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Editorial

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THEMA

Nähe und Distanz

Liebe Freunde,

"Ohne dich kann ich nicht leben", rufen alle Verliebten im Taumel ihrer Begeisterung. Allerdings folgt dann, meist schon kurz nach den Flitterwochen: "und mit dir auch nicht". Das glückliche "Hin und weg" wird zum leidvollen "Bloß schnell weg!" Ein Koan, sagen die Zenfreunde. Seufz!

Und ewig grüßt der Beziehungsalltag! Ein hilfloser Reigen mit hochheiligen Versprechungen und besten Absichten, voller unbewusster Triebe, Illusionen und Hoffnungen. Man passt sich an und wird voneinander abhängig. Täglich Brot, täglich Not: Die anfängliche Einigkeit ist schnell verflogen. Jetzt heißt es: MEIN Wille geschehe und erst wenn’s denn unbedingt sein muss auch deiner. Ich bin fixiert auf das Bild eines idealen Partners, das ich permanent auf den anderen projiziere, weil ich wissen will: Entspricht der andere meiner Vorstellung, fügt er sich meinen Ansprüchen? Und umgekehrt genauso. Treten Unstimmigkeiten auf, beginnt jede Debatte mit DU!, denn zweifellos hat immer der andere Schuld!
Praktisch gedacht, doch immer öfter wünsche ich den anderen zum Mond und male mir sehr farbig aus, wie viel besser es mit jemand anderem sein könnte. Oder ich will mal wieder Nonne werden, beende die Beziehung und befinde mich schon kurz darauf in der Klemme. Die Einsamkeit schleicht heran und mit ihr die frisch erwachte Sehnsucht nach dem anderen: "Was soll das Ganze, wenn keiner da ist, mit dem ich es genießen kann? Teilen ist so schön!" Auf einmal!

Eine Ausgewogenheit von Nähe und Distanz ist eine absolute Kunst. Die beherrscht wohl nur die Natur. Ihre gesamte Schöpfung beruht auf einem natürlichen Rhythmus – einatmen, Pause, ausatmen, Pause – auf allen Ebenen. Man kann auch sagen: anregen, erfrischen, erneuern … Pause … und einfach da sein … loslassen, leer werden, frei sein … Pause … und das Ganze von vorn. Oder wie Ebbe und Flut.
Das Wichtigste aber ist die Pause dazwischen, die Besinnung, das Da-sein. Es ist, wie es ist. Mein Leben atmet durch. Meine Illusionen verabschieden sich mit Wohlwollen.
Nur so kann etwas Neues, Unverhofftes, Bedeutungsvolles geschehen: Ich erlebe es als ein mystisches Liebesgefühl, eine beschwingte und wache Spielfreude aus dem Moment heraus. Dann bin ich selig entspannt, kann mich öffnen, ohne Vorbehalt auf andere zubewegen oder auch wieder gehen. Das ist der Takt der Liebe.

Doch dazu braucht es Geduld. Die ewigen Schuldzuweisungen jedenfalls führen nicht weiter. Der Egoismus, das Brett vorm Kopf macht mich blind. Erst nach einem leidvollen Läuterungsprozess und vielleicht auch nur durch höhere Fügung wird mir bewusst, wie unerlässlich doch meine eigene Transformation ist. Ich muss mir eingestehen, dass vom anderen nichts zu erwarten ist. Für mein Glück bin ich ganz allein verantwortlich. Mit dieser Kehrtwende finde ich zu mir.

Osho: "Ich bringe euch eine neue Botschaft. Und zwar die, nicht mehr zu wählen – statt eure Lebensumstände zu ändern, hört lieber auf zu wählen, führt ein hellwaches, bewusstes Leben und werdet intelligent! Verändert euch psychisch, werdet intelligenter. Um selig zu werden, ist mehr Intelligenz nötig! Und dann könnt ihr sowohl allein als auch in einer Beziehung leben."

Viel Spaß beim Lesen!

Anandi

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