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Die neue Osho Times

Raus aus den alten Mustern

Text: Shreyas

Die neue Osho Times begeistert mich. Trotzdem muss ich 29 Jahre zurückgehen, zu dem Tag, als Osho uns zumindest in körperlichem Sinne verließ. Ich kann mich erinnern, dass ich sofort schaute, was das für mich bedeutet. Mir wurde klar, dass sich etwas Grundlegendes verändern würde. Es würde etwas Neues passieren.

Eine Religion ist ein toter Körper

Osho betonte immer wieder, wie wichtig es sei, mit einem lebenden Meister zu sein: "Nur ein lebender Meister kann dir eine Ahnung vermitteln, was dich an dem anderen Ufer erwartet. Eine Religion, eine Tradition ist ein toter Körper. Jesus und Buddha waren ein Licht in dieser Welt. Aber das ist tausende Jahre her."
Ein Meister würde dich auf Wege führen, die du nicht gehen würdest, wenn es nach dir ginge. Er würde dein Ego zermalmen. Ich bin Wege "gegangen worden", die ich niemals ohne ihn gegangen wäre. Da ich immer relativ radikal im Denken war, wurde mir am 19.Januar 1990, als Osho starb, klar, dass ich ab sofort kein Sannyasin mehr wäre. Sannyasin bedeutete für mich immer, mit einem Meister zu sein, der mich sinnlose Löcher schaufeln oder 10 000 Zeltplattformen nageln lässt.
Es war mir auch klar, dass es jetzt vermutlich nicht mehr lange dauern würde, bis eine Religion entstehen würde. Denn die meisten Menschen sind, gerade auch wenn sie spirituell sind, Machtmenschen: Sie nehmen für sich in Anspruch, recht zu haben. Diese Egos wollen bestimmen und Macht über andere Menschen ausüben. Wir sehen es ja täglich in allen toten Religionen der Welt. So würde es auch bei uns sein, denn Menschen, die absolut nicht erleuchtet sind, würden über diese Religion bestimmen.

Das Jetzt bleibt nicht stehen!

Vielleicht ist es bei uns noch nicht ganz so weit. Meine Beobachtungen über die letzten 30 Jahre weisen jedoch deutlich darauf hin. Auch bei uns ist einiges passiert. Die von Osho geschaffenen Strukturen haben sich verändert, teils aufgelöst, verschiedene Richtungen sind entstanden, viele der 21 des Inner Circle sind, auch wegen Machtkämpfen und unterschiedliche Auffassungen, ausgeschieden. Auch die Diskussionen in Facebook über Wild Wild Country zeigen, dass es komplett unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was ein richtiger Sannyasin ist. Und die Diskussionen zeichnen sich auf keinen Fall durch große Toleranz aus. Auch was über die Jahre hin in der Osho Times geschrieben wurde, folgte immer einem bestimmten Muster, von dem sich weniger und weniger Sannyasins angesprochen fühlten.
Denn das Saublöde, was passiert, wenn ein Meister stirbt (jaja, selbst das ist ein verbotenes Wort), ist, dass das Jetzt nicht stehen bleibt. Wer dann in der Vergangenheit verharrt, verliert das Wichtigste, was uns Osho gelehrt hat: Das Here and Now. Doch wie mit diesem Jetzt umgehen, wenn einem der Meister nicht mehr sagt, was zu tun ist?
Was tun? Das Konsequenteste wäre, sich einen anderen lebenden Meister zu suchen. Manche sagten sich vielleicht: "Also, allzu weit hab ich es nicht auf dem Wege der Erleuchtung gebracht, lass mich mal zum Punjaji gehen." Ich gehörte nicht dazu, aber manchmal habe ich es auch schon bereut, denn so viele, die dort hingingen, haben sich für erleuchtet erklärt. Ich finde, da kann man echt nix sagen dagegen. Oder fällt das unter den Paragrafen: "Du sollst keine fremden Götter …". So fände ich beispielsweise eine Osho Times Ausgabe mit dem Thema: "Erfahrungen eines Sannyasins bei einem neuen Meister" sensationell und getragen vom Geiste der Toleranz und Freiheit.
Dann gab es aber die, und zu denen gehörte ich auch, die sich sagten: "Also wenn ich das beim Osho nicht gelernt habe, dann lerne ich das beim nächsten auch nicht."

Besonders erleuchtet finde ich uns nicht!

Alles ist da. Die Meditationen, die Bücher, die Liebe, die Therapien, das, was ich gelernt habe. Aber ich muss auch sagen und gestehen und habe es auch bei meinen Freunden gesehen: Besonders erleuchtet finde ich uns nicht. Aber man kann es sich sehr schnell einreden. Denn das Blöde ist natürlich, dass Osho zwar immer etwas getan, gesagt und vorgeschlagen hat, dass dies aber immer für den Moment galt und sich änderte – von Tag zu Tag und von Person zu Person. Wenn ich Osho lese oder höre, wir brauchen ja nicht darüber reden, das ist einfach genial. Aber was ist, wenn etwas Neues passiert?
In meiner Wahrnehmung – und jetzt kommen wir zur Osho Times, war es immer in etwa so: "Einleitung: Die Welt ist böse und verdorben und wird von Politikern und anderen Verantwortlichen in eine Katastrophe geführt." Dann wird Osho zitiert, was er gesagt hat, und das wurde dann als Lösung angeboten – und der Schlusssatz war dann meist: "Wenn alle tun würden, was Osho gesagt hat, dann wäre die Welt gerettet."
Das ist mir zu einfach, und ehrlich gesagt auch ein bisschen zu langweilig auf die Dauer. Das ist ein bisschen so, wie die 450 Facebook Postings, die ich jeden Tag bekomme. Man sieht ein nettes Bildchen oder eine angeblich sinnvolle politische Aussage, und diese wird dann weitergeleitet. Ich habe so gut wie noch keinen einzigen eigenen Gedanken zu hören bekommen. Kein Text, kein Gedicht, keine Aktion.

karl@abacusonline.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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