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Gemeinsam unterwegs

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Spieglein, Spieglein an der Wand

Beziehungen als Spiegel deiner selbst

Ein Interview mit Krishnananda & Amana von Frank

Frank: Ihr seid seit über 26 Jahren ein Paar. Was hat euch dazu bewegt, solch eine Langzeitbeziehung einzugehen?

Krish: Ich hatte vorher viele Beziehungen und kam an einen Punkt, wo ich mir eine längere Beziehung wünschte. Sobald sich deine Meditation und dein emotionales Wachstum vertiefen, erreichst du einen Punkt, wo dich ständig wechselnde Beziehungen nicht mehr befriedigen. Irgendwann möchte man in der Lage sein, ein Klima an Liebe und Tiefe, Vertrauen und Sicherheit zu schaffen, das sich erst mit der Zeit einstellt, wenn du mit jemandem zusammen bist.

Amana: Auch ich hatte viele Beziehungen, aber sobald die großen Themen, die wirklichen Kernthemen hochkamen, war ich nicht in der Lage, sie als Wachstumschancen zu begreifen, dazubleiben und sie durchzuarbeiten. Mit der Zeit werden in den meisten Beziehungen die tiefen Wunden getriggered. Und dann stellt sich immer die Frage: Gehen wir auseinander und suchen uns jemand andern, oder nutzen wir diese Gelegenheit, uns tiefer mit uns selbst auseinanderzusetzen und mithilfe dieser Verbindung zu wachsen? Kann ich mir selbst aus dem Weg gehen und die andere Person so lieben, wie sie ist?

Krish: Ich denke, das führte uns zu der Arbeit, die wir machen. Im Grunde lehren wir Menschen, ihre Wunden zu verarbeiten. Wenn du mit jemandem zusammenbleibst, kommen Dinge einfach hoch.

Amana: Du kannst das als Wachstumspfad wählen oder auch nicht. Wenn du das nutzt, dann kann die Beziehung als Spiegel wirken, um tiefer auf dich selbst zu schauen und bewusster zu werden.

Dem kann ich nur zustimmen, denn ich bin gerade selbst an einem Punkt, wo ich mich frage: In welche Richtung will ich gehen? Meine Freiheit leben, die ich nicht immer leben konnte, da ich sehr schüchtern war. Oder mich auf meine Beziehung einlassen, die sich vertieft und auch alte Gefühle und Verletzungen auslöst.

Amana: Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Es geht mehr darum, auf jeden Einzelnen zu schauen: Wie sieht deine Wachstumsreise aus? An welchen Erfahrungen kannst du im Moment wachsen? Und das ist für jeden zu jedem Moment des Lebens unterschiedlich.

Krish: Du musst dich fragen, was du willst, denn das sind zwei verschiedene Filme. Es gibt eine Menge Leute, mit denen wir arbeiten, die sich nicht auf eine bestimmte Person einlassen wollen, weil es sich gerade nicht stimmig für sie anfühlt. Sie wünschen sich viele verschiedene Erfahrungen. Wir sagen immer, das ist eine bestimmte Art von Film. Und daran ist nichts verkehrt. Aber man kann nicht beides zur selben Zeit haben. Du kannst dich nicht an eine Person binden und gleichzeitig mit anderen sexuellen Partnern herumtanzen, denn das zerstört das tiefere Vertrauen und die Sicherheit, die es braucht, um die zweite Art Film zu erschaffen – der tiefer geht, der all dein Zeug aufdeckt, der alles auf den Tisch legt und dich wirklich verletzlich und durchsichtig werden lässt.

Hast du einen Rat, wie ich herausfinden kann, ob meine Motivation einer Wunde entspringt oder aus meinem Herzen kommt?

