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Editorial

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THEMA

Mehr Empathie wagen

Liebe Freunde,

Mehr Empathie wagen? Ist es denn etwa ein Risiko, mich in den anderen hineinzuversetzen? Mich zu öffnen, mein Gegenüber wirklich wahrzunehmen, sein Innerstes aufzuspüren? Natürlich, wenn der andere gut drauf ist, hat man ja geradezu Lust darauf sich aufeinander einzulassen. Doch wehe wenn wir in unsere düsteren Abgründe stolpern. Wo Schmerz und Trübsinn und Hoffnungslosigkeit herrschen und sich nach liebevoller Anteilnahme sehnen. Dieses trostlose Jammerbild schreckt ab. Achtung! Weiß man wirklich, mit wem man es da zu tun hat? Habe ich hier einen Wolf im Schafspelz oder ein Schaf im Wolfspelz vor mir? Oder schlimmer noch, einen ewigen Energiesauger, der einen auslutscht?

Sofort regen sich Schuldgefühle: "Habe wohl ein kaltes Herz und will nicht helfen. Aber nein, das darf nicht sein!" Und schon bin ich ungefragt dabei, in das Leben anderer einzugreifen. Im Auftrag der Nächstenliebe und in bester Absicht tue und mache, stütze, gebe und belehre ich und bemühe mich anderer Leute Probleme mitzutragen. Meine eigenen vergesse ich dabei. Es findet sich auch immer jemand, dem es schlechter geht als mir. Wie praktisch! Endlich darf ich mich mal edel, hilfreich und gut fühlen. Berauscht von meiner Hochherzigkeit lasse ich dem anderen keine Chance, sein Leben selbst zu meistern. Das ist doch irgendwie respektlos. "Ungefragt" ist hier das eine Stichwort und mein automatisches Handeln das andere. Von wegen Selbstlosigkeit.

Ach ja, und wo bleiben denn die eigenen Ängste und Probleme? Wie schnell spalte ich sie ab, weil sie mich hilflos fühlen lassen. Und wie schön deutlich sehe ich sie doch beim anderen. Bei ihm glaube ich ohne weiteres sie lösen zu können, denn da muss ja geholfen werden! Der hilflose Helfer – allzeit bereit! Bei all dieser altruistischen Hektik gehe ich auf Egotrip und verliere nicht nur den anderen aus dem Blick, sondern auch mich selbst. Was dabei leider auf der Strecke bleibt, ist die Achtung vor unserer eigenen Individualität, denn nur auf Augenhöhe kann man wirklich zueinander finden. Wo wir uns hätten treffen können, wäre die existenzielle Ebene, auf der wir beide eins sind. Das ist der innerste Kern von Oshos Lehre: Er öffnet uns für den tiefsten und gleichzeitig höchsten gemeinsamen Nenner in unser aller Herzen.

Ein gutes Miteinander braucht freundliches und echtes Zusammensein. Und natürlich auch eine gewisse Geduld, aufeinander zu warten, zu spüren, still zu verweilen und nicht auszuweichen, wenn es unbequem wird. Wenn mir das gelingt, habe ich genug Raum, mich selbst und den anderen unvoreingenommen wahrzunehmen, kann meine Vorstellungen, Wünsche und Ängste beobachten und loslassen. In solchen Momenten wird mir bewusst, dass der andere und ich aus ein und derselben Quelle stammen, im selben Fluss schwimmen und uns irgendwann im selben Meer wieder auflösen. Und egal ob wir etwas zusammen machen oder nichts tun, stellt sie sich ein – die Harmonie des Einverständnisses. Da kann ich mich öffnen und da sein. Der andere spürt meine volle Gegenwart und wir sehen uns in die Augen – in aller Unschuld, ohne Falsch und ohne Hintergedanken. Das entspannt und ist ein wirklich guter Anfang!

Viel Spaß beim Lesen

Anandi

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