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Osho-Diskurs

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Osho-Diskurs

Keine Geburt, kein Tod!

Fragen an Osho

Mein stärkstes Gefühl ist mein Hass auf den Tod. Ich möchte ihn umbringen! Ein für allemal! Und das Zweite ist: Wenn ich mir klarmache, dass ich dir nicht zu danken vermag, ist das ein unerträglicher Schmerz. Hängt das etwa zusammen?

Den Tod zu hassen heißt, das Leben zu hassen. Sie hängen zusammen und sind nicht zu trennen. Der Tod und das Leben sind eins, man kann sie unmöglich trennen. Ihre Trennung ist nur ein abstrakter Gedanke – und zudem vollkommen falsch. Das Leben beruht auf dem Tod, der Tod beruht auf dem Leben. Sie sind polare Gegensätze, aber sie ergänzen einander.
Der Tod ist der Gipfel des Lebens. Wie kannst du das Leben lieben, wenn du den Tod hasst? Und das ist ein völliges Missverständnis. Leute, die meinen, das Leben zu lieben, hassen stets den Tod – und indem sie den Tod hassen, werden sie lebensunfähig. Die Fähigkeit zu leben, die Fähigkeit maximal zu leben, stellt sich erst ein, wenn du bereit bist zu sterben – und zwar maximal zu sterben. Das hält sich immer die Waage: Wer nur lauwarm lebt, der wird auch lauwarm sterben. Wer intensiv, total, gefährlich lebt, der wird auch in tiefem Orgasmus sterben.
Der Tod ist der Höhepunkt. Im Tod erreicht das Leben seinen Gipfel. Der Orgasmus, den euch die Liebe beschert, ist nicht zu vergleichen mit dem Orgasmus, den der Tod beschert. Sämtliche Freuden des Lebens verblassen angesichts der Freude, die der Tod bringt.
Was genau ist denn der Tod? Mit dem Tod verschwindet ein falsches Wesen in dir – dein Ego. Das stirbt auch in der Liebe, in kleinerem Maßstab, nur teilweise. Darum ist die Liebe so schön: Einen Augenblick lang stirbst du, einen Augenblick lang verschwindest du, einen Augenblick lang bist du nicht mehr da, und das Ganze ergreift von dir Besitz. Plötzlich hörst du auf, nur ein Teil zu sein, schwingst du im Rhythmus mit dem Ganzen. Du bist keine Welle auf dem Ozean mehr, sondern wirst selber zum Ozean.
Das macht alle orgastischen Erfahrungen zu ozeanischen Erfahrungen. Dasselbe geschieht im Tiefschlaf: Das Ego verschwindet, der Verstand steht still, du fällst zurück in den ursprünglichen Jubel. Aber verglichen mit dem Tod sind das alles nur unvollständige Ahnungen. Der Schlaf ist ein ganz winziger Tod: Jeden Morgen wachst du wieder auf. Und dennoch: Wenn du tief geschlafen hast, wirkt die Freude den ganzen Tag über nach – eine gewisse Beschwichtigung klingt tief in deinem Herzen nach. Den Tag nach einem guten Schlaf verbringst du anders als sonst. Wenn du nicht gut geschlafen hast, geht am Tag danach alles drunter und drüber. Aus irgendeinem unbegreiflichen Grund bist du verstört, gereizt. Aus jeder Maus wird ein Elefant. Du bist wütend – nicht auf irgendwen, sondern einfach nur wütend. Du ruhst nicht in dir, du bist verstört; du fühlst dich entwurzelt.
Der Tod ist ein großer Schlaf. Der ganze Aufruhr des Lebens – in siebzig, achtzig, neunzig Jahren angesammelt, mitsamt all den Missgeschicken und Aufregungen und Ablenkungen und den Ängsten deines Lebens – sind wie weggefegt, spielt keine Rolle mehr. Du kehrst zurück in die ursprüngliche Einheit der Existenz. Du wirst Teil der Erde. Dein Körper wird wieder zu Erde, dein Atem wird wieder zu Luft, dein Feuer geht wieder in der Sonne, dein Wasser wieder im Meer auf, und dein innerer Himmel wird eins mit dem äußeren Himmel. Dies bedeutet der Tod.
