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Osho Diskurs

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Der Gast kommt wie eine Brise

Frage: "Vor vielen Jahren schien ich meditieren zu können – meine ich. Dann stellte sich immer ein wunderschöner, durchsichtiger Zustand der Stille ein, den ich für Meditation hielt. Jetzt stellt sich gar nichts ein, außer dass die Gedanken rasen. Was ist passiert?"

Prem Veena, so läuft es praktisch immer. Damals, als du das Gefühl hattest, irgendwie zu meditieren, hattest du nicht damit gerechnet, stellte es sich von selbst ein. Jetzt, da du es unbedingt herbeiführen willst, liegt die Sache ganz anders. Alles wahrhaft Wertvolle im Leben geschieht immer von selbst; man kann es nicht herbeiführen, man darf sich nicht einmischen – sei es Meditation, sei es Liebe, sei es Glückseligkeit oder sei es Schweigen.
Alles, was über den Verstand hinausgeht, entzieht sich eurem Einfluss. Euer Aktionsradius beschränkt sich nur auf den Bereich des Verstandes.
Der Verstand ist der Macher, aber euer Sein ist kein Macher. Euer Sein ist nur eine Offenheit, die alles akzeptiert, was geschieht, klaglos, widerstandslos – in reiner Dankbarkeit. Selbst die stammt nicht von euch, selbst die ist Teil des Geschehens. Wir müssen dies klar auseinanderhalten; die meisten verwechseln das praktisch. Etwas fällt euch in den Schoß – etwas dermaßen Schönes, Beseligendes –, sofort sehnt sich der Verstand danach, dass es noch mal geschieht, ja immer öfter geschieht und immer tiefer geht. Sobald sich der Verstand einmischt, stört es alles. Der Verstand ist der Teufel, der Zerstörer.
Man muss also aufpassen wie ein Luchs, dem Verstand nicht zu gestatten, sich in jenseitige Dinge einzumischen. Der Verstand ist ein ausgezeichneter Mechaniker oder Techniker. Gebt dem Verstand, wozu er imstande ist, aber lasst ihn sich nicht in Dinge einmischen, die sich seinem Können entziehen. Das Problematische ist nämlich u. a., dass der Verstand nur aus Wünschen besteht – immer mehr zu wollen. Er kann alles Machbare erledigen – euch ein größeres Haus bauen, mit besseren Möbeln … ihr könnt alles verbessern, das liegt innerhalb der Möglichkeiten des Verstandes.
Jenseits des Verstandes jedoch … der Verstand kann nur wünschen und jeder Wunsch wird enttäuscht werden. Statt euch mehr Meditation zu bescheren, steigert er euren Frust. Anstelle von mehr Liebe steigert er euren Ärger. Anstelle von Schweigen und Frieden, beschleunigt er eure Gedankengänge – und so ergeht es praktisch allen. Das ist also etwas Natürliches, über das man hinauswachsen muss.
Du schreibst: Vor vielen Jahren schien ich meditieren zu können – meine ich. Dann stellte sich immer ein wunderschöner, durchsichtiger Zustand der Stille ein, den ich für Meditation hielt.
Das hattest du weder erwartet noch gewünscht; es war nur wie ein Gast, eine Brise zu dir gekommen, den du aber weder behalten noch herzitieren kannst. Er kommt, wann er will. Und sobald du dies verstehst, lässt du die Finger davon.
Du kennst den Ausdruck "Es wieder und wieder versuchen"; ich empfehle dir, wieder und wieder die Finger davon zu lassen. Sobald du versucht bist, es wieder zu versuchen, lass es sofort sein. Es kann nur schiefgehen, dich frustrieren … Wenn du es aber aufgibst … und das kann jeder, da es nichts bringt. Wieso sollte es also schwerfallen, das Scheitern aufzugeben, mitsamt der Enttäuschung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit?
Eines Tages dann wirst du merken, dass ein Fenster aufgeht und eine frische Brise dein Herz mit neuen Lichtstrahlen erfüllt hat. Mach jetzt nicht wieder denselben Fehler! Sei dankbar für das, was geschehen ist, und bescheide dich damit – und es wird mehr werden. Bitte nicht: "Komm wieder!" – dein Bitten führt nur zum Gegenteil. Es wird wiederkommen. Es wird immer öfter kommen. Nach und nach wird es zu deinem Pulsschlag, ob du wach bist oder schläfst: Es ist immerzu da, es geht nie weg. Aber das liegt nicht an dir. Du kannst dich nicht brüsten: "Das habe ich getan!" Du kannst nur sagen: "Ich habe das Unbekannte gewähren lassen." Dass in unsere kleinen Herzen große Erfahrungen eintreten, verdanken wir nur dem Unbekannten, und wenn wir sie unbedingt herbeiführen wollen, verkrampfen wir uns dermaßen, dass wir sie durch diese Anspannung nur abhalten.
Wenn du dich nicht anstrengst und entspannt bist – du denkst nicht einmal entfernt an Meditation und dergleichen – hörst du auf einmal die Tritte des Unbekannten: Etwas nähert sich dir von nirgendwo. Sieh es staunend an, ohne Verlangen. Sieh es dankbar an, nicht mit Gier.
Du sagst: Jetzt stellt sich gar nichts ein, außer dass die Gedanken rasen. Was ist passiert?
Du kennst jetzt das Unbekannte. Ein kleiner meditativer Vorgeschmack hat deine Gier geweckt. Dein Verlangen, deine Gier hat das ganze Spiel verdorben. Doch das ist kein Beinbruch, das kannst du wiedergutmachen. Du siehst, wie deine Gedanken ständig rasen. Lass sie rasen, tritt einfach beiseite und beobachte sie.
Seine Gedanken einfach nur zu beobachten, ist eines der größten Lebensgeheimnisse. Denn es funktioniert – auch wenn man nicht weiß, wie es funktioniert. Schau einfach nur zu, unbeteiligt, interesselos, so als ob es dich gar nichts anginge, und der Gedankenstrom lichtet sich, das Hin und Her des Verstandes nimmt ab.
Nach und nach tauchen winzige Lücken auf, und durch diese Lücken scheint auf, was du schon kennst. Aber spring es nicht an, werde nicht gierig. Genieß es, es wird wieder weggehen; versuche nicht, dich daran zu klammern. Gedanken werden wieder folgen, und dann wieder eine Lücke, etwas größer diesmal. Nach und nach werden die Lücken immer größer, bis der Verstand ausgeleert ist.
Bei leerem Verstand kann das Jenseits in dich eintreten, aber nur unter der Voraussetzung, dass du dich nicht daran klammerst. Wenn es kommt – gut; wenn nicht – auch gut. Vielleicht bist du noch nicht reif, vielleicht ist es nicht an der Zeit. Sei trotzdem dankbar. Man muss lernen, achtsam und dankbar zu sein. Selbst wenn das, worauf du zuinnerst wartest, nicht eintritt, sei dennoch dankbar. Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit für dich, vielleicht würde es ja deinem Wachstum nicht helfen.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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