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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Die höchste Blüte menschlichen Bewusstseins

Fragen an Osho

Was bedeutet die mystische Vorstellung ­einer endgültigen Wirklichkeit?

Maneesha, die mystische Vorstellung einer endgültigen Wirklichkeit ist die einzig authentische, wirkliche Erfahrung. Sie ist weder ein Gedanke noch eine Vorstellung, sondern eine existenzielle Erfahrung.
Aber der Mystiker lässt den Verstand links liegen. Ihm geht es einzig und allein darum, dem Gefängnis namens Verstand zu entrinnen. Der Mystiker ist kein Philosoph; seine Welt liegt jenseits jeglicher Philosophien. Philosophien sind ja auch nur Ergebnisse von Denkprozessen. Sie spiegeln nicht die Wirklichkeit wider, sondern nur euch selber. Deswegen gibt es so viele Philosophien auf der Welt, die sich widersprechen.
Die Wirklichkeit ist eins. Woher also all diese Philosophien? Es gibt nicht mehrere mystische Erfahrungen, sondern nur eine; weder Zeit noch Raum ändern daran etwas. Seit Jahrtausenden existiert nur ein und dieselbe mystische Erfahrung – der Mystiker macht in jedem Land, jeder Rasse, jedem Zeitalter dieselbe Erfahrung. Der Philosoph denkt nur über die Wirklichkeit nach; der Mystiker stellt das Denken einfach ein. In seiner Stille, der absoluten Stille und seiner Heiterkeit spiegelt sich die Wirklichkeit wider.
Der Mystiker ist die höchste Blüte des menschlichen Bewusstseins. Seine endgültige Vision ist mit drei wunderschönen Worten zu beschreiben – Worten, die schon seit Jahrtausenden benutzt werden, ohne jemals einer Verbesserung zu bedürfen. Alle drei Wörter stammen aus grauer Vorzeit: satyam, shivam, sundram.
Satyam bedeutet das Wahre – nicht das, was ihr dafür haltet, sondern was es ist; nicht eure Vorstellung von Wahrheit, sondern wie sie wirklich ist. Um diese Wahrheit zu erkennen, muss man vollkommen abwesend sein. Eure bloße Anwesenheit verzerrt eure Sicht, denn ihr bringt ja auch euren Verstand mit – mitsamt seinen Vorurteilen und Prägungen. Ihr seid nichts weiter als ein Bündel von allem, was euch eure Religionen, eure Gesellschaften, die sogenannten Führer der Menschheit aufgezwungen haben.
Indem ihr abwesend seid, ist auch keine Voreingenommenheit und kein geborgtes Wissen mehr da, egal ob christlich, hinduistisch oder muslimisch … lediglich ein blanker Himmel, ein reines Sein. Wenn ich von eurer Abwesenheit spreche, weise ich damit alles zurück, was ihr nicht seid.
Aber versteht mich recht: Diese eure Abwesenheit ist in Wirklichkeit eure Anwesenheit – minus euren Vorurteilen, minus eurem Ego, minus all eurem Wissen. Vielmehr kommt euer Sein dann in äußerster Reinheit zum Vorschein. Ihr verschwindet als Persönlichkeit, und was übrigbleibt, ist ein reines Da-Sein. Also ist einerseits alles Falsche abwesend, und andererseits alles anwesend, was euch wirklich ausmacht. In diesem Zustand denkt ihr nicht mehr, sondern erkennt einfach nur.
Dass er die Existenz erkennt, ist die erste Erfahrung des Mystikers – enthalten in dem Wort Satyam – also Wahrheit. "Satyam" bedeutet "die Wahrheit" – nicht irgendeine Vorstellung von ihr, sondern die Wahrheit an sich.
Das zweite Wort, Shivam, bedeutet Tugend – alles Gute, alles Wertvolle, kurz, euer innerster Schatz. Wer zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt ist, lebt sie augenblicklich: Er kann gar nicht anders. Shivam heißt, die gelebte Wahrheit. Shivam heißt, die Wahrheit zu befolgen – sie in eurem Leben, in eurer Liebe, in eurer Freundschaft, in euren Augen und in eurem Herzen unter Beweis zu stellen. Shivam ist die verwirklichte Wahrheit; die Wahrheit selbst ist das Auge des Hurrikans. Aber wer die Wahrheit erfährt, löst um sich her den Wirbelwind von Shivam aus: Sie wird zu reiner Göttlichkeit.
