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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Liebe geht aus dem Alleinsein hervor

Fragen an Osho

Neulich, kurz nachdem ich angekommen war, begann die Schlacht zwischen Sex und Stille, Beziehung und Alleinsein. Ich hatte in dem Moment das Gefühl, dass eine Synthese unmöglich sei, als müsse ich mich für eins von beidem entscheiden, wäre aber in jedem Fall der Verlierer. Damals schien es mir möglich, als könne ich geradewegs gen Himmel fahren, ohne Umweg über die Erde.

Prem Harish, dies ist seit Menschengedenken eines der größten Probleme: Meditation und Liebe, Alleinsein und Beziehung, Sex und Stille. Das sind nur verschiedene Namen für ein und dasselbe Problem. Und die Menschheit hat seit eh deswegen je viel leiden müssen, weil die Leute das Problem falsch verstanden – indem sie gewählt haben.
Alle, die sich für eine Beziehung entschieden, wurden "die Weltlichen, die Diesseitigen" genannt, und alle, die sich für die Stille entschieden, wurden Mönche, "die Jenseitigen" genannt. Doch beide leiden, weil sie sich halbiert haben und ein halbes Leben unglücklich macht. Nur wer heil und ganz ist, lebt gesund und glücklich; und wer heil und ganz ist, der ist vollkommen. Nur halb zu leben ist deshalb elend, weil die andere Hälfte ständig sabotiert, die andere Hälfte auf Rache sinnt. Die andere Hälfte ist unzerstörbar, weil sie zu dir gehört, einfach nicht von dir zu trennen ist. Sie ist Teil deines Wesens und nicht etwas Zufälliges, das du wegwerfen kannst. So als würde ein Berg beschließen: "Ich will keine Täler mehr um mich herum haben. Nun, ohne Tal kein Berg. Die Täler gehören zum Wesen des Bergs dazu, denn ohne Täler gäbe es gar keinen Berg. Sie ergänzen einander; ein Berg, der ohne die Täler auskommen wollte, wäre kein Berg mehr. Und ein Tal, das ohne den Berg auskommen wollte, wäre kein Tal mehr – oder könnte höchstens nur so tun als ob. Dann tut der Berg so, als wäre kein Tal da, aber es ist nun mal da, du kannst dir das zwar verheimlichen, du kannst das Tal tief in dein Unbewusstes verdrängen, aber es bleibt da, weicht nicht vom Fleck, denn es ist existenziell, es ist nicht zerstörbar. In Wirklichkeit bilden Berg und Tal ein Ganzes, genauso wie Liebe und Meditation, Beziehung und Alleinsein. Der Berg des Alleinseins erhebt sich nur aus den Tälern der Beziehung. Genau genommen kannst du dein Alleinsein nur dann genießen, wenn du es auch genießen kannst, in einer Beziehung zu sein. Gerade die Beziehung führt zu dem Bedürfnis nach Alleinsein … das ergibt einen Rhythmus.
Wenn man sich mit jemandem auf eine tiefe Beziehung eingelassen hat, stellt sich ein großes Befürfnis ein, allein zu sein. Man fühlt sich ausgelaugt, erschöpft, müde – zwar heiter, zwar glücklich müde, aber jede Aufregung ist erschöpfend. Die Beziehung war herrlich, aber jetzt möchte man sich ins Alleinsein zurückziehen, um sich wieder zusammenzusammeln, um wieder überfließend werden zu können, um sich wieder seiner Wurzeln vergewissern zu können. In der Liebe war man mit dem anderen verschmolzen, hat man den Kontakt zu sich selber verloren. Man war ertrunken, betrunken. Jetzt möchte man wieder zu sich selbst zurückfinden. Aber kaum ist man allein, stellt sich wieder das Bedürfnis nach Liebe ein. Bald ist man so übervoll, dass man es nicht mehr bei sich behalten kann, dass man überzufließen beginnt … sich in jemanden ergießen möchte, sich jemandem schenken möchte. Liebe geht aus dem Alleinsein hervor.
