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Let’s go high

Auf welchem Niveau wollen wir uns bewegen?

Text: Pantha

Vor anderthalb Dekaden, als George W. aus dem texanischen Bush gekommen war, um die Welt das Fürchten zu lehren, war ich noch so naiv anzunehmen, dass es nun nicht mehr weiter abwärts gehen könnte. Wie sehr ich mich doch getäuscht hatte. Acht Jahre litt ein Großteil der US-Bürger darunter, dass erstmals ein farbiger Präsident die Geschicke des Landes lenkte. Ein Irrtum der Geschichte, wie sie meinten. Dieser wurde dann im November letzten Jahres endlich korrigiert, und der aus dem Tower, kam betrat die Bühne der Weltpolitik, um seine Emotionalitäten jetzt auch Kraft seines Amtes in die Gegend zu trumpeten.

Erschütterungen

Obwohl man sich in allen Ländern von offizieller Seite her bemühte, die Ruhe zu bewahren, um weiter Realpolitik betreiben zu können, löste diese Wahl starke Erschütterungen aus – nicht nur in den USA, sondern weltweit. Seit dem Vietnamkrieg sind in den USA nicht mehr so viele Menschen auf die Straße gegangen. Die Polarisierungen der verschiedenen Positionen rund um den Globus nehmen zu, Radikale und Populisten erhalten immer mehr Zulauf und auch in unserer europäischen Nachbarschaft brennt es in mehreren Regionen.
Doch ich will hier nicht eine weitere sozialpolitische Analyse abliefern oder auf einen derjenigen Menschen eindreschen, die in diesen Tagen als politische Bösewichte gelten, sondern lediglich eine Frage stellen. Diese Frage lautet: Auf welchem Niveau wollen wir uns künftig bewegen? Und mit wir meine ich sowohl mich selbst als auch jeden anderen von uns.

Profi-Glanz?

Wie immer bei großen historischen Zusammenhängen wird es wohl auch hier einen gewissen zeitlichen Abstand brauchen, um die Bedeutung der Präsidentschaft Barack Obamas differenziert einschätzen zu können. Aber schon heute ist offensichtlich, wie sehr er selbst als auch Michelle Obama sich von ihren Vorgängern und Nachfolgern unterscheiden. Unabhängig von ihren politischen Handlungen, über die man geteilter Meinung sein kann, haben sie das Weiße Haus mit etwas gefüllt, was lange gefehlt hat, nämlich Stil.
Manche bezeichnen die beiden sogar als Glamourpaar. Das sei dahingestellt. Aber es war für mein Empfinden kein Glanz, der vom Amt auf sie abfärbte, sondern sie haben dem Amt zu neuem Glanz verholfen. Und ich rede hier ganz bewusst in der Mehrzahl. Denn das Bild des erfolgreichen Mannes, der von seiner Angetrauten im Hintergrund still und unauffällig unterstützt wird, greift hier nicht. In Michelle hat Barack Obama eine Partnerin gefunden, die ihm mindestens ebenbürtig ist. Es gab Umfragen, nach denen Michelle – hätte sie kandidiert – die Wahl mit deutlichem Vorsprung gewonnen hätte.
Worin liegt aber die Faszination, die für viele Menschen von diesen beiden Menschen ausgeht? Sind sie lediglich routinierte Polit-Profis, die Politik auch als Show begreifen und sich in den Medien als Stars vermarkten, die nebenbei auch noch einen sozialen und politischen Auftrag zu erledigen haben, oder steckt mehr dahinter? Ich glaube, dass deutlich mehr dahinter steckt.

Oder Niveau-Ausgleich?

Wir alle kennen Menschen, die sich mit allen Mitteln nach oben geboxt und getreten haben, um anschließend fragwürdige Machtpositionen einzunehmen, die sie dann blindwütig verteidigen. Aber es gibt auch Menschen, die durch ihre Ausstrahlung, ihre Motivation und ihre Intelligenz scheinbar wie von selbst nach oben getragen werden, wobei auch sie alles gegeben haben – aber eben anders.
Letztendlich reduzieren sich die Möglichkeiten, die uns bleiben, um einen Niveau-Ausgleich herbeizuführen, auf zwei Varianten. Entweder erheben wir uns auf das Niveau des Menschen, dem wir uns unterlegen fühlen, oder wir versuchen ihn zu uns herunterzuholen. Wenn ich mich in der Welt so umschaue, scheint die zweite Variante die Regel zu sein. Doch hier handelt es sich lediglich um die aktive Form.
Die passive Form ermöglicht uns zwei weitere Varianten: Wir können uns von etwas erheben oder von etwas herunterziehen lassen. Hier bewegen wir uns schon in ziemlicher Nähe zu der Philosophie, die als Tun durch Nicht-Tun bezeichnet wird.
Genau hier hat Michelle Obama angesetzt, als sie ungewollt den Überbegriff für den Wahlkampf der Demokraten gepägt hat: "If they go low, we go high." Sinngemäß übersetzt etwa: Wenn sie uns mit Niedertracht behandeln, verhalten wir uns vorbildlich. Und sie beschwor die Menschen, sich daran zu erinnern, dass dieser Stil der verbalen und ideologischen Ausfälle "nicht den wahren Geist dieses Landes repräsentieren".

mail | www.achim-rohrer.com

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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