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Editorial

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Schöner Rauschen

Liebe Freunde,

Die Lust auf Rausch – dieses tiefe Bedürfnis über sich selbst hinauszugehen und buchstäblich in die Freiheit zu fliegen, existiert seit Menschengedenken. Schon unsere Vorfahren waren ausgesprochen findig darin, ihren kargen Alltag mit bunten Träumen aufzuhellen. Was immer sie auf ihren Streifzügen entdeckten, wurde ins Pfeifchen gestopft oder gegessen, pulverisiert, gekocht, getrunken, geräuchert und inhaliert… Da fand sich Fliegenpilz und Honigwein und Stechapfel – alles, was törnte, war hoch willkommen! Das ist heute kaum anders. Die Mittel scheinen nur raffinierter, statt Natur gibt’s viel Labor. Und öfter mal was Neues!

Wenn dich das Verlangen packt, greifst du zu allem, was deine unersättlichen Triebe befriedigt und angenehme Gefühle verheißt. Der eine will spritzige Anregung, der andere einfach nur Ruhe. Es gibt so vieles, was berauschen kann: Alkohol und Drogen, Sex, Geld, Macht und Erfolg, Schokolade, Fastfood, Drama, Sport und Pokerspiele … und für alle, die ganz hoch hinaus wollen, auch der liebe Gott und das Erleuchtungsversprechen. Endlich erlöst sein! Ein Verjüngungsbad in Lebendigkeit, Frieden und Hoffnung. Aller Schmerz vergessen, keine Langeweile mehr. Du bist im Fluss, ganz eins mit den Göttern. Welch Glück auf Erden! Luja sog i!

Und dann wachst du wieder auf. Was eben noch das Tor zum Paradies war, hat höllische Nachwirkungen. Also ein neuer Rausch. So wird’s zur Gewohnheit, mit leider abnehmender Wirkung. Rausch Kater Rausch Kater … der Schmerz nimmt zu und mit ihm die Betäubungssucht. Da freut man sich schon morgens auf den Wein zum Feierabend, besorgt sich neue Mittelchen, bevor die alten aufgebraucht sind, träumt beim Sex schon von neuen Eroberungen. Will immer mehr. Da regt sich die Angst: Wenn nur kein Engpass kommt! Und mit ihm die alte Misere und Leere. Die Wucht dieser geborgten Erfahrungen ist enorm! Einerseits heilender Segen, der neue Einsichten bescheren kann, aber auch das eigene Leben, ja die Gesellschaft zerstören kann.

Was den Rausch so attraktiv macht, ist, dass sichh in ihm meine Gestalt komplett verändert. Keine Kontrolle, keine Hemmungen, keine Grenzen mehr. Plötzlich bin ich frei, schöpferisch und liebenswert. Meine Wahrnehmung steigert sich, ich tauche ein ins Meer des Unbewussten. Alles Paradoxe schwimmt hier im Einklang. Ich kann es gelten lassen, ohne mich verrückt zu fühlen.
Ein kurzer Ausflug. Denn wieder zu Hause, fordert die Realität meine nüchterne Anwesenheit. Und was ist jetzt, ohne meine künstlichen Helferlein? Ohne das Hineinsteigern in glückselige Euphorie, durch die ich mich meinem Gott so nahe fühlen konnte?

Osho wischt alle Illusionen vom Tisch: "Nimm LSD oder eine andere Droge und überall blitzt es. Das Bewusstsein schaut nur abwartend zu. Es sagt nur: ,Sieh mal, da passiert etwas Schönes‘ – aber es passiert nicht dem Bewusstsein. Spirituell wachsen heißt, dass dies Zeugesein wächst. Spirituelles Wachstum hat nichts mit irgendwelchen Erfahrungen zu tun.
Nur reine Bewusstheit vermag das zu leisten, was sich die Leute von Rauschmitteln versprechen. Rauschmittel beseitigen Symptome; Bewusstheit beseitigt die eigentliche Ursache."

In diesem Sinne:

Viel Spaß beim Lesen!

Anandi

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