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Editorial

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THEMA

Das Selbst und die Selfies

Liebe Freunde,

Ein Selfie, das hört sich so niedlich an. Ein kleines Smartie für zwischendurch. Eine Momentaufnahme meiner selbst, für mich und für andere. Großer Spaß und Spielerei. Ich brauch nichts zu sagen. Es ist unkompliziert und schnell getan. Und birgt schöpferische Möglichkeiten.

Ein Selfie kann ich selbst bestimmen und im Nachhinein ummodeln: fehlenden Glamour und Putz hinzufügen, düstere, verwegene Stimmung unterlegen oder Herzen freundlich stimmen … So kann ich mein Erscheinungsbild nach Wunsch gestalten, gut aussehen und die Welt auf mich aufmerksam machen.

Das Selbst hingegen, das spürt man schon beim Aussprechen, ist etwas eindeutig Tieferes. Da schwingen Wahrheit, Stille, Alleinsein, Verantwortung mit. Man ahnt: Es ist etwas Existenzielles. Wer sich auf die Suche nach seinem wirklichen Selbst macht, bekommt schnell mit, dass dies kein kurzer Ausflug ist. All die Antworten, die ich auf dieser Reise entdecke, entpuppen sich als Schall und Rauch. Sie bleiben oberflächlich, sind nicht die ganze Wahrheit. Ob dies oder das ­– alles ist vergänglich. Wie oft hänge ich durch und weiß nicht weiter, suche mir Abwechslung und Zeitvertreib. Gleichzeitig nimmt mein Sehnen zu: Es rät mir, nicht eher aufzugeben, als bis ich alles von selbst aufgeben kann. Das hat nichts von Resignation. Im Gegenteil, es gibt mir Ruhe.

Diese Ausgabe beschäftigt sich mit der digitalen Welt. Wie verändert sie uns? Ihre Geschwindigkeit, ihre Vielfalt, ihre Unverbindlichkeit, ihr Potenzial – was macht das mit uns? Das Internet ist Enzyklopädie, Instrument, Spiel- und Werkzeug in einem. Im Kern ein Neutrum – ohne Moral, ohne Ethik, ohne Gewissen –, kennt es kein Gut und Böse. Der handelnde Mensch hat das Sagen:
Er programmiert, bestimmt letztlich und steuert alles, was im Netz geschieht. Und was heißt das für mich? Bin ich dann nur noch Konsument? Wer bin ich überhaupt?

Für Osho sind Wissenschaft und Technik unsere einzige Möglichkeit, die äußere Welt zu transformieren und Mensch und Natur zu versöhnen. Dank Computer können wir erkennen, dass der Verstand nur eine Maschine ist und dass der Mensch mehr ist als eine Maschine. Der Mensch kann bewusst sein, kann lieben, kann meditieren.

Und es stimmt: Wenn ich liebe und in Meditation bin, erkenne ich, dass es etwas Größeres gibt als das Ich, als Körper und Verstand. Das hilft mir, mich von der Vergangenheit zu lösen und gibt mir das Vertrauen, mich auf das Jetzt, auf das, was ich gerade bin, einzulassen. Ist das nun mein wirkliches Selbst? Oder Nicht–Selbst?

Eins steht fest – mit oder ohne Selfie: Hier geht’s in die Freiheit!

Osho: "Ich stehe auf Wissenschaft … Ich glaube an eine wissenschaftliche Welt. Erst durch Wissenschaft erschließt sich der Menschheit eine bedeutende Religion, eine bedeutendere Religion als je zuvor. Denn wenn der Mensch wirklich die Freiheit hat, spielerisch zu sein und keine Notwendigkeit mehr besteht zu arbeiten, wird eine gewaltige Kreativität freigesetzt. Die einen werden malen, und andere werden musizieren, und manche werden tanzen oder Gedichte schreiben, und manche werden beten, und andere stattdessen meditieren. Ihrer kreativen Energie werden keine Grenzen gesetzt sein."

Viel Spaß beim Lesen!

Anandi

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