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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Mit den Augen eines Kindes

Fragen an Osho

Als ich dir heute zuhörte, wurde ich wieder zum Kind. Ich wollte ausrufen: "Ich bin doch erst drei!", wie vor Jahren einmal in einem Tanzkurs. Was tun?

Ihr könnt die Klarheit zurückgewinnen, wie damals als Kind. Ihr könnt Gott wieder näherkommen. Die Frage stammt von Parijat. Das hier ist auch ein Tanz. Wenn ihr mir lauscht, ist das ein versteckter Tanz. Bei mir zu sein, heißt, mit mir zu tanzen. Es kann geschehen. Wenn ihr wirklich mit mir tanzt, spielt euer Alter keine Rolle. Dann könnt ihr wieder zum Kind werden, könnt dieselbe Offenheit, dieselbe Klarheit wiedergewinnen wie damals als Kind, könnt ihr euch Gott wieder nähern.
Ein Kind ist Gott sehr nah, weil es der Natur sehr nah ist. Ein Kind ist noch unzivilisiert, es ist noch ein Primitiver. Ein Kind steht den Tieren näher als den so genannten Menschen. Ein Kind lebt aufgrund von Unschuld und nicht aufgrund von Wissen.
Um nichts anderes geht es mir, Parijat. Dazu bin ich hier: um zu zerstören – um all das zu zerstören, womit man euch und eure Kindheit blockiert hat. Ja, genau dazu bin ich da. Ich würde euch gern eine zweite Kindheit bescheren. Ich möchte, dass ihr eure Kindheit, jene ungetrübte Unschuld wiedergewinnt, wiedergeboren werdet.
Als Nicodemus Jesus fragte: "Meister, was muss ich tun, um die Wahrheit zu erkennen?", sah Jesus ihn an und sagte: "Du wirst neugeboren werden müssen. So wie du bist, kommst du nicht an sie ran. Du schleppst zu viele Hindernisse, zu viele Bremsklötze mit. Du wirst wieder zu einem Kind werden müssen."
Einmal stand Jesus auf einem Marktplatz inmitten einer Menschenmenge und irgendwer fragte: "Meister, du sprichst ständig vom Reich Gottes, aber du sagst uns nie, wer imstande sein wird, jenes Reich zu betreten. Wer sind die Auserwählten?"
Jesus sah in die Runde. In der Menge befand sich auch ein kleiner Junge. Er setzte sich ihn auf die Schultern und sagte: "Jeder, der so ist wie dieses Kind. Nur wenn ihr werdet wie die Kinder, werdet ihr in das Reich Gottes eingehen können."
Ihr hattet einmal eine Kindheit, die ihr verloren habt – macht nichts; das ist natürlich. Sie musste verloren gehen. So hat die Natur es eingerichtet. Jene Kindheit war zu unbewusst; ihr könnt sie nicht ewig behalten. Sie musste zerbrechen und verschwinden. So ähnlich wie eure ersten Zähne … die zu weich sind. Sie würden euch nicht euer ganzes Leben lang dienen können. Sie müssen ausfallen und stärkeren Zähnen weichen. Die erste Kindheit ist genau wie die ersten Zähne. Wo sind sie geblieben? Sie sind nicht mehr da, und ihr lebt ohne Zähne – ohne eure Kindheit –, daher der Jammer. Ihr werdet eure Kindheit wiedergewinnen müssen, nur müsst ihr sie diesmal selber herbeiführen müssen. Dann wird diese Kindheit ausgesprochen stark sein, enorm stark. Denn diesmal wird sie etwas Bewusstes sein, wird sie etwas sein, in das ihr hineingewachsen seid.
Die erste Kindheit war einfach ein Geschenk des Himmels; die zweite Kindheit wird eher eure eigene sein. Sie wird tiefere Wurzeln haben. Die erste Kindheit ging deshalb verloren, weil sie unbewusst war – und im selben Maße verschwand sie, wie ihr bewusster wurdet. Die zweite Kindheit muss bewusst sein, dann wird es keine Probleme geben. Dann kann sie bis in alle Ewigkeit mit euch sein.
Immer wieder kommt es vor, dass ihr die Vögel deutlicher hört – wieder so, wie sie in eurer Kindheit geklungen haben; oder die Blumen deutlicher seht – sie werden psychedelisch, farbenprächtiger. Ihr könnt die Bäume erkennen und ihr Grün. Es ist so stark, dass es wehtut! Es durchbohrt euch das Herz.
Alles wird sehr intensiv, wenn man ein Kind ist. So intensiv wie früher. Erinnert euch, wie ihr am Strand herumgerannt seid, um Muscheln zu sammeln oder im Garten Schmetterlingen nachgejagt seid. Erinnert euch wieder, wie alles so völlig anders war, wie viel bunter das Leben war, wie alles ein Wunder und eine Überraschung war. Wie alles einfach erstaunlich war, wie alles nahezu unglaublich schön war. Wie eurer Aufmerksamkeit nichts entging, wie alles etwas Märchenhaftes für euch hatte. Und was für eine Energie ihr hattet: strahlend, überschäumend vor Freude. Auf was für einer anderen Ebene ihr damals lebtet, wie entzückt von winzigen Dingen, von nichtigen Dingen. Wie verspielt ihr war, wie alles ein Fragezeichen, ein Geheimnis war …
Dasselbe kann wieder geschehen, sollte wieder geschehen. Nur darum dreht sich Religion – euch eine zweite Kindheit zu bescheren. In Indien haben wir sogar ein Wort für einen, der zur zweiten Kindheit findet: dwij, zweimal-geboren. Er ist wiedergeboren: nicht physisch – psychisch! Beim ersten Mal werdet ihr von euren Eltern geboren; beim zweiten Mal von eurem Meister. Die erste Geburt betrifft nur den Körper, die zweite Geburt betrifft die Seele.
Parijat sagt: Als ich dir heute zuhörte, wurde ich wieder zum Kind…
Gesegnet bist du – verlier das jetzt nicht. Anfangs wird es noch ganz zart sein; es wird wie ein Windhauch kommen und wieder gehen, dich kurz umtanzen und im nächsten Moment schon wieder fort sein. Es wird wie ein Fenster sein, das aufgeht und schließt. Es wird sehr zerbrechlich und verletzbar vorbeihuschen. Lass es mehr und mehr zu, bitte mehr und mehr darum – und es wird mehr und mehr kommen. Bald wird es sein wie ein starker Wind. Dann wird es nicht nur ein Lichtblick sein, sondern wird realer, kompakter werden.
Ja, wenn eure zweite Kindheit realer wird, bekommt sie eine solche Kompaktheit, wie sie keine Materie haben kann, ist sie das Unerschütterlichste in der ganzen Existenz. Wenn sie kompakt wird, wenn sie immerzu da ist – ob ihr schlaft oder wach seid, ist sie da, ob ihr esst, redet, nur schweigend dasitzt, ist sie da, auf dem Weg zum Markt ist sie da – wenn sie euch einhüllt. Selbst wenn ihr allzu aktiv seid, ist sie immerzu im Hintergrund da.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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