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Bedingungsloses Grundeinkommen

Versorgungsvision oder Beruhigungspille der Reichen

Text: Shreyas

"The grass grows by itself" und "Existence takes care of you" sind Sätze, mit denen wir in unserem Buddhafeld aufgewachsen sind. Ich habe mich schon oft mit diesen Sätzen auseinandergesetzt und tue es jetzt bei diesem Thema wieder. Wie passen sie zusammen mit der Tatsache, dass wir in den Kommunen und in Rajneeshpuram/Oregon zwölf Stunden an sieben Tagen der Woche gearbeitet haben?

"Die Existenz versorgt dich!"

Ich habe bereits jahrelang mit einem Grundeinkommen gelebt: In Rajneeshpuram bekam ich einen Schlafplatz, gutes, vegetarisches Essen, ein Bier pro Abend und einen Voucher über 20 Dollar, mit dem ich auch mal Eiscreme kaufen konnte. Und sehen wir von den Privilegien, die sich einige gönnten, mal ab, verdienten Putzmann und Ärztin gleich viel. Aber es war eben nicht bedingungslos. Wenn du deine Kraft und Energie in das Ganze nicht mehr einbringen wolltest, warst du auch ganz schnell entlassen und das Grundeinkommen war entschwunden. Deswegen setzte sich auch die The grass grows by itself-Fraktion ganz schnell nach Santa Fe ab. Rajneeshpuram war eher für die hart arbeitende Sannyas-Bevölkerung. Allerdings wuchs in Santa Fe das Gras auch nicht von alleine, man musste sich mit Putzjobs über Wasser halten. Und dort in Rajneeshpuram entstand eine Stadt für 4.000 Bewohner aus dem Nichts. Meiner Ansicht nach der größte Versuch weltweit, eine Gesellschaft mit einem Grundeinkommen zu schaffen.

Das berühmte selbstwachsende Gras

Wenn eine Blume sich nicht öffnet, dann wird sie sterben. Dann wird auch keine Biene kommen und die Samen verteilen, oder der Wind wird vor verschlossenen Türen stehen. Eine Blume ist, wenn sie erblüht, etwas so Schönes. Und wenn am Morgen die Sonne kommt, überlässt sie sich der Sonne und ihre Blätter öffnen sich von selbst. Sie sagt nicht "Ich bin zu müde. Ich will heute ausschlafen, ich habe zu viel Alkohol getrunken. Blühen ist mir zu langweilig, ich will jetzt mal Rockmusik machen." Sie ergibt sich in die Existenz und erfüllt, was sie zu tun hat. Und deshalb wächst sie von selbst. Ich denke, dass dies Osho gemeint hat, wenn er über das Sein der Existenz sprach und das berühmte selbstwachsende Gras.
Und so war es auch immer in meinem Leben. Wenn ich gesund, voller Freude, Stille, Gleichmut, Zufriedenheit und Glück war, wachte ich am Morgen auf, meditierte, freute mich auf die Arbeit, tat diese auf gute Art und Weise und ging mit dem, was im Moment war. Die Höhe des Einkommens spielte für mich keine Rolle. Es kam jedoch auch vor, dass mein Leben nicht so gesund war, durch Krankheit, Konflikte, Machtkämpfe, Alkohol, Rauch. Dann blieb ich liegen, mir brummte der Kopf, ich war ungerecht, vergeudete meine Zeit und zettelte Konflikte an.

Hartz IV und Scham und Reichtum

Ich hatte bis vor kurzem von Hartz IV keine Ahnung. Aber jetzt, seit ich Flüchtlinge betreue und auch in meinem Dorf einige Menschen kenne, die arbeitslos sind, bin ich von Menschen umgeben, die vom Amt leben. Allen ist aber eines gemeinsam: Sie wollen etwas tun. Sie würden jede Arbeit annehmen, sie sind verzweifelt, dass sie sich nicht einbringen können, sie schämen sich, weil sie etwas umsonst bekommen. Sie gehen aufs Amt, doch es ist keine Arbeit für sie da. Und im Pflegeheim, im Krankenhaus, in der Schule fehlen Menschen, da überall Geld gespart werden muss. Und auch bei vielen meiner Kunden schlägt jetzt das Existence takes care for me durch und so einige leben bereits von Hartz IV oder werden es tun müssen, sobald sie zu alt zum Arbeiten sind, und es ist ja nicht jeder ein Therapeut, der im Alter ja eher an Erfahrung gewinnt. Dem Bodenleger versagen die Knie.
Auf der anderen Seite gibt es eine derartige Konzentration des Einkommens und des Vermögens wie nie zuvor auf der Welt. Die Bequemlichkeit des Internets, die Globalisierung und das damit einhergehende Lohndumping, das sich eben auch wieder nur die Großen leisten können. Und wir machen schön mit, indem wir bequem bei Amazon einkaufen und Bozoz wird zum reichsten Mann der Welt.

mail | karl@abacusonline.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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