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Osho-Diskurs

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Alles muss raus!

Fragen an Osho

Manchmal fühle ich mich wie ein Schaf, manchmal wie ein Fuchs, und nur manchmal wie ein Schüler. Beruht die Transformation zu einem Schüler auf Liebe oder auf Einsicht?

Da hast du etwas Wahres beobachtet. So ist jeder beschaffen. Die Frage stammt von Prem Asheesh. Er hat genau beobachtet: Genau so ist es.
Manchmal fühle ich mich wie ein Schaf …
Und wenn du wie ein Schaf bist, kannst du nicht mein Schüler sein. Freilich halten sich viele Schafe für meine Schüler. Dabei folgt ihr mir nur aus Angst … folgt ihr eurer Angst, aber nicht mir. Ich bin nicht dazu hier, um euch zu Schafen zu machen. Die Gesellschaft, die Politiker, die Priester haben genug Schaden angerichtet – jetzt reicht’s. Man hat euch seit Urzeiten zu Feiglingen abgerichtet; alle haben euch gezwungen, feige zu werden. Alle haben euch gezwungen, in Angst und Schrecken zu leben; ihr seid immer nur am Zittern.
Ich bin hier, um euch zu helfen, nicht mehr zu zittern. Ihr braucht nichts zu befürchten, denn ihr habt nichts zu verlieren. Nicht einmal den Tod braucht ihr zu fürchten, denn niemand stirbt je. Nichts kann euch schaden. Sobald euch das klar ist, verschwindet das Schaf. Das Schaf kann ein Anhänger sein, aber kein Schüler.
Und ein Anhänger ist nicht unbedingt auch ein Schüler. Ein Anhänger ist nur auf Selbstschutz, auf Absicherung bedacht. Ein Anhänger will nur seine eigene Verantwortung auf andere abwälzen. Der Anhänger will nur in einer Gruppe untertauchen, wo er sich nicht mehr zu ängstigen braucht, wo er nicht mehr allein ist. Er sucht nur Gleichgesinnte. Er kann nicht allein sein, davor hat er Angst. Er hat kein Selbstvertrauen. Ein Anhänger hat kein Selbstvertrauen.
Ein Schüler hat Selbstvertrauen. Das führt ihn her – um von jemandem zu lernen, der sich etwas weiter vorgewagt hat als er selbst. Er ist kein Anhänger, er ist kein Nachahmer, und er sucht keine Absicherung, sondern Erkenntnis. Selbst wenn diese Erkenntnis zu mehr Unsicherheit führt, ist er dazu bereit.
Ein Anhänger kann keine Unsicherheit ertragen; er kommt zu einem Guru, einem Meister auf der Suche nach Schutz, Obdach, um sich hinter ihm zu verstecken. Er sucht nach einer Vaterfigur.
Ein Schüler sucht einen Meister und keine Vaterfigur. Er möchte das Leben erforschen. Auch wenn das Leben zu Unsicherheit führt – er ist bereit zu lernen. Auch wenn das Leben zum Tod führt – er ist bereit zu lernen.
Der Anhänger möchte nur eine Landkarte. Der Schüler ist auf ein Abenteuer aus. Er sucht keine Landkarte, sondern lediglich eine Herausforderung. "Fordere mich heraus!", sagt der Schüler zum Meister. Er sagt: "Reiß mich raus aus meiner Erstarrung!" Er sagt: "Erprobe meinen Mut!" Der Anhänger sagt: "Beschütze mich, lass mich nicht allein. Ohne dich bin ich verloren. Schick mich nicht fort. Erlaube mir, mich hinter dir zu verstecken."
Denkt daran: Der Schüler ist ein Wahrheitssucher; der Anhänger ist einfach nur krank vor Angst.
Manchmal fühle ich mich wie ein Schaf …
Zu solchen Zeiten kannst du kein Schüler sein, zumindest nicht meiner.
Manchmal fühle ich mich wie ein Fuchs …
Ja, auch ein Fuchs kann kein Schüler sein. Ein Fuchs ist ein sehr listiger Bursche, berechnend, rational. Der Fuchs kann den Hals nicht voll kriegen von Informationen und Wissen. Erkenntnis interessiert ihn nicht. Der Fuchs schnappt einfach alles auf, was er kriegen kann, egal woher, um allwissend zu werden. Denn Wissen ist Macht.