Alleinsein macht dich übervoll. Liebe empfängt deine Gaben. Liebe macht dich leer, auf dass du wieder voll werden kannst. Sobald die Liebe dich ausgeleert hat, steht das Alleinsein bereit, um dich aufzupäppeln, wieder aufzubauen. Und dies ist ein Rhythmus. Diese beiden Dinge voneinander trennen zu wollen – das war die Dummheit, die äußerst gefährliche Dummheit, unter der die Menschheit gelitten hat. Die einen werden weltlich – sie haben sich verausgabt, sie sind einfach erschöpft, leer. Sie wissen nicht, wohin mit sich; sie wissen nicht, wer sie sind; sie sind sich selbst nie begegnet. Sie leben mit anderen, sie leben für andere. Sie sind Herdenvieh, keine Einzelmenschen. Und vor allem: Ihr Liebesleben erfüllt sie nicht. Sie leben nur halb. Und keine Hälfte gereicht je zur Erfüllung. Nur das Ganze ist erfüllt.
Und dann gibt es die Mönche, die sich für die andere Hälfte entschieden haben. Sie leben in Klöstern. Das Wort Mönch bezeichnet einen, der allein lebt; es hat dieselbe Wurzel wie Monogamie, Monotonie, Münster (monastry), Monopol. Das griechische monos bedeutet einzeln, allein.
Mönch ist einer, der allein sein möchte; doch dann ist er sehr bald übervoll, reif, und weiß nicht, wohin er sich ergießen soll. Wohin mit sich? Liebe kommt nicht in Frage. Sein Gelübde verbietet Beziehungen. Er darf nicht unter Leute gehen. Jetzt müssen seine Energien versauern. Jede stagnierende Energie wird bitter. Selbst stagnierender Nektar wird zu Gift, und umgekehrt … selbst fließendes Gift wird zu Nektar. Wer fließt, weiß, was Nektar heißt. Und wer stagniert, weiß, was Gift heißt.
Gift und Nektar sind nicht zweierlei, sondern zwei Zustände derselben Energie. Flüssig ist sie Nektar: gefroren ist sie Gift. Wann immer Energie sich staut und keinen Ausgang findet, wird sie sauer, wird sie bitter, wird sie traurig, wird sie abstoßend. Statt euch Ganzheit und Gesundheit zu bescheren, macht sie euch krank.
Alle Mönche sind krank. Alle Mönche sind zwangsläufig pathologisch.
Die weltlichen Menschen sind leer, gelangweilt, erschöpft, schleppen sich nur noch dahin, im Namen der Pflicht, im Namen der Familie, im Namen der Nation – lauter heilige Kühe! – schleppen sich zu ihrem Grab, warten nur darauf, dass der Tod sie erlöse. Sie werden erst in ihrem Grab erfahren, was es heißt auszuruhen. Sie kommen ihr ganzes Leben lang nie zur Ruhe. Und ein ruheloses Leben ist überhaupt kein Leben.
Das ist wie Musik ohne stille Momente – dann ist sie nur Lärm, ekelhaft, es wird einem übel davon. Große Musik ist ein Zusammenspiel von Tönen und Stille. Und je besser ihr Zusammenspiel, desto tiefer geht die Musik. Die Töne erzeugen Stille und die Stille erzeugt die Empfänglichkeit für Töne. Und so weiter und so fort … die Töne steigern nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch die Fähigkeit still zu werden.
Wer großer Musik lauscht, wird sich stets andächtig, heil und ganz fühlen: Sie beschert Heilung. Er findet zur Mitte, zu seinen Wurzeln. Der Himmel küsst die Erde, sie sind jetzt vereint. Körper und Seele begegnen und vermischen sich, ihre Grenzen lösen sich auf. Und das ist der große Augenblick – der Augenblick der unio mystica, der mystischen Einheit.
Harish, du sagst: Neulich, kurz nachdem ich angekommen war, begann die Schlacht zwischen Sex und Stille, Beziehung und Alleinsein. Dies ist eine uralte Schlacht … und dumm, stockdumm. Achte bitte darauf, keine Schlacht zwischen Sex und Stille zuzulassen. Denn sonst wird dein Sex abstoßend und krank sein, und deine Stille stumpf und tot sein. Sorge dafür, dass Sex und Stille sich vereinigen und vermischen.
Tatsächlich stellen sich die herrlichsten Augenblicke der Stille dann ein, wenn ihnen Liebe, großartige Liebe, Gipfel der Liebe vorausgegangen sind. So wie auf die Gipfel der Liebe stets großartige Augenblicke der Stille und des Alleinseins folgen. Meditation führt zur Liebe; Liebe führt zur Meditation. Sie sind Partner. Es ist ausgeschlossen, sie zu trennen. Also geht es nur darum, eine Synthese herzustellen. Da sie unmöglich zu trennen sind, kommt es darauf an zu verstehen, einzusehen, dass sie untrennbar sind.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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