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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Achtsamkeit – die Blüte des Loslassens

Fragen an Osho

Werde ich, wenn ich die Dynamische Meditation gemacht habe, mit der Zeit tiefer meditieren können?

Mit der Zeit wirst du mehr Tiefe gewinnen. Du wirst immer tiefer gehen können, so wie jemand, der einen Brunnen aushebt. Er gräbt immer weiter, mit denselben Werkzeugen, mit derselben Geschwindigkeit, mit derselben Methode. Nach und nach wird alle Erde entfernt und der Brunnen, wird tief, tief, tief gehen – bis irgendwann die Quellen sprudeln.
Die ewigen Quellen sind da – du brauchst nur die Erdschichten restlos zu beseitigen. Grab immer weiter, so wie bisher, mit derselben Methode, mit denselben Werkzeugen. Du brauchst gar nichts zu ändern, die Erdschichten sind dieselben; du brauchst sie nur restlos zu entfernen. Das Wasser ist da und wartet auf dich – das Wasser des tiefen Unbewussten.
Ansonsten gräbst du immerzu die trockene Erde aus – auch wenn es nicht dieselbe Erde ist, denn was du ausgegraben und weggeworfen hast, ist nicht mehr da. Aber da muss immer noch mehr Erde ausgegraben werden.
Dieses Graben betrifft nur dich und deine Meditation; es betrifft nicht die Explosion. Die Explosion kommt als Höhepunkt, sie findet im Nu statt. Sie explodiert in dir, du explodierst mit ihr. Das geschieht jenseits der Zeit.
Grab also einfach nur weiter. Das ist ein langweiliger und monotoner Job. Eine Arbeit, bei der du auf Schritt und Tritt Fortschritte machst, ist nie langweilig: Es geht vorwärts, also treibt dich dein Ehrgeiz an, mehr und mehr zu leisten. Das Meditieren jedoch ist bis zu einem bestimmten Punkt durchweg langweilig, durchweg eintönig. Es scheint immer dasselbe zu sein, obwohl es gar nicht so ist. Du gelangst mit jedem Moment immer tiefer – auch wenn du, bis du in deiner innersten Tiefe explodierst, nie einschätzen kannst, wie tief du gekommen bist.
Wenn es so weit ist, wirst du noch im selben Moment wissen, dass der Prozess beendet ist. Bis dahin tappst du einfach nur im Dunkeln, hoffnungslos hoffend, da alles umsonst zu sein scheint. Und dann passiert es auf einmal. Zur Tiefe gelangt man nicht Schritt für Schritt, jedenfalls was die Meditation selbst betrifft: entweder ist sie da – oder nicht.
Du wirst dich also gedulden müssen. Und natürlich dauert es, je nachdem wer du bist, mal länger, mal weniger lang. Niemand weiß, wie viel Erde sich zwischen ihm und seiner Tiefe angesammelt hat. Möglicherweise ist die Schicht ganz dünn und zerbricht schon beim ersten Versuch. Möglicherweise hast du ganze Leben lang damit verbracht, Schicht für Schicht aufzubauen. Es kommt also auf jeden Einzelnen an.
Aber eines ist wichtig: Geduld – geduldig und ohne Hoffnung auf Ergebnisse weiterzumachen. Das bedeutet Geduld: ohne Hoffnung auf Ergebnisse weiterzumachen. Wer Ergebnisse fordert, wer sich nach ihnen sehnt, kann sein Ziel vergessen. Eigentlich fordert nur die Ungeduld ein Ergebnis. Wenn du aber die Meditationstechnik geduldig weiter praktizierst, stellt sich die Veränderung von selber ein. Ohne Erwartung durchzuhalten, ist an sich schon eine große Veränderung. Selbst wenn dir die Meditation nichts bringt, wirst du dich verändern; denn um geduldig etwas zu tun, ohne Ergebnisse zu erwarten, muss man eine enorme Ausdauer haben, eine Menge aushalten können. Diese Ausdauer wird allmählich immer belastbarer werden.
Angesichts der ganzen Verdrängungsschicht, die sich zwischen dir und deinem Innersten angesammelt hat, mag es lange dauern, bevor es zur Explosion kommen kann. Ohne absolute Geduld und Entschlossenheit wirst du den Schock der Explosion gar nicht ertragen können. Die Explosion der Glückseligkeit ist dermaßen intensiv, dass du eine tiefe Fähigkeit brauchst, um sie auszuhalten. Das erfordert einen starken inneren Willen.
Ein äußerst starker Wille ist erforderlich. Da mag die Schicht zwischen dir und deinem Innersten noch so dünn sein – die nötige Willensstärke entwickelst du nicht von heute auf morgen. Wer es aber aushält, auf Ergebnisse zu verzichten, entwickelt die Kraft zu enormen Ergebnissen; andernfalls kommt er für den großen Augenblick nicht infrage. Wenn dich die Glückseligkeit unvorbereitet überwältigt, wird sie unerträglich sein. Du wirst wahnsinnig werden und für immer aus dem Gleichgewicht geraten. Das ist ein gewaltiges, ja ein kosmisches Ereignis – so als ergösse sich das Meer in einen Tropfen! Darauf musst du vorbereitet werden und diese Vorbereitung besteht darin, dich geduldig, ununterbrochen anzustrengen.
Erwarte keine Ergebnisse; warte geduldig. Das ist die eigentliche Bedeutung von shraddha (Glaube) – nicht an irgendetwas zu glauben, sondern an sich selbst zu glauben; nicht an irgendeinen anderen zu glauben, sondern an sich selbst zu glauben.
Mit der Zeit kommst du immer tiefer. Nicht etwa, weil die Zeit verstreicht, sondern aufgrund deiner Geduld – weil du trotz der Eintönigkeit durchgehalten und keine Ergebnisse erwartet hast. Ohne Erfolg hast du dennoch weitergemacht; hast du weder aufgegeben noch in deinem Eifer nachgelassen! Dies stärkt den Willen, und dies befähigt dich, die Explosion auszuhalten, wenn sie kommt. Um vom Kosmischen geschwängert zu werden, ist eine spezifische Reife erforderlich – genauso wie es eine spezifische Reife erfordert, um Mutter zu werden. Bei dieser spirituellen Befruchtung kommt das Kosmische zu dir: auf dass du selbst wiedergeboren wirst.
In Indien sagt man, dass der Brahmane, der kshatriya und der vaishya zweimal, der sudra aber nur einmal geboren wurde. Ich sage: Wer nur einmal geboren wurde, ist ein Sudra; wer nicht vermocht hat, ein zweites Mal geboren zu werden, wiedergeboren zu werden, ist ein Sudra. Somit sind wir alle Sudras, Unberührbare, weil uns das Göttliche nicht angerührt hat.
Doch diese Wiedergeburt wird nur dem zuteil, der geduldig und aufrichtig ist. Warte darauf, bete darum, hoffe darauf – aber habe es nicht eilig.

Aus: The Great Challenge, #3

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Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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