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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Eine Welle in diesem grenzenlosen Meer

Fragen an Osho

Empfinde das Bewusstsein eines anderen als dein eigenes Bewusstsein. Werde so, ohne dich selbst zu berücksichtigen, zu jedem Lebewesen.

Die Existenz als solche ist eins. Das Problem des Menschen beruht darauf, dass er sich nur selber sieht. Jeder hat das Gefühl, ein gesondertes Bewusstsein zu haben; und es ist dieses Gefühl, von der Existenz getrennt zu sein, was alle Probleme erzeugt. Im Grunde ist dieses Gefühl falsch, und alles, was auf Falschheit beruht, wird zur Verzweiflung, zu Problemen, zur Verwirrung führen. Und was immer ihr auch tut – wenn es auf dieser irrtümlichen Getrenntheit beruht, wird es fehlschlagen.
Daher muss vor allem das Problem der menschlichen Verzweiflung ausgeräumt werden: Wie kommt es zustande? Das Bewusstsein gaukelt euch vor, selber der Nabel der Welt zu sein und dass andere anders seien, dass ihr euch von ihnen unterscheidet. Dieser Unterschied liegt nur daran, dass ihr bewusst seid. Im Schlaf fällt er weg – da seid ihr wieder mit dem All verschmolzen. Darum ist der Schlaf so beglückend: Am Morgen fühlt ihr euch erfrischt, verjüngt, wieder lebendig, unverbraucht.
Was spielt sich im Tiefschlaf ab? Ihr verliert euer Ich, ihr kommt euch abhanden, ihr werdet wieder eins mit dem All. Diese Rückkehr in die Einheit macht euch frisch und lebendig, und am Morgen fühlt ihr euch selig. Alle Verzweiflung ist wie weggeblasen; aller Zwist, alles Störende verschwindet; alle Angst, ja der Tod verschwindet. Denn sterben könnt ihr nur, wenn ihr abgetrennt seid. Wenn ihr dazugehört, ist der Tod unmöglich. Wer soll denn sterben, wenn ihr nicht abgetrennt seid? Wer soll denn leiden, wenn ihr nicht abgetrennt seid? Also sind Tantra, Yoga und was es sonst noch an Meditationsmethoden gibt, nur dazu da, euch klarzumachen, dass ihr gar nicht abgetrennt und in Wirklichkeit untrennbar seid. Und wenn ihr euch das bewusst machen könnt, seid ihr wie ausgewechselt; denn nunmehr habt ihr eure Mitte verloren – da sie zur Mitte des Alls geworden ist, wo sie auch hingehört. Jetzt werdet ihr nur noch eine Welle auf diesem grenzenlosen Meer sein. Und da ihr nicht mehr isoliert seid, braucht ihr keine Angst mehr zu haben, euch nicht mehr ausgeliefert zu fühlen. Weggefegt sind die Schrecken eures baldigen Todes, eurer Vernichtung. All das verschwindet mit dem Ich.
Für die Hindus ist das Samadhi seit jeher bewusster Schlaf. Im Schlaf kommt ihr automatisch abhanden. Nur noch die Existenz ist da, ihr aber seid nicht mehr da. Da ihr aber zutiefst unbewusst seid, bekommt ihr nicht mit, was sich abspielt. Wenn ihr genau dies bewusst wahrnehmt, seid ihr erleuchtet. Buddha geht zu derselben Quelle, zu der auch ihr jede Nacht im Tiefschlaf, im traumlosen Schlaf geht. Nur tut es Buddha bewusst, hellwach, aufmerksam: Er kennt sein Ziel, er weiß, was dort geschieht, und wenn er von dieser tiefen Quelle zurückkehrt, ist er ein verwandelter Mensch. Der alte ist verschwunden und ein neues Wesen, eine neue Energie ist aus ihr hervorgegangen. Der Mittelpunkt dieses Wesens ist das All; und mit dieser Schwerpunktverlagerung verschwindet einfach eure ganze Sorge, eure ganze Verzweiflung, eure ganze Hölle. Da wurde nichts gelöst: Es ist einfach nicht mehr da. Ohne das Ich kann es nicht existieren.
Wie aber geht das – bewusst tief zu schlafen? Kann man etwa bewusst einschlafen? Wie kann man sehenden Auges sein Ich verlieren? Das Ich ist eine Begleiterscheiunung eurer gesamten Erziehung, eine Folge des natürlichen Lebensablaufs. Ohne es geht es nicht, das steht fest. Niemand kann sich entwickeln, ohne sich auf das Ich einzulassen. Doch irgendwann kommt der Punkt, da man sein Ich aufgeben kann, ja es aufgeben und zu seinem wahren Wesen vorstoßen sollte.
Das Ich ist nur wie eine Eischale. Es ist nötig, es schützt. Genau wie die Hülle eines Saatkorns ist es nötig, schützt es. Aber das Schützen kann auch gefährlich werden – wenn es überhand nimmt. Wenn es nicht mit dem Beschützen aufhören kann und das Saatkorn nicht sprießen lassen will, wird es zum Hindernis. Es muss sich im Erdreich auflösen, damit zum Vorschein kommen kann, was in ihm angelegt ist. Es muss sterben.
Das Saatkorn muss sterben. Jeder Mensch kommt als Saatkorn zur Welt. Das Ich ist die Außenhülle; es beschützt das Kind. Wenn ein Kind ohne Ich zur Welt kommt, also ohne zu spüren "Ich bin da!", kann es nicht leben. Es wird sich nicht schützen können, es wird nicht kämpfen können, es wird nicht wissen, wie es existieren soll. Es braucht eine starke Mitte. Unecht zwar, aber unentbehrlich. Doch irgendwann wird diese Hilfe zum Hindernis. Das Ich schützt zwar nach außen, spielt sich aber dermaßen auf, dass es nicht will, dass du, dass dein innerstes Wesen sich entfaltet, sich ausweitet, es hinter sich lässt und zu sprießen beginnt. Das Ich ist also nötig – und irgendwann muss es tranzszendiert werden.
Wenn jemand mit seinem Ich stirbt, ist er als Saatkorn gestorben, ist er gestorben ohne wirklich das geworden zu sein, wozu er bestimmt war, ohne bewusst zur Existenz gelangt zu sein.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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