Krish: Es gibt etwas, das wir abandonment-shopping und shame-shopping nennen. Bei Ersterem trachten wir danach, aus unserer Einsamkeit erlöst zu werden. Beim Zweiten fühlen wir uns grundsätzlich nicht gut mit uns selbst. So ziehen wir Leute an, die entweder nicht zur Verfügung stehen, oder wir erwarten, dass uns die andere Person ein besseres Gefühl zu uns selbst verschafft. Wir möchten Leuten helfen, sich mit ihren Themen um Einsamkeit und Unsicherheit auseinanderzusetzen, sodass sie nicht mehr mit jemand anders zusammenkommen wollen, um etwas zu erhalten.
Natürlich ist niemand vollständig mit sich selbst im Reinen, bevor er eine Beziehung eingeht, aber man kann sich bewusster darüber werden, wie sich die eigenen Wunden zeigen. Wer sich tiefer auf jemand anders einlässt, wird verletzlicher. Diese Verletzlichkeit wirkt sich manchmal auch auf unsere Sexualität aus. Insofern können da mehr Unsicherheit und Angst auftreten. Es gehört zur Reise der Intimität dazu, dass es nicht nur reine Leidenschaft und Intensität gibt und all die anderen Dinge, die wir aus den Filmen kennen und uns sehnlichst herbeiwünschen.

Amana: Du kannst dich zuerst mal fragen, was dir in der Beziehung fehlt, in der du gerade bist. Was bewegt dich dazu, andere Geliebte haben zu wollen? Ist es das Gefühl, das noch nie erlebt zu haben und der Wunsch es auszuleben? Oder ist es die Angst davor, tiefer zu gehen und sich näherzukommen, die dich das Weite suchen lassen will? Manchmal taucht so eine Sehnsucht auf, wenn wir nicht so viel Selbstvertrauen mit unseren Grenzen haben. Auf diese Art fühlen wir uns sicherer und nicht so sehr in der Falle.

Was können Männer und Frauen in einer Beziehung lernen?

Krish: Für Männer hat es sehr viel damit zu tun, das Weibliche zu verstehen: Was ist das? Was ist das für ein Teil, der auch in meinem Inneren zu finden ist? Aber es geht auch darum, diesen Teil in der Außenwelt reflektiert zu sehen, um ihn wirklich zu verstehen. Männer müssen ihre eigene Männlichkeit ehren, aber auch das Weibliche. Wenn du Frauen gegenüber aggressiv bist, entehrst du das Weibliche. Aus männlicher Sicht geht es darum, durch die Nähe zu einer Frau Empfindsamkeit, Verletzlichkeit und Empfänglichkeit zu lernen.

Amana: Es ist wichtig zu erkennen, dass es nicht darum geht, welches Geschlecht der Körper hat. Jeder von uns trägt einen weiblichen und einen männlichen Anteil in sich. Im partnerschaftlichen Zusammensein – ob nun zwei Männer zusammen sind, zwei Frauen oder Männer und Frauen – geht es darum, die andere Polarität kennenzulernen, das Yin und Yang in uns allen. Es geht darum, unsere eigene natürliche maskuline Energie zu verstehen, die mit Mut, Zielsetzung und Kreativität zu tun hat. Natürlich kann dieser Teil verwundet werden und dann wird er ungeduldig, aggressiv und aufdringlich.
Die schönen Eigenschaften des Weiblichen wiederum sind Empfänglichkeit, emotionale Tiefe, Sensibilität und Vertrauen. Wird es verletzt, wird es schwach und depressiv. Auf unserer Reise zur Ganzheit geht es darum, diese beiden Energien in uns zu integrieren. Wenn wir zum Beispiel enttäuscht sind, wenn wir nicht bekommen, was wir vom anderen wollen, können wir lernen, es in uns selbst aufzuspüren. Der andere ist ein Spiegel, der uns hilft, ganz zu werden. Es ist nicht leicht, sich selbst zu erkennen, wenn wir niemanden haben, der das Fehlende widerspiegelt. Natürlich kann all das auch in tiefen Freundschaften geschehen.

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Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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