Wie kann man den Tod hassen? Du musst etwas falsch verstanden haben. Du musst dir eingebildet haben, dass der Tod dein Feind sei. Der Tod ist nicht dein Feind, der Tod ist dein bester Freund. Der Tod muss willkommen geheißen, der Tod muss mit einem liebenden Herzen erwartet werden. Wenn du den Tod für deinen Feind hältst, wirst du leider – jeder muss sterben, egal was er denkt! – qualvoll sterben; und zwar weil du Widerstand leistest, weil du kämpfst. Mit diesem Widerstand, mit diesem Kampf wirst du sämtliche Freuden zunichte machen, die der Tod – und nur der Tod! – für dich bereit hält. Dein Tod, der eine unvorstellbare Ekstase hätte sein können, wird ein qualvolles Verrecken sein.
Und wenn etwas unerträglich wird, wird man ohnmächtig. Man kann nicht alles ertragen, irgendwann ist das Maß voll. Folglich sterben Neunundneunzig von Hundert in einer Ohnmacht. Sie wehren sich, sie kämpfen bis zum bitteren Ende. Und wenn sie einfach nicht mehr kämpfen können – sie haben all ihre Kräfte mobilisiert –, fallen sie in eine Art Ohnmacht, sterben sie einen bewusstlosen Tod.
Und einen unbewussten Tod zu sterben ist ein großes Missgeschick; weil man sich dann nicht erinnern wird, wie es sich abgespielt hat. Man hat nicht mitbekommen, dass der Tod ein Tor zum Reich Gottes ist. Man wird zwar durch das Tor reingetragen, aber auf einer Bahre, bewusstlos: Wieder hat man eine günstige Gelegenheit verpasst.
Aus diesem Grund können wir uns nie an unsere vergangenen Leben erinnern. Wer bewusst stirbt, der wird nichts vergessen, weil er alles genau verfolgt und keinen Filmriss gehabt hat. Er kann sich an sein vergangenes Leben erinnern und wird nicht dieselben Fehler wiederholen. Andernfalls wird der Teufelskreis kein Ende nehmen … dreht man sich immerzu im selben Kreis, in einem nie endenden Hamsterrad, wird man immer wieder dieselben ehrgeizigen Ziele verfolgen und dieselben Dummheiten wieder machen – weil man glaubt, es geschehe zum ersten Mal.
Man hat sie millionenmal gemacht – aber jedes Mal, wenn man starb, fand ein Filmriss statt, weil man bewusstlos war: Die Vergangenheit wurde einfach gelöscht. Dann muss man in jedem Leben wieder von vorn anfangen.
Darum könnt ihr nicht zu Buddhas werden. Zu einer Evolution kann es nur kommen, wenn man sich lückenlos an seine Vergangenheit erinnern kann und seine Fehler nicht ständig wiederholt. Nach und nach entfallen die Fehler dann. Nach und nach erkennt man den Teufelskreis; nach und nach lernt man ihn ein für allemal hinter sich zu lassen.
Wenn du unbewusst stirbst, wirst du unbewusst zur Welt kommen. Denn diese Tür ist eine Drehtür: Auf der einen Seite der Tür steht "Tod" und auf der anderen Seite steht "Leben". Sie ist Ausgang und Eingang zugleich – ein und dieselbe Tür.
Darum könnt ihr euch nicht an eure Geburt erinnern. Ihr habt jene neun Monate im Mutterleib ebenso vergessen wie das Verlassen des Geburtkanals, ihr habt die Qualen der Geburt vergessen, ihr könnt euch nicht an euer Geburtstrauma erinnern. Dabei verfolgt euch euer Geburtstrauma, solange ihr lebt – immer werdet ihr am Gängelband eures Geburtstraumas bleiben.
Es gilt also, dieses Trauma zu verstehen. Aber das ist nur möglich, wenn man sich auch daran erinnern kann. Aber wie schafft man das? Du hast eine solche Angst vor dem Tod, eine solche Angst vor der Geburt, dass genau diese Angst dich davor abhält darin einzutauchen.

Der vollständige Text kann in der Printausgabe gelesen werden.

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