Der Fuchs ist auf Macht aus. Das Schaf hat es auf jemanden abgesehen, der mächtig ist, der es beschützen kann, und der Fuchs ist auf Macht aus. Der Fuchs täuscht gern vor, ein Schaf zu sein, um jemandem etwas wegzuschnappen; aber im Grunde lernt der Fuchs nur, um sein Ego zu päppeln.
Es gibt Leute, die nur zu einem Meister kommen, um irgendwann selber ein Meister zu werden – das ist ihr einziges Ziel. Sie kommen nicht, um zu lernen, sondern letztlich nur, um zu lehren. Sie lernen nur widerwillig, aber wer lehren will, muss halt erst lernen.
Der Fuchs ist zu gerissen, um demütig zu sein. Der Fuchs ist zu gerissen und gelehrt und berechnend, um sich auf eine tiefere Beziehung mit einem Meister, auf die Liebe einzulassen. Das Schaf kann kein Schüler sein, weil es zu ängstlich ist; der Fuchs kann kein Schüler sein, weil er machtgierig ist.
Aber es gibt diese beiden. Und Asheesh hat das wirklich sehr genau beobachtet, genau getroffen.
Manchmal fühle ich mich wie ein Schaf, manchmal wie ein Fuchs, und nur manchmal wie ein Schüler.
Kostbar sind jene Momente, in denen du dich wie ein Schüler fühlst. Nähre sie. Das sind Momente, auf die du mehr und mehr achten musst, auf dass sie immer öfter kommen, dir immer öfter begegnen. Verzichte auf dein Schaf und deinen Fuchs zugunsten jener seltenen Momente, in denen du ein Schüler bist.
Ein Schüler ist weder ängstlich, noch ist er auf Macht aus. Ein Schüler möchte erkennen, was das Leben ausmacht. Er will nicht erobern, er will die Welt nicht beeindrucken. Er will einfach nur wissen: "Was hat es mit diesem Mysterium auf sich, das mir widerfahren ist?" So fragt er in tiefer Demut.
Seine Suche beruht nicht auf Neugier, seine Suche ist kein bloßes Wissenwollen, sondern er sucht wie ein authentischer Wahrheitssucher, ein mumukshu. Seine Suche ist Mumuksha – der leidenschaftliche Wunsch, das Leben im Kern zu erkennen, in dieses Mysterium einzudringen.
Beruht die Transformation zu einem Schüler auf Liebe oder auf Einsicht?
Weder das eine noch das andere macht dich zu einem Schüler: Liebe allein genügt nicht, Einsicht allein genügt nicht. Nur liebende Einsicht macht dich zu einem Schüler. Wer mich nur versteht, wird sich von mir fernhalten, wird auf Abstand bleiben, weil keine Brücke da ist. Ohne Liebe ist keine Brücke da. Dann verstehst du mich zwar, aber es wird bei einem trockenen Verstehen bleiben. Du wirst nicht mit mir verbunden sein. Ich werde nicht in dich einfließen, du wirst mir nicht gestatten, dich zu überschwemmen, dich zu transformieren. Du wirst dich fernhalten … akribisch.
Und Liebe allein wird deshalb nicht helfen, weil Liebe so glücklich ist, dass sie vergisst zu verstehen. Liebe ist so sehr mit Feiern beschäftigt, dass sie vergisst zu verstehen. Sie ist so sehr mit sich selber beschäftigt, dass ihr der nötige Abstand fehlt, um zu verstehen.
Einen Meister versteht man erst, wenn man sowohl genug Abstand hat, um zu verstehen, als auch die nötige Nähe zu ihm hat, um zu verstehen. Es ist eine Brücke da, ich nenne sie "liebendes Verstehen". Dann teilst du mit mir, dann bist du von mir elektrisiert – aber das betäubt dich weder, noch macht es dich süchtig. Du trinkst dich an mir satt, bleibst aber trotzdem hellwach, bewusst und verlierst dich nicht darin.
Dies liebende Verstehen ist ein sehr paradoxer Zustand. Dann nimmst du zutiefst teil an mir, bleibst jedoch getrennt – bist du eins mit mir und dennoch getrennt. Nur dann, und wirklich erst dann, wirst du zum Schüler.

Aus: The Discipline of
Transcendence, Vol. 1, #10

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Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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