Ein Mann der Wahrheit ist der einzige Beweis, dass die Welt göttlich ist. Kein Argument vermag zu beweisen, dass die Welt göttlich ist.
Das erinnert mich an Ramakrishna, einen der bedeutendsten Mystiker überhaupt. Ein Logiker fragte ihn einmal: "Was ist Wahrheit? Hast du irgendein Argument, irgendeinen Beleg für sie?" Ramakrishna lachte sich kaputt und sagte:
"Sieh mich an: Ich bin der Beweis. Und wenn du den Beweis und den Beleg nicht in meinen Augen erkennen kannst, ist er nirgendwoanders zu finden. Ich bin der einzige Beweis, dass die Existenz nicht tot ist, dass die Existenz nicht nur Materie ist; dass nicht nur die Wissenschaft Zugang zur Existenz hat, und dass die Existenz weit mehr ist als nur Materie, dass du weit mehr bist als dein Körper, dass du weit mehr bist als dein Verstand…"
Aber für dieses "Weit-mehr" gibt es keinen logischen, keinen wissenschaftlichen Beweis – außer den Mystiker. Nur er ist der Beweis. Er kann es zwar auch nicht mit Worten beweisen, sondern nur durch seine Lebensweise. Die Lebensweise eines Mystikers ist die einzige Möglichkeit, mit dem Göttlichen um euch her in Kontakt zu treten. Ihr lebt zwar mitten im Ozean des Göttlichen, aber der Mystiker wird zu eurem ersten Fenster zum Nichtmateriellen, zum Spirituellen, zum Jenseits.
Shivam ist der Mystiker in Aktion – seine Gesten, die Musik seiner Worte, die Poesie seines Lebens, das Licht und die Tiefen seiner Augen. Egal ob er Holz hackt oder Wasser aus dem Brunnen holt, in jedem Handschlag ist ein feiner Unterschied zu erkennen. In allem, was er tut, geht er völlig auf. Und diese seine Rückhaltlosigkeit führt zum dritten Wort: Sundram.
Sundram bedeutet Schönheit. Dies also ist die mystische Dreieinigkeit: Satyam, die Wahrheit; Shivam, das Gute, das Göttliche; und Sundram, das Schöne.
Ihr kennt die Schönheit der Blumen, ihr kennt die Schönheit der Sterne, ihr kennt die Schönheit eines Vogels im Flug, ihr kennt die unerschöpflichen Schönheiten der Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge.
Doch es gibt keine größere Schönheit als die Rückhaltlosigkeit, die Intensität eines Mystikers. Wenn das Bewusstsein selbst erblüht, ist dies die größte Blüte in der ganzen Existenz. Die aber ist nur denen vorbehalten, die demütig genug sind, um sie zu empfangen, die sich nicht aus Angst und Paranoia vorm Leben verkriechen, sondern ein Leben voller Liebe leben, mit geöffneten Fenstern, und bereit sind, sich vom Leben leiten zu lassen, wohin es auch führt.
Diese empfänglichen Seelen sind die einzigen wirklichen Sucher auf der Welt. Diese empfänglichen Seelen werden mit der Erfahrung von Sundram gesegnet: die herrliche Rose, die im Herzen des Mystikers aufblüht. Diese drei Worte sind so einmalig, so unvergleichlich, dass es ihresgleichen nicht gibt.
Die Wahrheit ist die Erfahrung, Shivam ist das Handeln aufgrund der Erfahrung, und die Schönheit ist das erblühende Bewusstsein dessen, der die Wahrheit erfahren hat. Dieser Dreiklang ist die endgültige Wirklichkeit für alle, die den mystischen Weg wählen.
Dies ist eine Mysterienschule.

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Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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