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Der Tanz von Liebe und Alleinsein

Meditation, Inquirys und Sexualhormone – Was braucht eine gute Beziehung?

Ein Interview mit Turiya von Frank
 

Welche Grundpfeiler machen – besonders auch in diesen Zeiten – eine gute und lebendige Beziehung aus?

Ich selbst bin zur Zeit nicht in einer Zweierbeziehung. Ich lebe in einem Haus mit einem Paar und zwei Kindern. Wir haben hier eine ganz tolle Gemeinschaft miteinander. Sie basiert auf Freundschaft und darauf, was wir machen. Wir meditieren jeden Tag eine Stunde zusammen. Ich glaube, Meditation ist im Moment der einzige Weg, wo es langgeht. Innerlich einen Raum zu haben, der nicht beeinflusst ist von diesen ganzen äußeren Ups und Downs, die im Moment passieren. Dann machen wir auch regelmäßig Inquirys, einmal die Woche. Eine innere Erforschung, wo jeder ca. zehn Minuten Zeit hat, zu erzählen, wie es ihm geht und was mit ihm los ist und was ihn bewegt. Auch wenn es Konflikte im Haus gibt, bringen wir die auf den Tisch.
Innerhalb dieser Zeit passieren die unterschiedlichsten Dinge. Ab und an beziehen wir auch die Kinder mit ein. Dann fragen wir, wie es ihnen geht – zwei Mädchen, die eine ist acht, die andere elf. Das läuft total gut. Dadurch bleibt die Energie und Atmosphäre im Haus immer sauber. Da ist nie das Gefühl, dass es dicke Luft gibt. Und so ist man nicht mehr so abhängig von diesen Schwingungen, die draußen rauf und runter gehen.

Wie genau läuft ein Inquiry ab? Sind die Dinge geklärt, wenn man einfach nur Dampf ablässt und sagt: "Du gehst mir auf den Keks?"

Die Grundform vom Inquiry ist, dass du Verantwortung übernimmst. Was immer meine Reaktion ist, hat mit mir selbst zu tun. Der andere ist vielleicht der Auslöser, aber du musst das immer zu dir nehmen und schauen, wo deine Reaktion in dir herkommt. Ich glaube, dass dies die einzige Art ist, wie man überhaupt eine Beziehung leben kann. Wenn man 100 Prozent Verantwortung übernimmt und nicht den anderen wegen der eigenen Probleme beschuldigt. Das braucht natürlich ein bisschen Erfahrung, Einsicht und die Bereitschaft, bei sich zu gucken. Wenn die fehlt, bleiben viele Beziehungen häufig in Schuldzuweisungen hängen. Wenn du die Bereitschaft hast hinzuschauen: "Warum geht mir das alles so auf den Wecker?", fließt es irgendwann wieder. Dein Gegenüber wird immer deinen Schatten in dir hervorbringen. Meistens den unangenehmsten Schatten, den man überhaupt nicht sehen will. Da wird genau der Finger draufgelegt. Das ist die große Herausforderung: Bin ich bereit, da hinzugucken, oder bleibe ich im Kämpfen: "Nein, das stimmt nicht. Du siehst mich nicht. Du verstehst mich nicht. Du liebst mich nicht."

Kann man diesen Aspekt von Inquiry auch auf die gesellschaftliche Ebene übertragen? Müssen wir da auch neue Wege der Kommunikation schaffen?

Bestimmt kann man Wegweiser schaffen, dass Leute bei sich selbst hingucken müssen. Gerade jetzt in der Krise finden wir auch auf der gesellschaftlichen Ebene viele Schuldzuweisungen. Die Leute haben Angst wegen des Geldes usw. Sobald diese Themen präsent sind, taucht die Haltung "Mein Haus, mein Garten, meine Familie" auf. Da draußen ist dann der Feind. Die Themen rund ums Überleben bringen die meisten unbewussten In­stinkte in uns hoch. Das ist gefährlich, wie man jetzt in Amerika sieht. Auf der anderen Seite kommt gerade einfach alles hoch. Das ist auch gut. Früher ist genau das Gleiche passiert, nur heute wird alles gefilmt. Dann steht jemand daneben und filmt das Geschehen. Das geht dann um die ganze Welt und die Leute sagen: "No more!"

Wie habt ihr Beziehungen in den Kommunen rund um Osho gelebt?

Das Schöne mit Osho war: Man hat meditiert, man hat gearbeitet und dann gab es ein bisschen Zeit für Beziehungen. Das war für mich die gesündeste Form von Beziehung. Zuerst kommt die Meditation, dann die Arbeit – für die man nicht bezahlt wurde und bei der es nicht um Geld ging, sie war Teil der Meditation –, und dann die Beziehung.
Heute dreht sich alles um Arbeit und Beziehung. Du arbeitest, um Geld zu verdienen. Vielleicht hast du noch Spaß dabei. Dann hast du Glück gehabt. Und abends Beziehung, am Wochenende Beziehung. Dann fährst du in Urlaub und hast Beziehung. Dann kauft man zusammen ein Haus und teilt finanzielle Verpflichtungen miteinander.
Das alles gab es mit Osho nicht. Mit Osho kam ich nie auf die Idee, Urlaub zu machen. Urlaub von Osho? Warum sollte ich das wollen? Heutzutage hat man oft keinen Bezug mehr zum Alleinsein. Für mich ist das Alleinsein total wichtig. Das hatte einen großen Platz bei Osho.

Sollten Leute mehr darauf achten, auch in Beziehungen alleine sein zu können?

Ich denke, dass der Bezug zum Alleinsein für viele sehr wichtig ist. Wenn du nicht alleine sein kannst, kannst du auch nicht wirklich in einer Beziehung sein. Wenn du alleine bist, musst du dich mit deiner Einsamkeit auseinandersetzen. Da führt kein Weg drum herum. Eine Schicht des Alleinseins ist die Einsamkeit. Das kann sehr schmerzhaft sein. Da braucht man eine Bereitschaft, sich mit diesem inneren Schmerz auseinanderzusetzen. Dann kann man sich fragen: "Wieso gehe ich so viele Kompromisse ein?", "Warum verkaufe ich mich immerzu?" "Warum mache ich Sachen, die für mich nicht wirklich stimmen?" Das alles kommt dann hoch, wenn du alleine bist. Und das Gefühl von "Ich bin nicht geliebt. Ich fühle mich abgelehnt. Keiner will mich."
Das sind alles Schichten, die mit dem Alleinsein zu tun haben. Osho hat uns damals den Container dafür bereitgestellt, sich das anzugucken. Diesen sicheren Rahmen gibt es heute nicht mehr. So ist es schwierig, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, weil es nichts gibt, was dich hält. Da sind so Plätze wie das Osho UTA Institut wichtig. Wir brauchen das Gefühl, sich gehalten zu fühlen von mehr als nur einem Menschen.

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www.workingwithpeopletrainings.com

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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