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Neues wagen

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Zaki, eine kraftvolle Produzentin

Als Kind hat Zaki Doris Zander ihrem resoluten Vater Kontra gegeben. Als Betreuerin der Disco-Formation Boney M. hat sie ihr erstes Geld verdient. Als Filmproduzentin ist sie seit vielen Jahren gut im Geschäft und als Sucherin äußerst dankbar für Momente in der Natur. Mit Ole Skambraks hat sie über Heimat und Aussöhnung gesprochen.

Das Interview mit Zaki führte Ole

Osho Times: Dein neuester Film "Endlich Witwer" mit Joachim Król in der Hauptrolle handelt von einem garstigen, kratzbürstigen Geschäftsmann, dem plötzlich seine Frau "wegstirbt" und der das Leben neu entdecken muss. Im Mailaustausch zu diesem Interview hast du geschrieben, der Film sage einiges über dich aus. Kannst du uns erzählen, was das genau ist?

ZAKI: Also, ich bin nicht die Autorin oder Regisseurin des Films. Ich bin die Produzentin, die alle Dinge zusammenführt. Ich war aber ganz viel im Austausch mit Martin Rauhaus, der die Idee zu "Endlich Witwer" hatte und das Drehbuch geschrieben hat. So ist Erlebtes von mir mit in das Werk eingeflossen. Ich habe zum Beispiel auch eine dysfunktionale Familie. Mein Vater war ein Patriarch und meine beiden älteren Brüder konnten sich nicht gegen ihn wehren, so wie es Gert im Film tut (Anm. d. Redaktion: Gerd ist im Film der Sohn von Joachim Król, gespielt von Tristan Seith). Gert spricht ja seine Wut aus und setzt etwas dagegen, wenn der Vater sich wie ein Kotzbrocken benimmt. Bei uns war es so, dass ich schon als Kind gesagt habe, was mir nicht passt, und meinem Vater Grenzen gesetzt habe. Das hat mich "überleben" lassen, er hatte Respekt vor mir.

Der Vater im Film schafft es durch das Spüren seiner Einsamkeit, aufzumachen. Er merkt, eigentlich vermisst er seine Kinder, auch wenn er oft gedacht hat, dass er sie scheiße findet und dass sie langweilig sind. Gab es so einen versöhnlichen Moment deinem Vater gegenüber auch bei dir?

Mein Vater ist vor drei Jahren verstorben mit stattlichen 95 Jahren. Er hat diese versöhnliche Brücke zu meinen Brüdern leider nicht mehr hinbekommen – meine Brüder allerdings auch nicht! Für mich war es einfacher, weil ich durch meinen Weg mit Osho, durch Therapien und viele Gruppen nichts ausgelassen habe. Das hat mir ermöglicht, einen sanfteren Blick auf meine Kindheit zu werfen. Da sind kein Groll oder Vorwürfe, dass meine Eltern einiges falsch gemacht haben. Ich habe es dann irgendwann verstanden und den Familienkram loslassen können.

Gab es da für dich Schlüsselmomente?

Sicherlich ist einer von vielen Schlüsselerlebnissen der Path of Love (POL) mit Rafia und Turiya. Dadurch konnte ich mit meinem Vater Frieden schließen. Ich saß am Ende an seinem Sterbebett und habe zusammen mit ihm geatmet, bis er nicht mehr wollte. Er konnte nur schwer loslassen. Da habe ich zu ihm gesagt: "Alles erledigt – du darfst gehen. Wir kümmern uns schon." In dieser Nacht ist er gegangen. Für mich gab es also einen liebevollen Abschied. So etwas ist unwiederbringlich! Ich glaube, so lange deine Eltern leben – egal wie es mit ihnen war –, dich mit ihnen zu Lebzeiten auszusöhnen ist eine gute Sache. Wenn sie richtig Scheiße gebaut haben, geht es nicht ums Verzeihen. Dann braucht es ein Verständnis für die Umstände und deine Möglichkeit ins Herz zu gehen. Da bin ich zutiefst Osho, Eckart Tolle, Mooji, Thich Nhat Hanh, Ken Wilber und einigen anderen großen Lehrern dankbar.

Das sind die Meister, die dich inspirieren?

Das sind alles meine Lehrer. Ich bin Ende der 80er Sannyasin geworden. Ich hatte gerade meine Reise nach Poona geplant, als die Nachricht kam, dass Osho im Sterben liegt. Da habe ich mich nicht mehr getraut zu fliegen und habe in Berlin Sannyas genommen. Die tiefste Prägung habe ich sicherlich durch Oshos Lehren erfahren. Das ist auf einem guten Platz in meinem Herzen und ich empfinde eine große Dankbarkeit. Gleichzeitig bin ich von anderen Lehrern sehr fasziniert und folge unterschiedlichen Meistern.

In der Filmbranche wird ja oft mit harten Bandagen gekämpft und spätestens seit der #MeToo-Debatte ist klar, dass es dort sehr sexistisch zugeht. Wie schaffst du es da, bei dir und deiner inneren Wahrheit zu bleiben?

Die Dynamische Mediation hat mir früher oft geholfen. Wenn ich zum Beispiel einem richtigen Arschloch begegnet bin, habe ich die Dynamische gemacht und ihn so lange verprügelt, bis die Wut weg war. Die Dynamische fand ich einfach grandios! Und ansonsten ist es eigentlich relativ einfach: Wenn wir das, was Osho über Nichtdualität oder Eckhard Tolle über den Schmerzkörper immer wieder verlautbaren, wahrhaftig verinnerlichen, dann gibt es keine Trennung mehr zum Gegenüber. In jeder Seele ist das Göttliche. Im Idealfall auch in dem Typen, mit dem du die große Auseinandersetzung hast. Das gelingt mir auch nicht immer, aber ich möchte "frei" sein. Das ist mein Wunsch, dies wirklich zu leben und nicht hier und da einen Workshop zu machen mit wunderbaren Erlebnissen, die dann im Alltag wieder ganz schnell vergessen sind. Die Übung und die richtigen Menschen um dich herum machen viel aus.

Hast du Dinge, die dich durch den Tag begleiten, um dieses Bewusstsein aufrechtzuhalten?

Das ist auf jeden Fall die Natur. Ich achte darauf, dass ich oft in den Wald komme. Hier kann ich mich ganz schnell verbinden und erholen. Und ich schwimme gerne. Im Sommer liebe ich es, mit dem Fahrrad zum nahegelegenen See zu fahren. Ansonsten ist es eine Form von Meditation, die variiert. Ich muss Abwechslung in den Start des Tages bringen, weil es sonst zu sehr Routine wird und ich nichts mehr spüre. Mooji hat zum Beispiel eine Meditation, die heißt einfach "Danke". Dabei gehst du jeden Tag durch deine Wohnung und schaust alles, was da ist, an und bedankst dich dafür. Nach ein paar Tagen siehst du deine Pflanze, die Stereoanlage, das Bild, den Sessel mit ganz anderen Augen. All das ist dann nicht mehr so selbstverständlich. Im "Danke" ist alles drin, wenn du es wirklich meinst und spürst. Selbst wenn dich jemand nervt oder sich schlecht benimmt. Ein leises "Danke" ändert Welten. Es kann ja auch einfach ein "Danke" für diese Erfahrung sein. Das versuche ich eigentlich mir immer wieder bewusst zu machen. Damit geht es mir besser, als dem Gegenüber eins auf die Zwölf zu geben oder zurückzumeckern 😉 .

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www.zander-production.de

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.



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