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Overworked and underfucked

Turbosex im Zeitalter der Digitalisierung

Text: Avinasho

Wie schnell das geht! Wie schnell die Digitalisierung nicht nur unsere Arbeitswelt, unser Kommunikationsverhalten, Politik und Infrastruktur verändert hat – jetzt ist auch unser Sexualleben dran.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll? Vielleicht im Dortmunder Bor­doll? Dort vergnügen sich Männer, die von echten Frauen genervt, gestresst und/oder überfordert sind, mit Puppen. 2017 wurde das Etablissement, das mit dem Spruch "The New Generation of Sex" Werbung macht, eröffnet. Es ist kein Puff, weil dort keine echten Frauen arbeiten, deswegen kann sich das Bordoll auch außerhalb der Sperrzone ansiedeln. Es gibt Treuepunkte, Second-Hand-Verkauf und ein Gästebuch, in dem Besucher nach anderen Männern für einen Dreier suchen können. Und die Silikonhaut soll so schön weich sein.

"Sie sind immer da und gehen nicht fremd!"

Was ist an Sex-Puppen digital? Sie können jetzt digital personalisiert werden. Das kostet, ist aber sehr gefragt: Käufer können Haar und Augenfarbe, Größe der Puppe und Größe ihrer diversen Körperöffnungen etc. bestimmen. Teure Puppen können mit den Augen flirten, und künstliche Intelligenz bringt ihnen immer mehr Worte für die Unterhaltung bei. In einer SPIEGEL-Online-Reportage berichtet ein Mann, der mit zwei Puppen lebt: "Wenn ich nach Hause komme, sind sie immer da und ich weiß, sie sind nicht fremdgegangen." Die Fotografin Benita Marcussen hat dazu verstörende Fotos gemacht von Männern, die immerhin mutig genug waren, sich mit ihren bizarren "Frauen" fotografieren zu lassen.

Und: Man kann sie abschalten!

In Japan, wo 3D-Projektionen eines singenden Manga-Mädchens – sie heißt Miku – die ganz großen Konzerthallen füllen, gibt es Männer, die sich mithilfe eines virtuellen Sprachassistenten (das ist so was Ähnliches wie Alexa) und mit dem Hologramm von Miku zu Hause unterhalten. Ein "Girl in the Box" quasi. Und das Schönste scheint zu sein: Das Mädel altert nicht, widerspricht nicht, und gerade weil sie kein Mensch ist, ist sie die ideale Projektionsfläche. Und das Allerschönste: Man kann sie abschalten! Daneben hat keine echte Frau eine Chance. Japanische Kulturwissenschaftler sprechen daher vom "Wunsch nach einer kontrollierbaren, zahmen Weiblichkeit". Wenn ich so was lese, dann möchte ich gleich lesbisch werden.

"Haste Bock?"

Was gestern Hardcore war – Fetischismus, BDSM, Swingerclub –, gilt heute als Mainstream. Und Tinder macht Plakatwerbung für One-Night-Stands: "Hey, laut App bist du in der Nähe. Haste Bock?" Eine Wisch-und-weg-App für Ungeduldige und Balzfaule, also solche, die zum Flirten zu träge, zu faul oder zu verklemmt sind und sich dann wundern, wenn sich mit 30 schon der große Überdruss einstellt. Angeblich überfordert die Qual der Wahl die Dauer-Dater, sie verlernen die direkte Kommunikation und fürchten die Ablehnung im echten Leben (Mir kommen gleich die Tränen!). Sexualität wird zum Konsumgut, Verbindlichkeit (igitt!) bleibt auf der Strecke, denn der Algorithmus hat auf der Stelle eine noch bessere Frau, einen noch besser passenden Mann in petto.

Thema Nummer 1: Unlust

Wo ist der Ausweg? Dr. med Heike Melzer kennt ihn. Die Neurologin und Psychotherapeutin erklärt uns die Liebe im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Und zwar so: Wenn der graue Alltag sich über eine Beziehung gelegt hat, kommen die digitalen Alternativ-Vergnügungen zum Zug. Aus ihrer Praxis weiß sie, dass die Zahl der Orgasmen ohne (verbindlichen) Partner massiv zugenommen hat. Lustlosigkeit ist das Thema Nummer 1 in der Partnerschaft, die Menschen seien "overworked und underfucked", heißt, zu viel Stress in der Arbeit oder noch viel mehr Stress, weil keine Arbeit.
Diese Unlust sei aber nicht generell sondern partnerbezogen. Auch Frau Melzer erzählt jenen Witz, den wir bei Osho schon gehört haben: "Präsident Kulitsch besichtigt mit einer Frau eine Hühnerfarm, die sie getrennt inspizieren. Am Ende sagt Frau K. begeistert: "Der Hahn treibt es 12 mal am Tag!" Woraufhin Herr K. erwidert: "Aber nicht mit derselben Henne!"

www.susanne-maria-elten.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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