Einträge: Beiträge | Kommentare

Newsletter

Osho Diskurs

Kommentare deaktiviert für Osho Diskurs

Die alte Welt hat keine Macht mehr weiterzubestehen

Frage an Osho:
"Je mehr der Gesellschaft die Kontrolle über das Denken der Menschen entgleitet, also in gesellschaftlichen Krisenzeiten wie heute, scheinen mehr und mehr Menschen den Verstand zu verlieren und in Wahn zu verfallen. Und ist es wirklich wahr, dass viele Menschen dann gleichzeitig die Möglichkeit in Betracht ziehen, den Verstand hinter sich zu lassen und erleuchtet zu werden?"

Krisenzeiten sind sowohl gefährlich als auch ungeheuer wichtig – gefährlich für alle, denen der Mut fehlt, neue Dimensionen des Lebens zu erforschen. Sie müssen zwangsläufig an irgendeinem Wahnsinn zerbrechen, da sie geistig rein gesellschaftlich ausgerichtet waren. Jetzt, da sich die Gesellschaft auflöst, hat ihr Verstand keinen Bestand mehr; er wurzelte in der Gesellschaft. Er bezieht seine Nahrung ständig aus der Gesellschaft – jetzt wird ihm diese Nahrung entzogen.
Aufgrund der Auflösung der Gesellschaft regt sich in den Einzelnen zwangsläufig ein vorher nie gehegter Verdacht, ein Zweifel. Und wenn sie nur gehorsame Leute waren, die nie eine von der Gesellschaft vorgeschriebene Grenze überschritten haben, die immer nur achtbare, ehrbare Bürger waren – anders gesagt, bloßer Durchschnitt –, werden sie auf der Stelle verrückt. Sie werden sich das Leben nehmen, sie werden von Wolkenkratzern springen … aber selbst wenn sie leben bleiben, sind sie jetzt geistig nicht in der Lage herauszufinden, was die Situation für ihr Leben bedeutet. Sie werden blöde, dumm, idiotisch werden, mögen schizophren werden, sich in zwei Personen spalten – wenn nicht gar in viele.
In Krisenzeiten sind all die in Gefahr, die sich in den Zeiten der gesellschaftlichen Ordnung wohlgefühlt haben, als es noch kein Problem gab, als alles glattlief und sie geehrt und geachtet waren. Dies sind die Leute, deren geistige Unterwerfung sich bezahlt gemacht hatte – und genau die werden zu leiden haben. Es ist eine einfache Rechnung: Sie werden psychotisch werden, sie werden neurotisch werden – und beides bedeutet so ziemlich dasselbe. Hier eine Definition: Auf die Frage "Was ist der Unterschied zwischen einer Neurose und einer Psychose?" hat einmal ein Psychoanalytiker geantwortet: "Der Psychotiker glaubt, dass zwei plus zwei fünf sind. Und der Neurotiker weiß zwar, dass zwei plus zwei vier sind, hat aber ein ungutes Gefühl damit." Das ist also ein äußerst feiner Unterschied. Beide stecken in Schwierigkeiten.
Doch für all jene kühnen Seelen, die seit je auf die Respektierlichkeit der Gesellschaft und ihre Ehrbezeugungen pfeifen, haben Krisenzeiten eine ungeheure Bedeutung. Sie haben sich nie darum geschert, was andere über sie denken, sondern haben immer getan, was sie für richtig hielten und waren in gewisser Weise seit jeher rebellische Individualisten. Für diese Leute sind Krisenzeiten reines Gold; denn jetzt löst sich die Gesellschaft auf. Jetzt kann sie niemanden mehr verdammen – sie ist selber verdammt, verflucht. Sie kann nicht mehr anderen vorhalten, im Irrtum zu sein. Sie hat sich selbst als ein Irrtum entlarvt, und all ihre Weisheit entpuppt sich als bloße Idiotie, als Aberglaube.
Für den wagemutigen Einzelnen kann dies die nützliche Chance sein, seinen Verstand hinter sich zu lassen, denn jetzt kann ihn die Gesellschaft nicht mehr davon abhalten, ihn nicht mehr daran hindern. Jetzt ist er frei. Die Situation ist praktisch so, als wären die Türen eines Gefängnisses offen, die Wachen abgehauen und der Gefängnisdirektor unauffindbar. Wer bei Sinnen ist, noch einen Funken Intelligenz hat, wird sie für seine Freiheit zu nutzen wissen. Die dagegen, die so abgestumpft sind, dass ihnen "Freiheit" nichts mehr sagt – die sich längst im Gefängnis heimisch fühlen –, spüren einfach nur Panik: "Was ist denn heute nur los?! Keine Wachen? Kein Direktor? Die Türen sind offen! Wer soll sich jetzt um uns kümmern? Wer soll uns jetzt etwas zu essen bringen?"
Es wird viele geben, die bis ins Innerste Sklaven geworden sind; diese Leute werden durchdrehen. Diejenigen aber, die ständig von dem Moment geträumt haben, da sie aus dem Gefängnis ausbrechen können, werden überglücklich sein. Hierfür hatten sie gewartet und gebetet. Sie werden im Nu unterm freien Himmel sein! Wer über seinen Verstand hinauswächst, wird sich unter freiem Himmel wiederfinden – voller Sterne, unterm Mond und der Sonne … im unendlichen All. Da wirst du hingehören: Die gesamte Existenz wird dein sein. Der Verstand ist ein enger Käfig. Insofern sind Krisenzeiten beides … und genau das ist es, was derzeit überall auf der Welt vor sich geht. Noch nie hat es eine so fieberhafte Suche gegeben – nach spirituellem Wachstum, nach Meditation. Es hat aber auch noch nie so viel Wahnsinn gegeben. Beides geschieht deswegen, weil die Alte Welt keine Macht mehr hat weiterzubestehen. Sie hat die Kontrolle verloren.

