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Gemeinsam unterwegs

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Burnout

Von ersten Anzeichen, Ursachen und wo man besser auf sich aufpasst

Text: Shreyas

Das Blöde am Burnout ist, dass man ihn erst erkennt, wenn es schon zu spät ist. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Deshalb möchte ich hier das Wichtigste voranstellen.

Schlafen wird schwierig

Das deutlichste Anzeichen bei mir war die Veränderung meines Schlafes. Eigentlich bin ich Frühaufsteher, lese um 6 Uhr morgens die Zeitung. Plötzlich wachte ich jedoch früher auf, zuerst um 5, dann um 4, dann um 3 Uhr. Konnte ich anfangs noch immer wieder einschlafen, wurde dies mit zunehmender Dauer schwieriger. Mir gingen Dinge durch den Kopf, die mich seelisch belasteten, meist zwischenmenschlicher Natur, aber ich fühlte auch, dass mein Herz nicht zur Ruhe kam. Es schlug etwas aktiver. Durch den fehlenden Schlaf wurde meine Haut am Tag dünner, und der persönliche Stress in Beruf und Privatem wurde auch deswegen immer mehr.
Deshalb sage ich hier einfach: Wenn dir das bekannt vorkommt, dann musst du etwas ändern in deinem Leben. Dann lebst du falsch. Und zwar dringend.

Voller Freude zurück ins ­Hamsterrad

Ich las in der Zeit auch einen Artikel über Burnout, darin stand unter anderem: "Im normalen Leben ist man ja immer wieder gestresst. Abends und am Wochenende kommt man dann runter und der Stress baut sich ab. Ist man komplett unter Stress, dann fährt man 14 Tage in Urlaub, erholt sich und kommt dann gestärkt wieder zurück und begibt sich voller Freude wieder ins Hamsterrad. Das deutlichste Zeichen, dass man bereits Burnout hat, ist die Tatsache, dass nach einem solchen Urlaub diese Erholung nicht mehr eintritt. Die Erholung ist bereits nach ein paar Tagen wieder verblasst. Spätestens dann weißt du, dass du Burnout bereits hast. Leider ist es dann meist zu spät." Deshalb sage ich hier: Wenn das bei dir so ist, begib dich sofort in Behandlung.

So fing es an

Wie die meisten von uns musste ich mein Geld verdienen. Ich gründete Abacus und betreute nach ein paar Jahren 800 Klienten, hatte sechs Mitarbeiter, fünf Termine am Tag, welche für drei Wochen im Voraus ausgebucht waren. 15 Jahre waren das und kompletter Stress. Wenn ich aber um 17 Uhr aus dem Büro ging, dann war die Arbeit für mich tabu. Jedes Jahr fünf Wochen in Urlaub und meine Mitarbeiter wussten meist gar nicht, wo ich bin, meist war ich ja mit dem Rad unterwegs, Handy gab es nicht – und habe ich noch immer nicht. Ich rief nicht ein einziges Mal an. Als ich nach meinem Urlaub zurückkam, hatte ich ein wenig Angst, dass ohne mich vielleicht was schiefgegangen sein könnte. Nie auch nur das Geringste. Ein Schlag fürs Ego – aber er war auszuhalten angesichts der Freiheit, die ich mir gönnte. Dies als Tipp für jene, die denken ohne sie ginge nichts.
Ein weiterer mir wichtiger Punkt waren klare Verhältnisse und eine klare Struktur und daraus folgernd Harmonie in meinem Umfeld. Alle Verantwortlichkeiten standen fest und jeder wusste, was zu tun war. Ich kann mich in den 15 Jahren an so gut wie keinen Streit erinnern. Ich weiß noch, dass einmal zwei Mitarbeiterinnen sich nicht so gut verstanden und anfingen, schlecht bei den anderen übereinander zu sprechen. Ich sagte: "Wenn das nicht aufhört, geht eine oder beide." Sie konnten sich auch später nicht leiden, mit Mobbing war jedoch Schluss. Zwischenmenschlicher Streit und Mobbing sind die weitaus größte Ursache für Burnout, mehr als Überlastung.
Ich finde Stress aufregend und gesund. Es fordert mich und ich muss voll da sein. Das ist schön. Doch Streit und Hader machen krank und unglücklich. Ich weiß, dass es nicht so einfach ist, wenn man abhängig beschäftigt ist. Aber als Chef hast du dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter in Harmonie miteinander sind, sonst kann Burnout das Ergebnis sein. Und bist du angestellt, hast du dafür zu sorgen, dass es sich verändert. Dafür gibt es Methoden, und wenn das nicht geht, musst du woanders hingehen. Wenn du das nicht kannst, so kann das in ein Burnout führen und du wirst gar nicht mehr arbeiten können oder nur noch sehr eingeschränkt. Das Leben ist zu kurz und wertvoll, um es im Unglück zu verbringen.

Zu viel an wunderbaren Dingen

Aus welchen Gründen auch immer, die aber hier nicht interessieren, schmiss ich dieses glückliche Gebilde hin und begab mich in eine neue Situation, wo man zusammenlebt und zusammenarbeitet, – und dies auch am Wochenende und am Abend. Alles wurde gemeinsam bestimmt. Ging ich über den Hof, wurde ich angesprochen auf ein Bauprojekt, beim Abendessen auf ein finanzielles Problem, und als ich in meiner Wohnung ankam, wartete jemand auf mich, der mit mir ein persönliches Problem klären wollte. Abends gab es Arbeitsgruppen, Problemlösungs-Aufstellungen und am Wochenende Visionsbesprechungen, Coaching, Forum, Aushelfen im Biergarten oder der Auftritt als Popeltroll im Elfentheater … Alles wunderbare Dinge, aber auf Dauer einfach zu viel.
Ich war Geschäftsführer, doch durch die Struktur, die wir uns selbst gegeben hatten, wussten weder ich noch irgendjemand anders, was er denn nun eigentlich bestimmen dürfte. Und so gab es ununterbrochen Auseinandersetzungen.
Ich war der unbezahlte Angestellte von 30 Chefs. Ich erinnere mich an ein gemeinsames Abendessen, als ich sagte: "Lass uns doch jetzt nicht über das Bauprojekt sprechen", und ich zur Antwort bekam: "Du kannst mir überhaupt nix sagen, ich rede über was ich will". Und recht hatte sie auch noch.
Nach vier Jahren wurden die ersten Anzeichen sichtbar. Nach fünf musste ich aus gesundheitlichen Gründen (ich wäre beinahe gestorben) das Projekt verlassen und war über drei Jahre mit meinem Burnout in ärztlicher Behandlung, bis ich wieder gesund wurde. Aber die Spuren daraus sind immer noch ersichtlich. Tatsache ist, dass Burnout nicht wirklich gänzlich heilbar ist.

…

karl@abacusonline.de web

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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