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Neues wagen

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Roboter oder Mensch?

Der neue Mensch orientiert sich über sein Inneres

Ein Interview mit Ramateertha von Frank
 

Frank: Kannst du mir Oshos Vision vom "Neuen Menschen" in deinen Worten erklären?

Ramateertha: Das ist auf eine bestimmte Weise eine komplexe Frage. Schauen wir uns den alten Menschen für einen Moment an, dann wird klarer, worum es da eigentlich geht. Die Auswirkungen des alten Menschen sehen wir gerade. Sei es der Klimawandel, sei es die Gier der Menschen, die bis ins Unendliche weiterwächst, oder sei es die Spaltung der Menschen in Arm und Reich und von Habenden und Nichthabenden. Der alte Mensch hat sich darüber definiert, was er besitzt und was er leisten bzw. machen kann. Er ist jemand, der getrieben ist von Idealen und Bildern, die ihm von Außen aufgetragen worden sind. Das Entscheidende, was den neuen Menschen angeht, ist, dass er eine völlig andere Orientierung hat, die nicht von Außen kommt. Der neue Mensch entwickelt die Fähigkeit, sich über sein Inneres zu orientieren. Er schaut: Was ist wirklich mein Weg? Er fragt sich: Was ist meine Bestimmung? Was ist mein Blueprint? Wie kann ich das leben, mit dem mich das Leben in dieser Welt ausgestattet hat?

Woher kommt unser Drang, immer mehr haben zu wollen?

Es liegt in der Natur des Denkens, dass du immer mehr haben willst. Das hat etwas damit zu tun, wie unser Denken funktioniert. Wenn du einen Euro hast, willst du zehn haben, wenn du zehn hast, willst du 100 haben und so weiter. Nachher hast du ein paar Milliarden. Das Verständnis darüber, was das für diesen Planeten bedeutet, geht dabei völlig verloren. Es hat sich abgekoppelt. Mittlerweile haben wir eine ganze Kultur aus diesem Ideal von "mehr" geschaffen. "The winner takes it all" – das sagt ja schon alles. Wo bleiben denn die, die keine Gewinner sind? Das ist meines Erachtens eine krankhafte, krebsgeschwulstartige Entwicklung. Der Krebs sagt auch: mehr, mehr, mehr – ein ungehindertes Wachstum. Es ist etwas anderes, ob man von Wachstum spricht oder ob man davon spricht, dass immer mehr passieren muss.
Ein Bild, das ich in diesem Zusammenhang gerne nutze, ist das eines jungen Erwachsenen, der seine Größe erreicht hat und keine weitere 10 oder 20 Zentimeter wächst. Wir verhalten uns dabei wie jemand, der ihm vorwirft: "Du wächst ja gar nicht mehr!" Das entspricht der Dummheit unseres Begriffes von Wachstum. Dass es ein anderes Wachstum gibt, das mit innerer Reifung und mit einer seelischen Entwicklung oder auch Bewusstsein zu tun hat, ist völlig verloren gegangen.

Was kann der neue Mensch dagegen tun?

Am besten gar nichts. Sobald du anfängst, etwas dagegen zu tun, bist du schon Teil von dem Spiel. Es geht einfach darum, das Ganze zu begreifen. Guck dir die Leute an, die erfolgreich sind. Sind die glücklich? Wie soll das gehen, wenn es um Höher, Weiter, Besser geht? Sie rennen weiter. Sie haben dann ihre Therapeuten, die sie bedienen. Guck dir an, was für ein affiges Spiel das ist. Herr Trump, der da rumpoltert wie sonst wer. Jetzt haben wir einen anderen Milliardär, der Präsident werden will. Glaub ich’s noch? Oder andere Milliardäre, die reichsten Menschen der Welt, die Arbeitsbedingungen und Bezahlungen schaffen, die unter die Gürtellinie gehen … und dann aus der Portokasse Wohltätigkeit finanzieren. Das soll dann des Rätsels Lösung sein?

Du meinst, der Ursprung dieses Krebses ist das Denken?

Ja, der Ursprung ist unsere ständige Identifikation mit dem, was die Maschine da oben produziert. Der Mechanismus des Denkens ist immer dabei, sich seine eigene Zukunft zu konstruieren und vorzustellen und diese als Fata Morgana an die Wand zu malen, dass es mehr und mehr und immer besser und besser werden muss. Heutzutage werden bereits die Kinder in der Kita unter Stress gesetzt, damit sie durchkommen und erfolgreich sind. Für einen Bewussteinswandel ist ein ganz anderes Erziehungs- und Wertesystem nötig. Es geht um eine Erziehung, die Kinder inspiriert zu forschen, sich zu entdecken, und die sie einlädt, ihren ganz natürlichen Bewegungen, ihrer natürlichen Neugier zu folgen. Eine Erziehung, die Kinder ermutigt, ihrem Drang zu spielen nachzukommen. Stattdessen stopfen wir sie voll mit irgendwelchen Vorstellungen. Kinder wollen spielerisch sich selbst und die Welt entdecken. Dabei formt sich das Gehirn. Da finden Vernetzungen statt, die Intelligenz und Kreativität fördern. Und diese Entwicklung wird zerstört, dadurch dass wir sie in eine Box sperren.

Wie kann ein Wandel stattfinden?

Ich befürchte, dass ein Ende erst in Sicht ist, wenn die Katastrophen, die sich bereits anbahnen, so weitergehen. Erst wenn es richtig wehtut, ist man bereit auch mal zu verzichten. Es wird immer klarer, dass wir an die Grenzen des "Machbaren" stoßen. Wir beuten uns und diesen Planeten aus. Der Klimawandel hat Folgen, die uns unmittelbar um die Ohren fliegen. Wir sind krank. Der Planet und wir haben hohes Fieber.

Wie können wir uns heilen?

Das "Wir" ist schon mal schwierig. Jeder muss für sich und sein Handeln Verantwortung übernehmen.
Für mich ist es ein ganz wichtiger Punkt, bei mir selbst zu schauen: Wie lebe ich mein Leben? Was ist mir wirklich wichtig? Wofür mache ich was? Wie gehe ich mit mir um? Wie gehe ich mit anderen um? Sehr simpel. Dann schaue ich mir die Spielchen in meinem Kopf an. Was für Gedanken kommen, wenn ich berührt oder provoziert werde? Wie reagiere ich auf Gefühle von Gier und Macht? Es geht darum, jedes Mal wieder neu zu entdecken, was jetzt gerade im Moment passiert. Dabei schaue ich mir meine Fata Morgana und die ganzen Bilder in meinem Kopf an und sage ihnen "Auf Wiedersehen."

Wenn wir von einem neuen Menschen sprechen, kreieren wir dann nicht wieder eine Vorstellung, wie wir glauben, sein zu müssen?

Ja, das ist die Gefahr, wenn man wieder ein neues Ideal da rein bringt. Wir entfremden uns immer dann von unserem Kern, wenn wir ein Ideal konstruieren. Es ist einfach irre zu sehen, wie viele Menschen maschinenhaft agieren und innerlich irgendwelchen Idealen hinterherlaufen. Vielmehr sollte es darum gehen, die Fähigkeit zu entwickeln, spontan und ohne Strategie handeln zu können. Deshalb lässt sich der neue Mensch auch nicht organisieren. Jede Organisation hat zur Folge, dass früher oder später Strukturen entstehen, die ein Hemmnis sind.

…

ramateertha@netcologne.de
www.oshouta.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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