Als Galileo entdeckte, dass die Erde sich um die Sonne dreht – und nicht umgekehrt, wie es in der Bibel steht –, zitierte der Papst ihn zu sich in den Vatikan. Vieles ereignete sich bei dem Treffen, vor allem aber dies – Galileo fragte: "Was macht es schon, wenn eine einzige Behauptung der Bibel widerlegt wird? Damit ist doch noch lange nicht die ganze Bibel widerlegt … Ich bin ein gläubiger Christ, ein praktizierender Christ und ich begreife nicht, was für eine Rolle es spielen soll, wenn mal eine biblische Behauptung widerlegt wird?"
Doch der Papst erwiderte: "In der Tat, du begreifst nicht." – und der Papst hatte recht.
Er fuhr fort: "Wenn eine Behauptung nicht stimmt, dann bekommen wir tausend Probleme. Erstens – dass Gott sich irren kann. Und wenn er einen Irrtum begehen kann, wer soll dann entscheiden, ob alles andere stimmt?" Man braucht nur einen Ziegelstein aus dem Palast herauszubrechen, und schon könnte der ganze Palast einstürzen. "Ich kann nicht zulassen", schloss der Papst, "dass die Bibel auch nur einen einzigen Irrtum enthält."

Sein Argument ist schlüssig. Heutzutage ist nicht nur ein Element des alten Denkens, der alten Gesellschaft verkehrt, sondern so vieles, dass man schon ein Vollidiot sein muss, um weiter an sie zu glauben. Es genügt schon ein Fünkchen Intelligenz, um die Sinnlosigkeit des alten Denkens zu durchschauen. Es hat keine Glaubwürdigkeit mehr – und nicht nur an einer Stelle, sondern überall auf der ganzen Welt. Es gibt vielerlei alte Überlieferungen, aber sie alle sind an einen Punkt gelangt, wo das Meiste davon wissenschaftlich widerlegt worden ist.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

Keine Kommentare mehr möglich.