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Fridays for Future

Und was machen wir ­– meditieren?

Text: Shreyas

So etwa mit 17 Jahren begann ich nach dem richtigen Leben zu suchen. Es begann im Jugendzentrum, was mich schnell politisierte; so trat ich erst den JUSOS bei, dann der SPD. Als Brandt ging und Schmidt kam, trieb es mich in die DKP, sogar die DDR besuchte ich und wandte mich mit Schrecken ab. Heute würde ich sagen, ich vermisste das Menschliche in der Politik, das, was uns verbindet. Dann ging es zu den gewaltfreien Anarchisten, Landkommune, anarchistische Zeitschrift "Regenbogen".

Die Träume werden nicht wahr

Die Freunde und Mitstreiter um eine bessere Welt, die uns vorschwebte, nach all dem Restnazitum, Atomkraft, Militarismus und Verstocktheit, teilten sich, auch weil wir nicht vorwärtskamen. Keiner hörte auf uns. Wir wurden von der Polizei schikaniert und auf den Kundgebungen auf dem Marienplatz gegen Atomkraft und auch damals schon gegen die Umweltzerstörung in die DDR gewünscht, oder man sagte: "Der Hitler hätte es euch schon gezeigt und euch die Haare geschnitten."
So wählten einige den Weg der Gewalt (RAF), andere gründeten die Grünen, gingen den langen Weg durch die Institutionen und endeten im Außenministerium. Und auch die Träume, die uns in unsere Landkommune führten, wurden nicht wahr, im Gegenteil: Machtkämpfe, Streitereien, Erfolglosigkeit und Ausweglosigkeit machten sich breit. Da beschritten so manche den spirituellen Weg – und ich fand meinen Weg zu Osho.

Was soll es auch?!

All dies führte zu einem Wandel der Gesellschaft. Frauen sind heute Teil der Macht, Atomkraft wird abgeschafft, Prügelstrafe gibt es nicht mehr, Katholizismus am Rand der Entmachtung, die Mehrheit der Menschen ist deutlich gegen Rassismus eingestellt und Meditation ist jedem heute ein Begriff. Ein paar noch nicht ausgestorbene Dinosaurier tummeln sich in der AfD und im Weißen Haus und wünschen der liberalen, freiheitlichen Gesellschaft den Tod.
Und ich sitze gemütlich auf meinem Bauernhof und schau den Hühnern zu, radle um die Welt, meditiere hin und wieder, freue mich meines Lebens, schaue der Welt beim Untergehen zu und beteilige mich hierbei zu einem erheblichen Maß. Rechne einfach mal auf der Webseite ­www.uba.co2-rechner.de deinen Beitrag zum Klimaschutz aus. Wenn alle so handeln würden wie wir auf dieser Erde, hätten wir noch etwa zehn Jahre zu leben – wenn überhaupt.
Wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich schon seit langem, dass die Erde den Bach runtergeht, halt nach meinem Tod. Und was soll es auch. Wir haben Hunderte Säugetierarten ausgerottet, was macht es da, wenn eine mehr flötengeht. Mein Freund Carsten meinte, als ich ihm das sagte: "Und mein Sohn?" "Ach, ob er 30 oder 80 wird, ein Wimpernschlag, was macht es schon?!"

Paradies mit zu viel CO2

Jetzt muss ich an Osho denken, als er in etwa so sagte: "Die Menschheit kann den Gipfel erreichen, den Gipfel von Bewusstheit und Liebe. Einen Buddha, einen Jesus, einen Mahavira hat es bereits gegeben, einen Mozart, Bach, van Gogh, Dostojewski (und eine Claudia Schiffer natürlich). Die Menschheit hat das Potenzial, all dies zu erreichen und sich ein Paradies zu erschaffen." Ja und so manche, auch wenn sie viel CO2 verbrauchen, sind auf dem besten Weg dazu.
Doch der Smog in Peking und anderen Megastädten, das Plastik in den Mägen der verendeten Wale, zusammenbrechende Märkte, das Aufkommen der Trumps, Savinis, Erdogans und anderer Konsorten, Dieselskandale usw. zeigen anderes.
Ich schrieb vor einem halben Jahr, als ein Freund mich fragte, wie wohl die Welt zu retten sei: dass ich zurückrufen würde, wenn mir ein kluger Gedanke kommt. Er wartet und wartet und wartet.

Und jetzt!

Als dann unsere Revolution in Stammheim, im Parlament und im Ashram versandete, so um 1985 herum, war Stille im Gebälk. Die Jugend nach uns hockte sich auf den Hosenboden und lernte, machte Abitur, studierte, gründete Start-ups, machte Banklehren, flog in die Malediven und wählte die Grünen – wenn’s gut ging.
Und plötzlich taucht ein halbautistisches schwedisches Mädchen auf und stellt die Welt auf den Kopf. Und in Deutschland streiken jeden Freitag Zehntausende für eine bessere Welt. Am Freitag standen um 7 Uhr morgens 100 Schüler am Gymnasium Penzberg und hielten den SUV-fahrenden Eltern Schilder entgegen: "Lasst eure Kinder zu Fuß zur Schule gehen." Regierungen empfangen die Schüler, Söder verschärft das Bienenvolksbegehren in Bayern noch mal erheblich zu Gunsten der Natur. Die Schüler stellen strenge Forderungen und verlangen konkrete Gesetze, zuvor würden sie nicht zu streiken aufhören. Mein Herz tat einen Jubelschrei, ähnlich wie 1995, als mit oeco capital die erste ökologische Versicherung gegründet wurde.
Ja, es kann natürlich sein, dass dies alles nichts hilft und im Sande verläuft, eine Partei daraus wird, das Machtgerangel anfängt und die Welt doch zu Grunde geht.

karl@abacusonline.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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