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Osho Diskurs

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Wachst gemeinsam, Hand in Hand!

Frage an Osho:
"Ich möchte Sannyas nehmen, aber meine Frau ist dagegen. Sie denkt, dass ich, sobald ich Sannyasin bin, kein Interesse mehr an ihr haben würde. Ich kann ihre Zweifel nicht widerlegen, da ich noch keine Erfahrung mit Sannyas habe. Kannst du uns bitte helfen?"

Die Frage ist von Pradip J.  Shah. Man muss sie zutiefst verstehen, da sie auf vielen Gründen beruht …
Seine Frau hat Angst, weil das, was man so eine Beziehung nennt, nur auf Besitzansprüchen beruht. Das kommt hier immer wieder vor: Die Frau möchte Sannyas nehmen, ihr Mann ist dagegen; der Mann möchte Sannyas nehmen, die Frau ist dagegen. Nur ganz selten wagt ein Paar einmal gemeinsam den Sprung – und das ist dann der Beweis, dass sie sich wirklich lieben.
Ihr fehlt etwas, daher die Angst. Deine Frau hat Angst, dass Sannyas ein neues Interesse in deinem Leben sein wird. Wer weiß? Vielleicht verlierst du ja dann dein Interesse an ihr?! Zumindest würde es nachlassen, weil dann zwei Inter­essen konkurrieren. Aber deine Frau ist misstrauisch, da sie im Grunde eifersüchtig ist und Angst hat. Sie ist sich ihrer Liebe nicht gewiss, ihre Liebe ist auf Sand gebaut, ist bröckelig.
Wenn sie dich wirklich liebt, würde sie dir Freiheit gewähren. Liebe gewährt stets Freiheit – die Freiheit, du selbst zu sein, was immer das auch sein mag. Es spielt keine Rolle, ob du ein Dichter werden willst oder ein Maler … oder ein Vagabund oder ein Sannyasin werden willst – Liebe gewährt Freiheit, Liebe vertraut. Deine Frau hat kein Vertrauen in dich, sie ist ängstlich. Die Angst kommt auf, wenn die Liebe nicht rückhaltlos ist. Andernfalls wäre ihre Angst unmöglich. Und wenn sie sich hier umschaut … deine Frau hat schließlich Augen im Kopf und kann sehen, dass es keine liebevolleren Menschen auf der ganzen Welt gibt als meine Leute. Sieh dir meine Sannyasins an – sie sind nicht gegen die Liebe, sind nicht lebensfeindlich. Die Liebe ist für mich das Allerhöchste.
Die Angst deiner Frau wäre berechtigt, wenn du ein traditioneller Sannyasin werden wolltest – wenn du ein buddhistischer oder katholischer Mönch oder hinduistischer Sannyasin oder dschainistischer Mönch werden wolltest. Wenn du so einer werden wolltest, wäre die Angst deiner Frau berechtigt. Doch was mich und meine Sannyasins betrifft, ist ihre Angst absurd.
Aber meinem Gefühl nach ist die wirkliche Angst deiner Frau, dass du liebevoller werden könntest. Vielleicht fängst du dann an, auch noch andere zu lieben – denn das ich stelle euch frei. Sie möchte dich in der Hand behalten; sie fürchtet sich vor all der Liebesenergie hier. Wovor sie wirklich Angst hat, ist nicht Sannyas, sondern all die Liebesenergie, die hier freigesetzt wird. Sie hat Angst vor der liebevollen Atmosphäre, die hier herrscht. Sie hat Angst vor Freiheit.
Statt dich jedoch daran zu hindern, Sannyasin zu werden, sollte sie sich bemühen, mehr von Liebe zu verstehen. Das würde sie bereichern. Ihre Angst sollte sie motivieren, über alles zu meditieren, wovor sie Angst hat, warum sie nicht vertrauen kann. Liebe vertraut stets. Nur ein liebloses Herrschen-und-Besitzenwollen macht misstrauisch.
Ich jedenfalls kann dir versichern, dass du liebevoller werden wirst als du je warst. Vielleicht hat sie auch davor Angst. Die Leute vertragen Liebe und Freude nur häppchenweise; alles auf einmal schreckt sie ab. Die Leute haben eine solche Angst vorm Leben … sie leben verkrüppelt. Und klar – du bist halt ein Inder! Indien hat es verlernt zu leben. Seit Jahrhunderten vermag Indien schon nicht mehr zu leben. Es hat vergessen, was Liebe heißt – es kennt nur die Ehe! Liebe ist hier völlig unbekannt.
Die Ehe ist ein Kniff, um Liebe zu verhindern. Die Ehe ist ein Trick, ein legaler Trick, um die Liebe ein für allemal zu verbannen. Man lebt zwar zusammen, lebt komfortabel und angenehm, aber die Gefahr ist gebannt. Liebe ist gefährlich – man weiß nie, wo sie hinfällt. Und Liebe ist sehr flüchtig. Sie ist wie eine Rose – am Morgen war sie noch da, am Abend ist sie vielleicht schon fort. Oder vielleicht auch nicht … aber keiner kann das im Voraus wissen. Die Ehe ist eine Plastikblume. Sie ist beständig, sie ist zuverlässig, sie bleibt da. Sie duftet zwar nicht, sie ist leblos – aber die Leute interessieren sich mehr für Dauer als dafür, zu leben. Und vergiss nicht: Nur der Tod währt ewig – das Leben ist flüchtig. Es ist immer wie eine Welle: Eben war sie noch da, jetzt ist sie weg. Genau wie die Liebe. Die Ehe ist Machwerk, sie ist synthetisch.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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