, als dass jedes Kind in eine Masse hineingeboren wird, die bereits geprägt ist. Seine Lehrer sind geprägt, seine Eltern sind geprägt, seine Nachbarn sind geprägt; und das winzige Kind ist praktisch hilflos – es kann sich keine andere Alternative vorstellen, als der Masse anzugehören.
Der alte Mensch war eine Masse, ein Rädchen im Getriebe; der alte Mensch besaß keine Individualität. Die Machtgeier hatten wohlüberlegt eure Selbstachtung zerstört, eure Würde, jegliche Freude und Dankbarkeit dafür, dass ihr ein Mensch seid, dass ihr das höchste Geschöpf seid auf dem langen, langen Weg der Evolution … dass ihr die herrliche Krone der Schöpfung seid.
Dies waren gefährliche Vorstellungen. Jemanden, der sich selbst zu achten vermag, der sich der Würde, ein Mensch zu sein, einigermaßen bewusst ist, den kann man nicht zu einem Sklaven degradieren. Dessen Seele kann man nicht zerstören und zu einem Roboter machen. Bislang hat der Mensch nur zu leben vorgetäuscht – er hat nur hypothetisch gelebt.
Der neue Mensch ist eine Revolte gegen die gesamte Vergangenheit.
Er kündigt an, dass wir eine neue Lebensweise, neue Lebenswerte kreieren werden; dass uns neue Ziele bestimmt sind – entfernteste Sterne sind unser Ziel. Und wir werden nicht zulassen, dass irgendwer uns irgendeinem Euphemismus aufopfert. Wir werden keinen Idealen nacheifern, sondern uns von unserer eigenen Sehnsucht, unserer eigenen leidenschaftlichen Intuition leiten lassen. Und wir werden von Moment zu Moment leben; wir werden uns nicht mehr von "Morgen!" und Zukunftsverheißungen zum Narren halten lassen.
Der neue Mensch birgt die gesamte Zukunft der Menschheit. Der alte Mensch muss zwangsläufig sterben. Er hat sich sein eigenes Grab geschaufelt – er hebt es immerzu aus, tiefer und tiefer. Was macht Ronald Reagan denn? Er gräbt der Menschheit ihr Grab, so tief wie möglich. Offenbar fürchten sich diese Leute sogar vor Toten – wer weiß, wenn das Grab nicht tief genug ist, könnten sie wiederkommen, lebendig zurückkehren!
Atomwaffen und der ganze Vernichtungsapparat sind die Vorbereitung auf einen globalen Selbstmord. Der alte Mensch hat beschlossen zu sterben. Bevor er auch die intelligenten Menschen auf der Welt zerstört, solltet ihr euch schleunigst vom alten Menschen abwenden, euch von alten Traditionen, alten Religionen, alten Nationen, alten Ideologien trennen.
Zum ersten Mal ist das Alte nicht länger Gold. Das Alte ist die verweste Leiche einer abstoßenden Vergangenheit. Es ist eine große Verantwortung der neuen Generation, der jungen Menschen, der Vergangenheit zu entsagen.
Früher bestanden die Religionen darauf, der Welt zu entsagen. Ich lehre euch, die Welt zu lieben, auf dass sie gerettet werde, und der Vergangenheit ein für alle Mal zu entsagen, mit ihr zu brechen.
Der neue Mensch ist keine Renovierung des alten; er setzt ihn nicht fort, veredelt ihn nicht. Der neue Mensch verkündet den Tod des alten und die Geburt eines taufrischen Menschen – ohne Ideologie, ohne Nation, ohne Religion, ohne Diskriminierung von Mann und Frau, Schwarz und Weiß, Ost und West oder Nord und Süd.
Der neue Mensch ist ein Manifest einer vereinten Menschheit. Die Welt hat noch nie eine größere Revolution erlebt.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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