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Osho-Diskurs

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Die Zukunft liegt in der Kommune

Fragen an Osho

Vieles von dem, was einem einst ein Gefühl der Zugehörigkeit bescherte, gibt es nicht – den Stamm, die Familie, die Ehe, ja sogar Freundschaft. Was ist nur los? Was kommt als Nächstes?

Was da heute geschieht, ist etwas Schönes, etwas wirklich Großartiges. Ja, der Stamm hat ausgedient. Die Familie hat ausgedient. Die Ehe hat ausgedient. Die Freundschaft hat ausgedient … So weit, so gut: Denn dann darf man endlich man selbst sein.
Der Stammesangehörige ist nur eine Nummer im Stamm. Der Stammesangehörige ist der primitivste, der am wenigsten entwickelte Mensch, mehr Tier als Mensch. Er existiert nur als eine Nummer in seinem Stamm. Wie gut, dass es keine Stämme mehr gibt. Und nach ihnen kamen die Familien.
Als das geschah, war die Familie ein großer Vorteil, da der Stamm viel zu unüberschaubar war; die Familie war eine kleine Einheit. In der Familie hatte man mehr Freiheit als im Stamm. Der Stamm war sehr diktatorisch und sehr mächtig. Der Boss, der Stammeshäuptling war allmächtig, und zwar dermaßen, dass er dich umbringen konnte. In völlig unentwickelten Ländern gibt es noch immer ein paar Stämme. In Indien gibt es ein paar Stämme von Ureinwohnern.
Ich habe sie einmal besucht. In Rajpur habe ich mich nur deswegen um eine Professur bemüht, weil es von da nicht weit ist bis zum allerprimitivsten Stamm in Indien, in Bastar. Das ist ein winziger Staat von Ureinwohnern, wo die Leute immer noch nackt leben und rohes Fleisch essen. Vielleicht sind sie ja Menschen aus einer Zeit, als man noch nicht verstand, sich das Feuer nutzbar zu machen und weiterhin rohes Fleisch essen musste.
Sie sind sehr schlicht, unschuldig; was jedoch ihren Stamm mitsamt seinen Sitten und Traditionen betrifft, äußerst orthodox. Völlig undenkbar, dass sich irgendwer gegen den Stamm auflehnt. Er würde auf der Stelle getötet, ihrem Gott geopfert; denn wer dem Stamm nicht gehorcht, erzürnt ihren Gott – und der Stamm kann sich den Zorn seines Gottes nicht leisten.
Der Stamm hat die Tradition fortzuführen, die sein Gott selber gestiftet hat. Er hat keine heilige Schrift, er hat überhaupt kein Schrifttum. Folglich verfügt der Priester, der zugleich der Boss ist, über jegliche Macht. Und in so einem Stamm ist es unmöglich, sich aufzulehnen und weiterzuleben.
Flucht ist ausgeschlossen, denn keiner da draußen wird dich aufnehmen. Sie kennen keine Sprache außer der eigenen, sie sind nackt … Nur ein Mal im Jahr, wenn eine kleine Gruppe von ihnen nach New Delhi fährt, um am 26. Januar den Republican Day mitzufeiern, an dem Indien zur Republik wurde, tragen sie einen Lendenschurz.
Nur ein Grüppchen, dem man beigebracht hat, ein paar Brocken Hindi zu sprechen und einen Lendenschurz anzulegen … "denn da dürft ihr nicht nackt rumlaufen, vor allem nicht, wenn ihr vor dem Premierminister und all den Botschaftern und geladenen Gästen aus der ganzen Welt erscheint. Zumindest dann solltet ihr euch anständig anziehen!"
Also wird eine kleine Gruppe dressiert. Jedes Jahr fährt dieselbe Gruppe dorthin, weil sonst keiner auf so etwas Lust hat.
Von Rajpur aus war es nicht weit bis zu diesem Stamm, also besuchte ich ihn, um herauszufinden, wie sich sein Machtgefüge auf seine Mitglieder auswirkt. Es hat sie absolut im Griff und duldet keinerlei Widerspruch. Man kann den Stamm zwar verlassen, findet sich draußen aber nicht mehr zurecht, da man ganz auf die Lebensweise des Stammes angewiesen ist. Wer außerhalb des Stammes dabei ertappt wird, wie er rohes Fleisch isst – sie töten einfach nur ein Tier und fangen an es zu essen –, der wird sofort von der Polizei verhaftet. Wer sich nackt nach draußen wagt, wird sofort geschnappt.
Sie kennen keine Sprache, sie haben keine Ausbildung. All ihre Fertigkeiten nützen ihnen nur in ihrem Stamm – etwa ein bestimmter Tanz oder Trommelrhythmus. Doch der wird nirgendwo anders benutzt als in ihrem Stamm. Somit kann niemand denn Stamm verlassen; es gibt keinerlei Bewegungsfreiheit.
Und es ist unmöglich, innerhalb des Stammes zu leben und sich gegen seine Sitten aufzulehnen. Sobald der Häuptling dahinterkommt, hat er ein Opfer für ihren Gott gefunden. Dann versammelt sich der ganze Stamm und unter Tänzen und viel Lärm wird ein Scheiterhaufen angezündet – und der Ärmste wird als Opfer ihres Gottes ins Feuer geschoben.
Der Stamm war ein geistiges Kollektiv. Es existiert nach wie vor in eurem kollektiven Unbewussten.
Die Familie war damals ein Fortschritt, denn mit ihr gehörte man zu einer kleineren Einheit, bekam man ein wenig Freiheit. Und man wurde von der eigenen Familie beschützt. Inzwischen stirbt allmählich auch die Familie. Denn das, was einen einerseits beschützt, wird andererseits auch hinderlich.
Das ist genauso, wie wenn man einen kleinen Setzling pflanzt und ihm einen Schutzzaun gibt. Nur darf man nicht vergessen, den Schutzzaun wieder zu entfernen, wenn der Baum herangewachsen ist, denn sonst zwängt der Zaun ihn ein. Anfangs war der Baum dünn wie ein Finger; deswegen hatte man ihn ja eingezäunt – um ihn vor Tieren und Kindern zu schützen. Doch je dicker der Stamm wurde, desto mehr behinderte ihn der Zaun statt ihn zu schützen. Jetzt muss er entfernt werden.
Jetzt ist es so weit: Die Familie bietet keinen Schutz mehr. Sie ist hinderlich. Sie war ein Riesenschritt weg vom Stamm. Jetzt ist ein weiterer Schritt fällig: von der Familie zur Kommune.
Die Kommune gibt euch jegliche Freiheit, die ihr braucht, ohne euch irgendwo zu behindern. Somit sage ich, es ist gut, dass der Stamm verschwunden ist und die Familie sich auflöst.

…

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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