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Editorial

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THEMA

Schock und Scham

Liebe Freunde,

In dieser Ausgabe geht es um intensive Gefühlslagen, um Schock und Scham. Diese empfindlichen Barometer gehören zur Exekutive unserer Psyche und beeinflussen unser soziales Miteinander. Ihr Wirken ist schwer kontrollierbar und kommt meist ungelegen, denn sie weisen ungebeten auf privateste Bereiche unserer selbst, die wir lieber verborgen halten. Wer steht schon gern entblößt vor aller Augen da? Solche Momente will man doch selbst bestimmen!

Wenn uns etwas peinlich ist, kann es jeder sehen: Das Blut schießt in den Kopf, der Blick geht zu Boden, die Arme werden schlaff, die Energie liegt wie unter einem schweren Teppich: Man möchte im Erdboden versinken. Ich fühle mich ertappt! Das Innerste liegt bloß. Eigentlich schön. Ein Augenblick der Wahrheit. Und um die geht es mir doch, oder? Nur ist es so unbequem auch dazu zu stehen. Vielleicht wurde ich beim Mogeln erwischt, hatte den musterhaften Gutmenschen gegeben, der ich gar nicht bin: gewissenhaft und bescheiden, anständig, artig und ehrlich. Von wegen! Ein rotes Signal leuchtet auf, da stimmt was nicht! Anhalten, innehalten. Oder ich entrüste mich über das unmögliche Verhalten anderer und schäme mich fremd. Allerdings rät die Lebenserfahrung dazu, sich nicht einzumischen und den Mund nicht zu voll zu nehmen.
Oft schämt man sich auch für seine schönen und lebendigen Seiten, weil man sich ihrer nicht würdig fühlt. Das ist sehr schmerzhaft, es raubt einem die Daseinsfreude und macht unglücklich.

Scham schützt und Scham hemmt. Doch traue ich mich näher hinzuschauen, entdecke ich all die unbewussten, verzerrten und abgelehnten Bereiche meiner selbst, die in meinem Leben mit dazugehören, erlöst und befreit werden wollen: Sex, Wut, Selbstsucht, Neid, Gier, Schwelgerei, Trägheit … witzigerweise allesamt sogenannte Todsünden.

Schock hingegen ist drastisch. In seinem Hochsicherheitstrakt liegen meine heikelsten Befindlichkeiten und Traumata, eingefroren und weggesperrt im Niemandsland. Die Schreckstarre setzt in Augenblicken ein, die außergewöhnlichen Stress bereiten: der Tod eines geliebten Menschen, Trennungen, Unfälle, rücksichtslose Gewalt gegen sich selbst oder andere. Hier geht’s ums Überleben, hier regiert die Angst vor Tod und Auslöschung! Ich bin erstarrt, gelähmt, weit weg von mir selbst, erlebe mich als fremd, leblos, unwirklich. Was nun?

Laut Osho ist es so:
"Scham und Angst und Selbstverdammung, sie alle leben von eurer Energie, brauchen eure Unterstützung. Ihr bildet euch ein, sie loswerden zu wollen, aber im Grunde unterstützt ihr sie; sonst könnten sie nicht existieren. Sie sind Parasiten."

Wie bitte? All dies habe ich selbst zu verantworten? Wie hilfreich diese Provokation aber ist, wird mir erst bewusst, wenn ich mich dazu entschließe, mich selbst zu erforschen und mich zutiefst auf das Leben in genau diesem Augenblick einlasse. Oshos Statement entlarvt meine Opferrolle und ermutigt mich, mein Leben jetzt in die Hand zu nehmen. Gestern ist vorbei und Morgen ist morgen. Nur dieser Augenblick zählt! So wird mir immer deutlicher, was wirklich ist und was nicht. Allmählich wächst mein Vertrauen, dass das Bestmögliche passiert, auch wenn ich es nicht verstehe. Das öffnet mich, macht mich zuversichtlich und schon zeigen sich Lösungen, die ich vorher nicht für möglich hielt.
Das also ist es, was hilft.

Viel Spaß beim Lesen

Anandi

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